Konzertreisen 2018-05-17T18:21:47+00:00
Konzertreise nach Kempen 1997
Unsere allererste Konzertreise führte nach Kempen am Niederrhein. Zusammen mit dem dortigen Posaunenchor veranstalteten wir ein gemeinsames Kirchenkonzert, und darüber hinaus konnten wir die Schönheiten der Kempener Altstadt besichtigen. Das Foto zeigt einen Teil von uns bei der Probe in der evangelischen Kirche

Konzertreise nach Ingolstadt 1999

Diese Fahrt im Mai 1999 war eine Erlebnis, das man als Musikgruppe einer Schule nicht jeden Tag hat. Beim Bundestreffen „Schulen musizieren“ durften wir dort nämlich das Land Hessen musikalisch vertreten.

Rückblick auf die 10. Bundesbegegnung „Schulen musizieren“

Tosender Beifall braust auf, noch bevor der Schlussakkord des Titels „Funky Walkin'“ verklungen ist. Die minutenlangen Ovationen versetzen uns, die 26 Musiker des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule, in ein unbeschreibliches Glücksgefühl und lassen selbst unseren sonst so gefassten Chorleiter Ulrich Meiß noch heute ins Schwärmen geraten. So geschehen am 13. Juni 1999 in der Stadthalle Ingolstadt bei einem Gruppenkonzert der 10. Bundesbegegnung „Schulen musizieren“, zu der wir als Vertreter des Landes Hessen eingeladen worden waren.

Dabei hatte alles doch ganz klein angefangen mit einer Anmeldung zum Regionaltreffen „Schulen musizieren“ im Februar 1997. Keiner von uns hatte damals an eine Teilnahme am Bundestreffen gedacht und schon gar nicht an eine solch grandiose Stimmung während eines unserer zahlreichen Auftritte. Unsere Gruppe, bestehend aus Schülerinnen und Schülern mehrerer Schulen des Kreises Hersfeld- Rotenburg, existiert in der heutigen Form erst seit 1996. Vor unserer Teilnahme an „Schulen musizieren“ waren wir vor allem durch Konzerte im Bereich Bad Hersfeld bekannt und haben darüberhinaus Konzertfahrten nach Wuppertal und Kempen unternommen sowie eine Advents-CD aufgenommen. Unser Repertoire umfasst alle Facetten der Blechbläsermusik: Wir spielen Gottesdienste und Kirchenkonzerte, aber auch moderne Arrangements zeitgenössischer Komponisten aus den Bereichen Pop- und Jazzmusik. Selbst volkstümliche Titel haben wir im Programm und wurden damit u.a. 1997 vom Hessischen Rundfunk zu einer Aufnahme eingeladen.

Trotz der geschilderten Aktivitäten kam, wie bereits erwähnt, im Winter 1996/1997 die Idee auf, am Wettbewerb „Schulen musizieren“ teilzunehmen. Wir wollten nämlich auch einmal die musikalische Arbeit anderer Schulen kennenlernen und außerdem einen Eindruck vom eigenen musikalischen Bildungsstand bekommen. Nach der Anmeldung und nach intensiven Proben fuhren wir also im Februar 1997 voller Ungewissheit zum Regionalentscheid nach Lollar. Wie sicherlich alle Teilnehmer hofften auch wir insgeheim auf eine Einladung zur Landesbegegnung nach Wiesbaden, denn unser Lehrer hatte einige Jahre zuvor bereits an einer solchen teilnehmen dürfen und schwärmte in den höchsten Tönen vom Wiesbadener Kurhaus.

In Lollar angekommen waren wir durchaus angetan von der musikalischen Vielfalt, die uns dort erwartete: Neben zwei Sinfonieorchestern waren die verschiedensten Chöre und Schulbands angereist und alle Gruppen spielten auf durchweg hohem Niveau. Umso mehr waren wir überrascht und erfreut, als wir einige Tage später von der Einladung nach Wiesbaden erfuhren. Bereits die Vorbereitungen für den Regionalentscheid waren für uns alle ein großer Anreiz zum Üben, wie sollte das erst vor einem Konzert in Wiesbaden werden? In der Folgezeit wurden die Proben intensiviert und es war erstaunlich, wie gut alle Schüler mitzogen. Damit verbunden war auch eine weitere Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Gruppe, die sich erfreulicherweise durch alle Altersstufen zog. Gerade das sehr gute Klima innerhalb des Ensembles ließ in jedem von uns ein Verantwortungsgefühl für den Gruppenerfolg aufkommen und half uns, so manch anstrengende Probe zu vergessen. Denn schließlich wussten wir, dass wir nur gemeinsam in Wiesbaden gut spielen könnten, und so ordnete sich jeder dem Gruppenerfolg unter.

Gut vorbereitet und unterstützt von vielen Eltern traten wir dann im April 1997 die Fahrt nach Wiesbaden an. Dort angekommen wurde uns sofort klar, warum unser Chorleiter in Superlativen vom Friedrich-Tiersch-Saal des Kurhauses geschwärmt hatte: Der kunstvoll geschmückte und reich verzierte Saal beeindruckte uns neben seiner Optik durch seine außergewöhnlich gute Akustik. Uns alle erfüllte es schon ein wenig mit Stolz, dort spielen zu dürfen, hatten wir doch vorher nie in einem vergleichbaren Konzertsaal auftreten dürfen. Dadurch motiviert gelang uns nach einer intensiven Einspielprobe eine Darbietung, die zu den besten gehörte, die wir bis dato gespielt hatten. Durch die Vielfalt der Stücke verfehlte der Auftritt auch beim Publikum nicht seine Wirkung: Sowohl barocke Werke wie „Allegro and Air from King Arthur“ von H. Purcell als auch fetzige Arrangements wie „Pops for four“ von Chr. Hazell kamen sehr gut an und so hatten wir für jeden Geschmack etwas im Programm. Aber auch alle anderen Gruppen erlangten unseren Respekt durch außergewöhnliche Qualität und Vielseitigkeit ihrer Darbietungen. Nachhaltigen Eindruck hinterließ dabei vor allem ein Blindenchor aus Marburg, der durch exzellente Intonation und Interpretation seiner Stücke bestach. Alles in allem waren wir hochzufrieden mit unserer Leistung und tief beeindruckt von einigen anderen Gruppen. Auf der anschließenden Heimfahrt zeigte sich dann, dass wir nicht nur zu den besten, sondern auch zu den stimmungsvollsten Schulensembles in Hessen gehören – auch ein Erfolg von „Schulen musizieren“.

Als wir im Frühjahr 1998 die Nachricht von der Teilnahme am Bundestreffen in Ingolstadt erhielten, konnten wir es zuerst gar nicht glauben. Für uns war der Wettbewerb eigentlich schon mit dem Konzert in Wiesbaden abgeschlossen. Umso mehr waren wir daher

überrascht, dass sich die Jury für uns entschieden hatte. Nachdem wir von den umfangreichen Aktivitäten gehört hatten, die für Ingolstadt bereits geplant waren, erahnten wir die Dimension der Veranstaltung. Neben einer riesigen Vorfreude wurde uns jedoch auch bewusst, welche Verantwortung wir als einziger hessischer Vertreter in Ingolstadt haben würden. Doch die Einladung war noch nicht alles: Wir durften uns außerdem über ein Stipendium der Viva Musica freuen, das im Zuge des Bundestreffens an … Gruppen für die Würdigung und Aufführung zeitgenössischer Musik vergeben wurde.

Einhergehend mit diesem riesigen Erfolg wuchs auch der Bekanntheitsgrad unseres Ensembles durch die Berichterstattung der Hersfelder Zeitung. Wir waren mehrfach auf der Titelseite des Lokalteils abgebildet, ganz abgesehen von zahlreichen Berichten über andere Auftritte bzw. Konzerte unserer Gruppe. Nach dem Weihnachtskonzert 1998, das wir zusammen mit dem Schulchor veranstalteten, konzentrierte sich unsere Probenarbeit dann ganz auf das Projekt Ingolstadt. In zahlreichen Stimm- und Gesamtproben wurden etliche neue Stücke erarbeitet sowie bekannte Titel weiter verbessert. Wir konzentrierten uns dabei vor allem auf Blechbläser-Arrangements aus den Bereichen Pop-, Rock- und Jazzmusik, für die wir zudem einen Schlagzeuger einarbeiten mussten. Da wir jedoch in Ingolstadt auch zwei geistliche Konzerte bestreiten sollten, durfte zudem die Kirchenmusik nicht vergessen werden. Gerade die Vielfalt unseres Repertoires hatte uns in der Vergangenheit einige Lorbeeren eingebracht und dies sollte auch im Hinblick auf Ingolstadt so sein. Abgerundet wurden unsere Vorbereitungen durch ein Probenwochenende, das zwei Wochen vor dem Bundestreffen anstand und uns den letzten Feinschliff gab.

Als es dann endlich soweit war und wir per Bus in Ingolstadt ankamen, wurden wir von Herrn Mai und Frau Mai-Kümmel, den Organisatoren aus Hessen, freundlich begrüßt und mit unseren Teilnehmer-Utensilien ausgestattet. Wir besuchten sogleich die Eröffnungsveranstaltung in der Stadthalle und knüpften hier bereits erste Kontakte mit Schülern aus anderen Ensembles. Der freundliche und offene Umgang der Gruppen untereinander sollte uns auch in den kommenden Tagen öfter auffallen. So herrschte, wie bereits erwähnt, bei den Gruppenkonzerten eine ausgelassene Stimmung und die Auftritte aller Gruppen wurden z.T. frenetisch bejubelt.

Am Abend fuhren wir nach Eichstätt, wo uns Herr Stadlbauer, unser Betreuer vor Ort, die Gastfamilien vorstellte. Die Kinder aus den Familien waren Schüler des Gabrieli- Gymnasiums Eichstätt, einer stark musikbezogenen Schule, an der Herr Stadlbauer selbst Musik unterrichtet. Wir waren alle sehr gespannt auf die Unterbringung in den Gastfamilien, hatten wir aus Gründen der Geselligkeit doch im Vorfeld versucht, in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen zu können, was aufgrund der riesigen Anzahl an Teilnehmern jedoch nicht für alle Gruppen möglich gewesen war. Aus heutiger Sicht war die Unterbringung in den Familien für uns jedoch sehr gut, denn dadurch sollten sich unsere Sprachkenntnisse entscheidend erweitern. So konnten einige bereits nach dem ersten Abend in den Familien fließend bayrisch reden und spätestens am Abreisetag beherrschte dies sogar unser Dirigent.

Der nächste Tag führte uns zunächst in den Dom zu Eichstätt, wo wir die sonntägliche Messe musikalisch begleiten durften. Neben verschiedenen Chorälen spielten wir konzertante Werke wie die „Chromatische Chaconne“ von H. Gadsch oder „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“ von J.S. Bach, die wir trotz der frühen Stunde recht ordentlich darbieten konnten. Beeindruckend war die Größe der Kirche und damit verbunden eine für uns außergewöhnliche Akustik. Nach dem Mittagessen, das in den Gastfamilien eingenommen wurde, und nach dem Besuch von Freiluftkonzerten anderer Gruppen bereiteten wir uns mit einer kleinen Anspielprobe auf unser Gruppenkonzert am Abend vor.

In der Stadthalle Ingolstadt wurde dann auch der musikalische Bogen von Big-Band- Sound über Tanzdarbietungen bis hin zu Kammermusik gespannt – und alles natürlich von exzellenten Schulgruppen dargeboten. Im Gegensatz zum Vormittag bestand unser Teil

hier ausschließlich aus moderner Musik und wir waren uns nach den ersten Beiträgen der anderen Ensembles nicht sicher, ob wir mit unserem Blechbläsersound überhaupt mit den populären Besetzungen und Arrangements mithalten könnten. Nach intensivem Einspielen und Einstimmen gelang es uns dann aber, an den Darbietungen der anderen Gruppen anzuknüpfen und bereits nach dem zweiten Stück, „Halleluja Drive“ von Chr. Hazell, sprang auch der Funke auf das Publikum über. Nach Titeln wie „Heal the world“, „Steppin‘ out'“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ waren die Zuschauer schließlich nicht mehr zu bremsen: Nie zuvor war uns solcher Applaus zuteil geworden und wir waren erleichtert, unser Bundesland so gut vertreten zu haben. Nach dem Konzert wurden wir von allen Seiten gelobt, insbesondere Frau Mai-Kümmel war sehr stolz auf uns als hessische Vertreter.

Der Montag morgen begann für uns mit einer Besichtigung des Gabrieli- Gymnasiums. Geführt von Herrn Stadlbauer bekamen wir einen Einblick in das Modell und die Abläufe dieser stark musikbezogenen Schule, wobei uns besonders die Vielfalt des musikalischen Angebots beeindruckte. So erhalten die meisten Schülerinnen und Schüler Instrumentalunterricht auf zwei oder drei Instrumenten und werden darüberhinaus durch zahlreiche Schulkonzerte gefordert. Um andererseits den Schülern einen Eindruck von unserer musikalischen Arbeit zu geben, stellten wir uns in der Pause auf dem Schulhof mit einigen Stücken vor. Traitionell werden bei jedem Bundestreffen „Schulen musizieren“ von allen teilnehmenden Gruppen Aufnahmen gemacht, die dann zur Erinnerung als CD zusammengestellt werden. Noch vor dem Mittagessen hatten auch wir deshalb die Gelegenheit zu einer Aufnahme im Tonstudio. Wir wollten auch auf der CD die Bandbreite unseres Repertoires andeuten und spielten deshalb die Titel „Nun ruhen alle Wälder“ von J.S. Bach, „Heal the world“ von M. Jackson und „When I get older“ von den Beatles ein. Aufgrund der knapp bemessenen Einspielzeit von etwa einer Stunde wurden wir dabei stark gefordert und waren dementsprechend abgeblasen, als wir uns nach dem Mittagessen zur einzigen Probe für das Abschlußkonzert trafen. Doch selbst nach einer anstrengenden Aufnahme und der zweistündigen Probe hatten wir unser Soll für diesen Tag noch nicht erfüllt, waren doch die schwindelfreien Bläserinnen und Bläser unseres Ensembles noch auf den Pfeiffturm der Moritzkirche zum Turmblasen eingeladen. In der Tradition mittelalterlicher Stadtpfeiffer wurden Fanfaren und Choräle in alle vier Himmelsrichtungen geschmettert und spätestens jetzt hatten wir uns jedem Ingolstädter Bürger musikalisch vorgestellt. Mit dem Besuch des Gruppenkonzerts in der Stadthalle entspannten wir uns von den vielfältigen musikalischen Erlebnissen dieses Tages. Danach ließen wir den wohl anstrengendsten Tag unserer Ingolstadt-Fahrt gemütlich in einer Kneipe ausklingen, wobei für uns auch einmal Gelegenheit bestand, bayrische Getränkespezialitäten näher kennenzulernen.

Bevor wir unsere Fahrt zum Bundestreffen am Dienstag abend mit dem Abschlusskonzert im Liebfrauenmünster beendeten, stand nochmals ein erlebnisreicher Tag an. Bereits um 11 Uhr spielten wir ein Freiluftkonzert in der Innenstadt. Wir trugen ausschließlich populäre Titel vor und trafen damit den Geschmack des Publikums. Anschließend nahmen zwei Gruppenmitglieder zusammen mit unserem Chorleiter an einem Empfang der Stadt anlässlich des Bundestreffens teil. Wir anderen trafen uns währenddessen bereits im Liebfrauenmünster zu einer kurzen Anspielprobe für das Konzert am Abend. Dabei wurden wir mit einer ungewöhnlichen Akustik und einem Nachhall von 12 Sekunden konfrontiert, für uns eine bislang neue und problematische Situation. Nachdem wir uns ein wenig damit vertraut gemacht und die Vorbereitungen soweit abgeschlossen hatten, war am Nachmittag Freizeit angesagt, und wir trafen uns erst wieder zum Besuch der Abschlussveranstaltung in der Stadthalle. Neben den üblichen Reden und den vielfältigen musikalischen Beiträgen teilnehmender Gruppen bekamen wir hier auch unsere Teilnehmerurkunde vom Verband Deutscher Schulmusiker ausgehändigt.

Doch danach konzentrierte sich jeder auf unseren letzten Auftritt in Ingoldstadt. Nach Umziehen und Einstimmen war es uns vorbehalten, das Abschlusskonzert mit drei Stücken zu eröffnen: „Morgenmusik“ von P. Hindemith, „Allegro from King Arthur“ von H. Purcell und „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“ von J.S. Bach. Außer uns nahmen der Unterstufenchor des Musikgymnasiums Wien und ein Gymnasialchor aus Landau (Rheinland-Pfalz) an diesem Konzert teil, die u. a. gemeinsam die „Messe in G-Dur“ von F. Schubert aufführten. Insbesondere das Orchester aus Wien, das als Gastgruppe zur Bundesbegegnung eingeladen war, überzeugte dabei mit höchster Präzession und Professionalität. Trotz aller Anstrengungen der vergangenen Tage gelang uns ein guter Abschluss des Konzerts, u.a. mit „Allegro Maestoso und Largo“, einer Eigenkomposition unseres Chorleiters und der „Sonata pian’e forte“ von G. Gabrieli. Trotz der o. g. akustischen Probleme war es für uns eine große Auszeichnung, zusammen mit zwei solch guten Gruppen ein Konzert in einer Kirche dieser Dimension bestreiten zu dürfen. Einen würdigeren Abschluss des Unternehmens Ingolstadt hätten wir uns nicht vorstellen können.

Ich kann guten Gewissens sagen, dass die Bundesbegegnung „Schulen musizieren“ in Ingolstadt das schönste Erlebnis war, das wir mit unserem Ensemble bestreiten durften. Deshalb sei an dieser Stelle auch den Organisatoren, Herrn Hermann Josef Lentz und Frau Edda Kropf, ganz herzlich gedankt, denn die Planung und reibungslose Durchführung einer Veranstaltung dieser Größe ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Wir können nur jedem engagierten Schulensemble empfehlen, sich ebenfalls für „Schulen musizieren“ anzumelden, denn es könnte unvergesslich werden. So unvergesslich wie für uns der Beifall nach dem Gruppenkonzert in der Stadthalle…

Dirk von Sierakowsky

Weihnachtseinkauf auf dem Champs Elysses

Kurz vor dem Weihnachtsfest 1999 besuchten wir auf Einladung der Stadt Bad Hersfeld die Partnerstadt L’Hay Les Roses – eine Vorstadt von Paris. Neben einem Empfang der Stadt mit vorzüglichen französischen Spezialitäten standen eine Stadtrundfahrt durch Paris und zwei Auftritte auf dem Weihnachtsmarkt von L’Hay Les Roses auf unserem Programm. Außerdem hatten wir die Gelegenheit zum Weihnachtseinkauf auf der Champs Elysses sowie die Genehmigung, auf dem Marsfeld zu Füßen des Eiffelturmes spielen zu dürfen – dort, wo die drei Tenöre ihr legendäres Konzert zum Abschluss der Fußball-WM 1998 gaben. Alles in allem also ein großes Erlebnis, für das wir der Stadt Bad Hersfeld herzlich danken!

  Selbst die Wolga war uns nicht zu weit

Nach Paris im letzten Jahr führte unsere jüngste Konzertreise nach Russland, nach Rostow-Welikij. Dies ist eine russische Kleinstadt mit rund 40000 Einwohnern, die 220 km nordöstlich von Moskau liegt und als Bestandteil des „Goldenen Rings“ zur kulturellen Schatzkammer Russlands gehört. Durch die Vermittlung von Hartmut Sippel, einem Religionslehrer unserer Schule, war der Kontakt zustandegekommen. Nach intensiver Vorbereitung machten wir uns vom 9. – 17. Oktober 2000 auf den Weg in das alte Zarenreich voller Spannung darüber, was uns in dem fremden Kulturkreis erwarten würde.

Bei der Planung hatten wir mehrere Verkehrsmittel gegeneinander abgewogen und uns letztlich für die 36stündige Bahnfahrt im russischen Schlafwagen von Hannover nach Moskau entschieden. Dass das erste Abenteuer jedoch schon eine halbe Stunde hinter Hannover begann, als ein Waggon wegen technischer Probleme ausgewechselt werden musste und es zu einer etwa zweistündigen Verspätung kam, damit hatte wirklich niemand gerechnet. Wie sollte es erst in Russland werden, wenn wir bereits in Deutschland nicht vorankamen? Neben dieser etwa zweistündigen Verspätung kam es aber auch an den Grenzen nach Polen und Weißrussland immer wieder zu längeren Wartezeiten, die wir uns mit Notenschreiben und Teetrinken sowie einigen Gesprächen mit dem netten russischen Schlafwagenschaffner Piotr vertrieben. Möglich war dies nur durch die Tatsache, dass uns unsere Dolmetscherin Karin während der gesamten Fahrt begleitete.

Je weiter es Richtung Osten ging, desto mehr wurde uns beim Betrachten der Ortschaften klar, dass der Lebensstandard hier nicht annähernd mit dem in Westeuropa vergleichbar war: Die dürftigen Holzhütten in den russischen Ortschaften und die Armut der Menschen, die an den Bahnhöfen in Weißrussland und Russland versuchten, selbst geerntetes Obst gegen Devisen zu verkaufen, machten jeden von uns nachdenklich und betroffen. Ein besonderes Erlebnis auf der Fahrt war auch die Umstellung des Zuges an der weißrussischen Grenze auf das breitere russische Schienennetz, wobei jeder Waggon angehoben und mit neuen Fahrgestellen versehen wurde. Nach zwei Nächten und eineinhalb Tagen mit insgesamt über drei Stunden Verspätung erreichten wir endlich Moskau, wo wir von unseren Gastgebern bereits ungeduldig erwartet wurden. Nach weiteren vier Stunden, in denen wir mit einem Ikarus-Bus über die endlosen, geraden Landstraßen tuckerten, waren wir dann in Rostow, dem Ziel unserer Reise, angekommen.

Unsere Unterkunft im Kreml der Stadt Rostow lag für russische Verhältnisse über dem Standard, und auch das Essen war besser als in einer deutschen Jugendherberge – eine Tatsache, die wir keinesfalls erwartet hatten. ßberrascht waren wir auch von der Gastfreundschaft der Menschen in Russland, für die westliche Besuchergruppen eine Seltenheit sind. So wurde beipielsweise für uns die Herberge beheizt, obwohl die einheimische Bevölkerung erst ab Anfang November Fernwärme bekommt, und sogar ein kleines Glockenkonzert wurde uns zu Ehren auf einem der Glockentürme im Kreml von einer Musikerin gespielt. Ungewohnt waren hingegen die sanitären Einrichtungen, denn sie standen im Gegensatz zu unserem sonst sehr positiven Eindruck. Aber wir merkten schnell, dass fließendes Wasser und Toiletten mit Wasserspülung in Russland keineswegs zur Standardausrüstung der Häuser gehören, und aus diesem Blickwinkel betrachtet konnten wir auch damit zufrieden sein.

Weil zum Kennenlernen eines Landes auch immer das Gespräch mit den Menschen gehört, war uns der kulturelle Austausch mit den Schülerinnen und Schülern der dortigen Musikschule ein wichtiges Anliegen. Bei der Schule handelt es sich um eine Musikakademie mit Vollzeitstudenten, die dort wesentlich intensiver musikalisch ausgebildet werden als dies bei einer deutschen Musikschule geschieht. Wir hatten hier die Gelegenheit, Chor- und Ballettstunden anzuschauen, und einige von uns nutzten auch die Möglichkeit, mit den zumeist weiblichen Studenten Kontakte zu knüpfen. In diesem Zusammenhang sprachen wir auch unsere Einladung zu einem Gegenbesuch nach Bad Hersfeld aus – ein Vorschlag, der bei den Studenten auf offene Ohren und viel Beifall traf. Immerhin ist es auch Ziel dieser Reise, einen der Völkerverständigung dienlichen Kulturaustausch zu initiieren, aus dem sich fortlaufende partnerschaftliche Beziehungen entwickeln sollen. Keine geringere Institution als der Deutsche Musikrat hat die Bedeutung unseres Vorhabens erkannt und es als ausdrücklich förderungswürdig erklärt.

In den insgesamt sechs Tagen vor Ort standen natürlich viele Exkursionen zu kulturellen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm: Museen in Jaroslawl besuchten wir ebenso wie die Stadt Sergejew Possad, eines der Zentren der russisch-orthodoxen Kirche. Dort konnten wir verschiedene Gotteshäuser besichtigen und in einem Kloster auch eine Kostprobe unserer geistlichen Musik geben. Die vielen Kirchen mit ihren prunkvollen Ikonen und den typischen Zwiebeltürmen waren es im übrigen, die uns immer wieder auffielen, weil sie sich in jedem Ort von den restlichen Gebäuden, zumeist Holzhütten, optisch abhoben. Neben den genannten Städten lernten wir auch Sehenswürdigkeiten von Kostroma kennen, einer Stadt an der dort 500 m breiten Wolga, wo die Menschen ihre Wäsche heute noch per Hand im Fluss waschen.

Bei einer Russland-Fahrt darf natürlich auch ein Besuch Moskaus nicht fehlen – wegen der vierstündigen Fahrtzeit mussten wir hierzu bereits um fünf Uhr morgens aufbrechen. Zuerst standen der Kreml und der Rote Platz auf unserem Programm – vermutlich zwei der am besten bewachtesten Orte der Welt. Sicherheitskräfte gestatteten uns mit unseren Instrumenten gerade einmal ein kurzes Rondeveau mit dem Roten Platz und der Basilius-Kathedrale. Auch die immensen Sicherheitsvorkehrungen beim Besuch des Lenin-Mausoleums hätten wir nicht einmal an einem internationalen Flughafen erwartet. In Moskau merkten wir aber auch, wie groß der Unterschied zwischen arm und reich in Russland ist, denn die Stadt mit ihren Einwohnern ist nicht von europäischen Großstädten wie Paris oder Berlin zu unterscheiden. Große Kaufhäuser wie das GUM, westliche Autos und elegant gekleidete Menschen gehören hier zum Alltag – ganz im Gegensatz zu den russischen Gegenden, die wir bei unseren anderen Ausflügen sahen. Unser Besuch in der russischen Hauptstadt klang mit einem Besuch des Russischen Staatszirkus aus, von dessen höchst professionellen Darbietungen wir alle hingerissen waren. Da war es auch zu verkraften, dass wir erst um zwei Uhr nachts wieder wir mit unserem Ikarus in Rostow ankamen und todmüde ins Bett fielen.

Hauptbestandteil der Fahrt stellte neben den vielen Exkursionen natürlich aus Musizieren dar – schließlich waren wir auf Einladung der Rostower Musikschule in Russland. Ein Höhepunkt der Reise war dann auch unser gemeinsames Konzert mit der örtlichen Folkloregruppe sowie einem Chor. Hierfür hatten wir in mehreren Proben vor Ort unter anderem auch zwei russische Volkslieder eingeübt, mit denen wir uns musikalisch beim Publikum für die Gastfreundschaft bedankten. Mit frenetischem Applaus wurde dies honoriert. Im ersten Teil des Konzerts standen außerdem einige geistliche Werke sowie mehrere deutsche Volkslieder auf dem Programm; im zweiten Teil konnten wir das Publikum mit Pop- und Jazz-Arrangements von unserer Vielseitigkeit überzeugen. Zum Abschluss bekam jeder der etwa 200 Konzertbesucher ein kleines Präsent von uns überreicht, wobei es sich vornehmlich um einfache Dinge wie Feuerzeuge oder Kugelschreiber handelte, die in Deutschland wohl kaum jemanden beeindruckt hätten. Unsere russischen Gastgeber hingegen unterstrichen ihre Freude über unseren Besuch mit mehreren Zugabe-Wünschen und ernannten unseren Chorleiter Ulrich Meiß kurzerhand sogar zum Ehrenbürger Rostows. Wir allen waren an diesem Abend einmal mehr von der Herzlichkeit der Menschen überwältigt und spätestens während des Konzerts wurde jedem von uns klar, dass diese Fahrt mehr darstellte als einen einfachen Sightseeing-Trip. Unsere Musik war es, die von den Menschen verstanden wurde und unsere Bereitschaft, nach Rostow zu kommen, rechnete man uns hoch an. Nach dem Konzert gab es ein gemeinsames Essen mit Vertretern der Stadt Rostow, bei dem auch die Möglichkeit bestand, Kontakte mit englisch sprechenden Bürgern der Stadt zu knüpfen.

Es gäbe noch viel mehr von dieser Reise zu erzählen, bei der wir in 10 Tagen insgesamt fast 6000 km mit Bahn und Bus zurückgelegt haben. Jeder von uns hat sicherlich seine eigenen Eindrücke aus einem Land mitgenommen, dessen Faszination sich aus Gastfreundschaft und kulturellem Erbe zusammensetzt, aber alle haben wir erlebt, wie wertvoll diese Reise für uns war – eine Reise, die man sonst nirgendwo buchen kann.

Dirk von Sierakowsky

Im Land der Polken

Es war zweifellos ein außergewöhnliches Bild, dass sich den zahlreichen Konzertbesuchern des jährlichen Blasmusik-Festivals in Zabreh/Tschechien bot: Rund 150 Musikanten, unter ihnen auch 22 Bläserinnen und Bläser aus Bad Hersfeld, hatten sich bei bestem Wetter auf dem Marktplatz versammelt, um mit der böhmischen Polka „Skoda Lasky“ den Schlusspunkt unter ein gemeinsames Konzert zu setzen. Noch zuvor hatte jede musikalische Formation für sich alleine ihr Können zum Besten gegeben: das Jugendblasorchester Zabreh, dann eine Konzertkapelle aus Sumperk und schließlich die Bad Hersfelder Bläserinnen und Bläser, die mit ihren gekonnten Vorträgen aus dem Bereich moderner Pop- und Brass-Music einen eindrucksvollen Kontrapunkt setzten in einem überwiegend von traditioneller böhmischer Blasmusik geprägten Konzert. Dies schien nicht zuletzt dem fachkundigen und musikbegeisterten tschechischen Publikum mehr als zu gefallen, nahm doch der Applaus kein Ende, und ein um die andere Zugabe wurde den Waldhessen unter Beifallsstürmen abgetrotzt.

Doch dieses Konzert war nur ein Programmpunkt einer Konzertreise, zu der die Schülerinnen und Schüler am vergangenen Wochenende mit ihrem Leiter Ulli Meiß in den Osten Tschechiens aufgebrochen waren. Dort ist Jugendblasorchester Zabreh beheimatet, das eine Einladung ausgesprochen hatte. Im Mittelpunkt der Fahrt stand neben der Musik sicherlich der Kontakt mit den jugendlichen Musikern des Blasorchesters, die ganz im Sinne der Völkerverständigung auch für die Unterbringung der Gäste in ihren eigenen Familien gesorgt hatten. Und dies bot sich als eine Gastfreundschaft dar, die überwältigend war und schnell zu vielen Kontakten unter den Mitgliedern beider Gruppen führte. „Die menschlichen Erfahrungen, die die Jugendlichen bei einem solchem Projekt mitnehmen, sind von einmaliger Qualität“, resümiert Meiß. Musik verbinde im wahrsten Sinne des Wortes die Völker, und beispielsweise im Unterricht als Lerninhalt behandelte Werte wie Toleranz, Weltoffenheit etc. erführen hier ihre reale Beweisprobe.

Ein Schwerpunkt der Reise war der Besuch der Hersfelder Partnerstadt Sumperk (Mährisch-Schönberg). Beim offiziellen Empfang mit anschließendem Besichtigung des Rathausturmes – im übrigen eine Ehre, die nur selten Gästen zuteil wird – konnten Kontakte mit Vertretern der Stadt geknüpft werden. Der Wunsch nach Intensivierung der Kontakte zwischen beiden Städten nun auch auf musikalischer Ebene dürfte dadurch entscheidend an Gestalt gewonnen haben. Nach einer Führung durch die Innenstadt verabschiedeten sich die Hersfelder mit einem etwa einstündigen Platzkonzert vorerst aus Sumperk.

An den übrigen Tagen standen der Besuch eines Wasserkraftwerks im Altvatergebirge, der Besuch eines Jazzkonzerts sowie ein eigenes Freiluft-Konzert im benachbarten Lostice auf dem Programm. Einen besonderen Einblick in die tschechische Kultur konnten die Mitgereisten dann auch am letzten Abend gewinnen, als man sich mit allen Gastfamilien zu einem gemeinsamen Abendessen im örtlichen Saal versammelte. Anläßlich der Walpurgisnacht, die in Mähren traditionell mit Tanz gefeiert wird, gab es anschließend viele Möglichkeiten zum kulturellen Austausch. Leider stand am nächsten Tag aber bereits die Heimreise auf dem Programm, zu der die Jugendlichen nach dem gemeinsamen Konzert am Mittag aufbrechen mussten. Die Bläserinnen und Bläser beendeten die für sie viel zu kurze Reise nach Tschechien allerdings nicht ohne die Hoffnung auf einen baldigen Gegenbesuch in Bad Hersfeld.

Am Rande der masurischen Seen

Anlass unserer Reise war die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages zwischen dem Landkreis Dzialdowo/Polen und dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Hierbei sollten wir für die musikalische Umrahmung sorgen. Außerdem war es gleichzeitig der Gegenbesuch bei der polnischen Musikgruppe, die im April 2002 bei uns zu Gast in Bad Hersfeld war. Unsere Reisegruppe bestand aus 20 Musikern unter der Leitung unseres Musiklehrers Ulli Meiß, dem Direktor der Modellschule Obersberg, Herrn Weber, Herrn Krutzinna als weiterem Lehrer, fünf Biologieschülerinnen mit ihrem Lehrer Herrn Ribbekamp, und zwei Elternteilen.

1.Tag: Am Donnerstagmorgen trafen wir uns um 1.30 Uhr (!!) an der Obersbergschule in Bad Hersfeld, um den Bus zu beladen. Pünktlich um 2 Uhr starteten wir Richtung Dzialdowo, dem großen unbekannten Ziel in Masuren. Wir fuhren über Eisenach, Erfurt und das Hermsdorfer Kreuz Richtung Berlin-Zoo. Auf einem der Parkplätze nahe Berlin stieg noch ein weiteres Mitglied unserer Gruppe zu. Als wir Berlin-Zoo erreicht hatten, verließ uns einer der beiden Busfahrer. Als nächstes Ziel unserer Route stand der Grenzübergang Frankfurt/Oder auf dem Plan. Wir erreichten ihn etwa um 9.00 Uhr und konnten ihn bereits nach 15 Minuten passieren. Mangels Parkmöglichkeiten an der Grenze tauschten wir unser Geld erst einige Kilometer danach in Sloty um.

Da in Polen unser Bus nur 70 km/h fahren durfte, wurde die Fahrt, die uns über Posen, Konin, Kutno, Plock, Drobin und Mlawa nach Dzialdowo führte, mitunter zu einer echten Geduldsprobe. Als wir um 18.30 Uhr endlich in der Schule von Dzialdowo eintrafen, wurden wir von dem Direktor der Schule und dem Bürgermeister mit Kaffee, Saft, Kuchen und Keksen herzlich begrüßt. Anschließend verteilte man uns auf die Gastfamilien, und wir bekamen noch reichlich Abendessen, bevor wir uns schlafen legten, beeindruckt vom herzlichen Empfang unserer Gastgeber.

2.Tag: Am nächsten Tag mussten wir früh aufstehen, da wir uns bereits um 6.45 Uhr an der Schule treffen mussten, wo wir ab 7.00 Uhr zwei Stunden Probe hatten. Zusätzlich wurde noch ein kleiner Vokalchor gebildet, der ein paar Lieder einstudierte, die sich die polnischen Gastgebern gewünscht hatten. Im Anschluss an die anstrengende Probe folgte nun unser erster Auftritt. Dieser fand im Kulturhaus von Dzialdowo statt, wo wir der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen den Landkreisen Dzialdowo und Hersfeld-Rotenburg beiwohnten, um danach gemeinsam mit der polnischen Musikgruppe ein kleines Konzert zu geben, das bis mittags dauerte. Noch vor dem Essen fuhren wir weiter zu einer Begegnung mit einem Blasorchester in Plosnica. Dort spielte zuerst das polnische Blasorchester einige Stücke, anschließend waren wir dran. Um 14.00 Uhr fuhren wir dann nach Grodki, wo wir in der Mensa der dortigen Schule unser Mittagessen sowie einige Informationen über die dortige Schule bekamen. Nachmittags fuhren wir zum Kreisfest der Feuerwehr in Dzialdowo, wo wir verschiedenen Feuerwehrkapellen zuhörten. Danach ging es in die Gastfamilien zurück, wo wir das Abendessen zu uns nahmen, bevor wir uns um 19.30 Uhr in Malinowo, einem Nachbarort von Dzialdowo, zum Lagerfeuer trafen. Dort wurden Würstchen auf Holzspieße gesteckt und über dem Lagerfeuer gegrillt, viel erzählt und gefeiert. Um 22.00 Uhr klang die gesellige Runde am Lagerfeuer aus. Ein Teil der Gruppe fuhr in die Gastfamilien zurück, die anderen besuchten noch die Disco oder den örtlichen Pub.

3.Tag Die Zeit bis 15.00 Uhr stand zur freien Verfügung. So besichtigte ein Teil der Gruppe Olsztyn (das frühere Allenstein) oder Olsztynek. Andere fuhren zu den Landhäusern der Gastfamilien oder erkundeten Dzialdowo. Anschließend gab es wieder Mittagessen in den Gastfamilien. Um 15.00 Uhr trafen wir uns an der Schule und fuhren von dort zum Stadtpark, wo ein gemeinsames Konzert mit der polnischen Musikgruppe stattfand. Während des Aufenthalts im Park regnete es leider, und so waren wir alle froh, als wir zum Abendessen in die Gastfamilien zurückkehren konnten. An diesem Abend fand für die Erwachsenen der Gruppe, die mitgereisten Bürgermeister und den Landrat, die sich alle ebenfalls in Dzialdowo aufhielten, ein festliches Abendessen im Hotel Varia statt. Die Jugendlichen vergnügten sich hingegen entweder in der örtlichen Disco oder im Pub.

4.Tag: Am Sonntag mussten wir ebenfalls ziemlich früh aufstehen, da eine Tagesfahrt nach Danzig auf dem Plan stand. Um 7.00 Uhr ging es an der Schule los, gegen 10.30 Uhr trafen wir am Ziel ein. Die polnischen Jugendlichen begleiteten uns an diesem Tag in einem anderen Bus. Die Führung durch die Innenstadt dauerte etwa 2 Stunden, wobei wir uns unter anderem das „Glockenspiel am Langen Platz“ anhörten und die berühmte „Danziger Figur“ aus dem Fenster eines alten Hauses hinausblicken sahen. Danzig in seiner ganzen historischen Dimension wurde für uns zum beeindruckenden Erlebnis. Anschließend suchten wir uns eine Möglichkeit zum Mittagessen. Um 14.00 Uhr trafen wir uns wieder, um die Instrumente aus dem Bus zu holen und auf dem ?Langen Platz? ein Konzert geben zu können. Dabei nutzten wir die Gelegenheit, um im Anschluss noch ein paar Gruppenfotos zu machen. Den Abschluss der Fahrt nach Danzig bildete ein Abstecher in die Danziger Bucht mit Blick auf die Westerplatte, dem historisch so verhängnisvollen Ort, der für den Beginn des 2. Weltkrieges steht. Zurück in Dzialdowo – quasi als Kontrastprogramm – waren die Erwachsenen zu einer Party bei einer Lehrerin eingeladen, die Namenstag hatte, während sich die Jugendlichen zu einem Abschlussmeeting im bereits bekannten Pub trafen.

5.Tag: An unserem letzten Tag in Polen trafen wir uns um 8.00 Uhr in der Schule, um nochmals zu üben. Anschließend gaben wir gemeinsam mit den polnischen Gastgebern ein Konzert in der Turnhalle der Schule. Hier trafen sich nun noch einmal der Schulleiter der polnischen Schule, unser Schulleiter und der Landrat von Dzialdowo. Reden wurden gehalten und Geschenke überreicht. Anschließend besuchten unsere Schülerinnen und Schüler den Unterricht an unserer Gastgeberschule, während die Erwachsenen zu einem kleinen Empfang im Zimmer des Direktors eingeladen waren. Ihnen wurde später die Schule gezeigt. Danach folgten wir alle einer Einladung des Bürgermeisters ins Rathaus, wo wir einiges über die Geschichte der Stadt Dzialdowo erfuhren. Die Erwachsenen wurden nach dem Treffen mit dem Bürgermeister vom Schuldirektor zum Essen in ein Restaurant gebeten, die Jugendlichen aßen in den Gastfamilien. Um 15.00 Uhr trafen wir uns alle an der Schule, und Instrumente und Koffer wurden verladen. Es gab noch einmal eine Feier mit Essen und Trinken, natürlich mit Reden und viel Musik, sogar unser zusätzlich eingeübter Gesang wurde zur Aufführung gebracht. Unser kleiner Chor gab somit fünf Lieder zum Besten, und dann wurde gemeinsam mit den polnischen Schülerinnen und Schülern „Du, du liegst mir im Herzen“ gesungen. Gegen 19.00 Uhr war es an der Zeit Abschied zu nehmen. Auf beiden Seiten flossen Tränen, „Nehmt Abschied Brüder“ wurde herzzerreißend von allen gemeinsam intoniert. Neben dem Bus warteten Dirk und Thorsten schon mit ihren Trompeten und bliesen zum Abschied „Amazing Grace“. Wir verabschiedeten uns lang und intensiv, bevor wir dann gen Heimat aufbrechen mussten.

A: Neu Delhi

Freitag, 28.03.2003

„Wieso nur liegt Indien so abgelegen?“ – das war die meistgestellte Frage der 26-köpfigen Reisegruppe, die am frühen Vormittag per Bahn Bad Hersfeld verließ, um sich in langsamen Schritten über Fulda und Frankfurt schließlich Neu-Delhi zu nähern. Grund dieser eher ungewöhnlichen Aktion: Ulli Meiß – Chorleiter des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule – mailte vor knapp einem halben Jahr einfach einmal so in der ganzen Welt herum, um einen musikalischen Schüleraustausch herzustellen. Der Kontakt, der dabei mit der Vidya Devi Jindal School/Hisar in Indien (150 km westlich von Delhi) entstand, erwies sich von Anfang an als zuverlässig, attraktiv und herzlich. Und so wurde seit Beginn des Jahres „verschärft“ geprobt und organisiert, um Deutschland musikalisch und kulturell in weit entfernten Landen gut zu repräsentieren; soweit ein kurzer Einblick in die Anfänge dieses außergewöhnlichen Kontaktes.

Doch zurück zur Reise selbst: Angekommen am Frankfurter Flughafen stelle man sich nun eine Rolltreppe vor, wo nach und nach eine von Alter, Geschlecht und Charakter bunt gemischte Gruppe Jugendlicher und „ausgewachsener Jugendlicher“ hochstolpert und man zwischen Tubakoffer und Schlagzeugequipment oftmals den Musiker selbst als letzten entdeckt. Etwas flau in der Magengegend ob der Dinge, die uns in den nächsten 14 Tagen wohl erwarten würden, gibt uns die positive Resonanz des indischen Bodenpersonals beim Einchecken über so eine ungewöhnliche Konzertfahrt im wahrsten Sinne des Wortes Auftrieb, und so steigen wir am frühen Nachmittag in luftige Höhen auf und verbringen die nächsten 10 Stunden erwartungsvoll in einer Boing 747 der Air India.

Samstag, 29.03.2003

Moskitos, nervige Kofferträger, undefinierbares Stimmengewirr … und die dreiköpfige Delegation der Vidya Devi Jindal School, die uns herzlich gegen fünf Uhr morgens indischer Zeitrechnung am Flughafen Indira Gandhi empfängt, sind die ersten Eindrücke eines uns völlig fremden Landes, das zu so früher Morgenstunde schon unnatürlich lebendig und wach scheint. Unser größter Wunsch derzeit: das Wachsein kurzzeitig zu beenden und die Zeitverschiebung schnell zu überwinden.

Der Müdigkeit entgegen wirkt allerdings kurze Zeit später eine der kontrastreichsten Stadtfahrten, die man sich als gemäßigter Mitteleuropäer vorstellen kann: Wellblechhütten oder Liegen mit schlafenden Menschen, Kühe, die den Verkehr behindern, Hupen ohne Unterlass, sämtliche vorstellbare Tiergattungen am Straßenrand und dann das Hotel Vasant Continental, das uns in vollem Luxus, mit frischem Saft und Blumenketten, Kofferträgern und westlichem Standard erwartet; da tut eine kurze Schlafpause als Aufarbeitungsmöglichkeit sichtbar gut.

Gut gestärkt durch ein gehaltvolles Frühstücksbuffet mit indischem Charakter entdecken wir dann mit Bus und zu Fuß die Hauptstadt Indiens: Delhi. Die Moschee Outub Minar, den Hindu-Tempel Shri Lakshmi Narain, der nur barfuß betreten werden darf, der eindrucksvolle Verbrennungsort Mahatma Gandhis – nun Gedenkstätte – und das Nationalmuseum, das uns Einblicke in die Welt des vergangenen Indiens ermöglicht, sind einige der interessanten Sehenswürdigkeiten, die die Gastgeber für uns herausgesucht haben.

Eine Teppichvorführung mit Teegenuss und viel Handel, ein Mittagessen in einem Restaurant mit viel Reis und leckeren Saucen oder das Erlebnis einer sich um den Hals windenden Schlange bei Flötenmusik sind erste Eindrücke dieser zehn Millionen Stadt. Das rote Fort, vom Mughul Kaiser Sha Jahan erbaut, ist eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit des heutigen Tages und lässt den Adrenalinspiegel eines Deutschen auch aufgrund von gigantisch vielen, in Herden auftretenden Bettlern und Händlern etwas in die Höhe schnellen. Bei der Licht- und Tonaufführung über die Stadt Delhi am Abend allerdings verlagert sich die Aufdringlichkeit der Händler auf die der Moskitos und wir überbringen dem Erfinder des Autan-Sprays dankbarst eine Huldigung. All das muss im wahrsten Sinne des Wortes nach einem üppigen Abendbuffet im Hotel erst einmal gut verdaut werden, und so schlafen wir dem nächsten aufregenden Tag entgegen.

B: Himalaya

Sonntag, 30.03.2003

Allmählich gewöhnen wir uns an den wenigen Schlaf, denn auch heute ist um 5.00 Uhr morgens wieder Abfahrt. Mit dem für eine Woche gemieteten Bus plus eines Busfahrers, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt, sowie seines „Adjutanten“ für den Notfall (das sind im Falle der indischen Verkehrsmittel alle unvorhergesehenen verkehrstechnischen Probleme von abgerissenem Keilriemen bis störrischer Kuh auf der Straße) verlassen wir Delhi und starten zu einer über 13-stündigen Busfahrt Richtung Himalaya. Die Eindrücke, die wir auf dieser Fahrt sammeln, sind gigantisch: vom enormen Verkehrsaufkommen in Delhi mit Händlern und Bettlern, die die Straßenränder säumen, über bäuerliche Gegenden mit Reisfeldern, Kuhfladen-Hütten und unvorstellbar armen Menschen bis zur Himalaya-Gegend mit aufsteigenden Bergen und wesentlich mehr Idylle und Ruhe.

Ein kurzer Mittagsstopp in einem für die Gegend wahrscheinlich schon luxuriösen Hotel lässt uns deutsche Toiletten und einen frischen Schluck Mineralwasser vermissen, und

wir lernen sehr schnell, nur verpackte Dinge und gekochtes Wasser anstatt Obst, ungekochte Milch oder Salat womöglich noch im Straßenverkauf zu uns zu nehmen. Umso glücklicher sind wir deshalb darüber, dass wir in dem Bundesstaat Uttaranchal ankommen und die Gastgeber wieder einmal ein tolles Hotel mitten in den Bergen für uns ausgesucht haben. Nach einem kurzen Ausflug in die kleine, noch vom britischen Kolonialstil geprägte Stadt Nainital, wo die Temperaturen aufgrund der Höhenlage den deutschen ähnlich sind, genießen wir indische Köstlichkeiten beim abendlichen Buffet im Hotel und freuen uns, morgen bis 7.00 Uhr „ausschlafen“ zu dürfen.

Montag, 31.03.2003

„Wenn Engel reisen…“ ? Fakt ist jedenfalls, dass die letzten fünf Tage sehr schlechte Sicht im Himalaja herrschte und erst durch das gestrige Gewitter die Sicht völlig klar und wunderschön geworden ist. So wird uns nach zweistündiger Serpentinen-Jeep-Fahrt am Aussichtspunkt Mukteshwar ein gigantischer Anblick geboten: wir selbst befinden uns schon auf 2286 Meter Höhe, doch wenn man in ca. hundert Kilometer Entfernung die 8000-er in blütenweißer Pracht glitzern sieht, ist das Gefühl von Freiheit und Frieden unbeschreiblich, auch wenn uns natürlich allen der Pakistan-Indien-Konflikt, der sich alleine schon um den Besitz dieser Berge abspielt, bewusst ist. Wir liegen hier mit einer Tasse Tee, blinzeln der Sonne entgegen und hoffen, dass der Moment nicht so schnell vorbei geht…

…doch irgendwann geht er natürlich vorbei, und mit dem ständigen Dieselgestank in der Nase (gut, dass wir heute noch kein Konzert haben, denn die Luft würde sonst knapp werden!) schrauben wir uns in unseren Jeeps wieder Richtung Hotel; vorbei an Kindergruppen, die auf ihre Schulbusse warten und in Schuluniformen unseren Weg säumen und das Gefühl einer „heilen Welt“ noch verstärken. Nach dem Essen heißt es wieder „AUF GEHT`S“ ? das berühmtberüchtigte Signalwort unseres Chorleiters – diesmal Signal für alle, die Koffer zu packen, und langsam werden wir geübter und schneller, die Kofferinhalte allerdings auch zunehmend unordentlicher. Außer Kofferpacken haben wir jedoch wenig zu tun, denn als Gast muss man hier weder seinen Koffer aus dem Hotel schleppen noch in den Bus tragen; ein komisches Gefühl, an das man sich erst gewöhnen muss.

C: Dschungel    

Montag, 31.03.2003

Unser Kontrastprogramm führt uns am Nachmittag in ein Safari-Hotel im Jim Corbett National Park – einem Reservat für wildlebende Tiere wie Tiger, Elefanten, Hirsche, Affen und viele andere heimische Dschungeltiere. Das Hotel liegt idyllisch schön an einem Flussbett, die Zikaden zirpen, viele Vögel ziehen ihre Runden und am Eingang der Hotelanlage winkt einem ein riesiger Elefant mit dem Rüssel entgegen. Wenn wir jetzt schon wüssten, dass wir auf diesem nicht nur reiten, sondern auch mit ihm gemeinsam ein Bad nehmen würden, wir hätten alles eher für einen Tagtraum gehalten! Um uns aber heute erst einmal an das „Dschungelfeeling“ zu gewöhnen, sehen wir uns einen Film über den englischen Jäger und Autor Jim Corbett an, der viele menschenfressende Tiger tötete und seine Dschungelerlebnisse niederschrieb. Gesättigt vom reichhaltigen indischen Buffet genießen wir die Abendstimmung im Dschungel und wappnen uns für die morgige Safari.

Dienstag, 01.04.2003

Der ganze Tag ist kein Aprilscherz, auch, wenn es einem bei einzelnen Aussagen an diesem Tag wie „der Elefant schwimmt jetzt mit uns im Fluss“ oder „das ist die Spur eines Tigers“ so vorkommen könnte; aber beginnen wir den Tag chronologisch. Schon vor dem Frühstück starten wir einen spannenden Dschungelspaziergang: wie die Tierforscher ziehen wir hintereinander und mucksmäuschenstill durch den Dschungel und werden dafür mit der Sicht auf Affen, Hirsche, wunderschöne Vögel und Termitenhügel belohnt.

Frisch gestärkt vom Frühstück geht es dann nicht nur um das Beobachten von Tieren, sondern um die Kontaktaufnahme mit einem weitaus größeren Gesellen als wir es sind. Ob es nun Benjamin Blümchen ist oder ein anderer Verwandter seiner Gattung, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass der gutmütige Elefant, dessen Zuhause ebenfalls die Hotelanlage ist, uns in Kleingruppen durch die Gegend schaukelt und das Gefühl weitaus weniger schlimm ist, als die vielen Schlaglöcher auf unserer Busreise. Daraufhin wird er auch jedes Mal mit leckerem ?Zuckerbrot? belohnt und zeigt uns seine „Rüsselmuskeln“, indem er einige von uns auf seinem Rüssel hochklettern lässt (hätten wir doch nur so ausgeprägte Muskeln im Mundbereich: unser Ansatz wäre auf Jahre hin gesichert!). Die Elefantenfaszination lässt uns noch immer nicht los, und so nehmen wir gemeinsam mit dem etwas borstigen und verdreckten Freund ein Bad im klaren Wasser eines Flusses. Vorteil ist, man hat gleich eine integrierte Elefantendusche!!!

In einer Art „Dschungel-Info-Museum“ informieren wir uns dann schon einmal theoretisch über die Dinge, die uns in den nächsten Stunden bei der Dschungelsafari erwarten werden. Ausgestattet mit Fernglas, Fotoapparat und Sonnencreme (mittlerweile ähneln nämlich einige Bläser dem Aussehen von Rotkopfäffchen!) beginnt eine witzige Jeep-Tour durch den Jim-Corbett-National-Park, und auch wenn die Tiger sich eher zurückhaltend im Erscheinen zeigen, sehen wir viele für uns interessante Tiere, wobei der Jeep-Fahrer sich innerlich bestimmt über unsere vielen „Stop“- oder „Wait“-Rufe köstlich amüsiert.

Tatsächlich kehren wir anschließend alle lebend aus dem Dschungel zurück, und das ist auch nötig, denn unsere Besetzungsliste wäre sonst völlig über den Haufen geschmissen! Nach einigen übungsfreien Tagen sind wir richtig „heiß“ aufs Spielen, denn erste Entzugserscheinungen nach täglichem ßben vor der Fahrt machen sich nach fünf Tagen „Spielabstinenz“ allmählich breit. Irgendwie erscheint es unrealistisch, als wir am Abend in der afrikanisch angehauchten Hotel-Empfangshalle sitzen, in deren Mitte die Feuerstelle entfacht wird und wir nun ein kleines Konzert geben. Zur Zeit sind nicht viele Hotelgäste da, doch als „Eingewöhnung“ für die nun folgenden Auftritte ist dies hier genau der richtige Rahmen. Ein leckeres Abendbuffet lässt den Abend nett ausklingen, wobei bei den ersten aus unserer Gruppe ab heute ein leichtes bis stärker werdendes Magengrummeln und ßbelkeitsgefühl aufkommt, das man noch nicht so recht zu deuten weiß?

D: Agra

Mittwoch, 02.04.2003

Es ist ein Tag, den wir aus unseren Erinnerungen wohl ganz schnell streichen würden, denn die heutige über zwölfstündige Fahrt nach Agra ist in Sachen Übelkeit, Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall nicht zu übertreffen. Irgendwie besitzt das Land Indien eindeutig zu wenige bzw. zu wenig passierbare Toiletten, und so sind wir dankbar, als nach einigen Stunden Fahrt eine Fabrik für uns ihre Tore öffnet und wir deren Toilette benutzen dürfen. Generell wirkt der Aufenthalt hier und überhaupt in dieser Gegend auf uns befremdlich und macht uns unsicher, überall werden wir förmlich „angestarrt“ und sonderbar gemustert. Hinterher sind wir schlauer, als wir von unseren Gastgebern erzählt bekommen, dass die Menschen hier noch nie weiße, mitteleuropäische Menschen wie uns im direkten Gegenüber gesehen haben.

Jedenfalls sind wir froh, unsere „Odyssee ins Ungewisse“ fortsetzen zu können, immer wieder kurz unterbrochen durch die Auswirkungen unserer Magen- und Darmirritationen, wobei hier auf detaillierte Beschreibungen verzichtet werden soll. Selbst die hartgesottensten Photographen unter uns lassen nach und nach vom Bilder knipsen ab, und auch die Stimmungslieder der „Mutmacher“ unter uns verstummen allmählich. Wir sind einfach nur heilfroh, das Jaypee Palace Hotel in Agra zu erreichen, wo wir sogleich von einem indischen Arzt versorgt werden und nun neben dem Autan-Spray einen neuen Produkthelden ernennen können: die indischen Antibiotika!

Donnerstag, 03.04.2003

Wie schön kann das Leben sein, wenn Übelkeit und Bauchschmerzen nachlassen! Die Inder werden nun sicherlich glauben, Deutsche ernähren sich lediglich von Zwieback, trockenem Brot und schwarzem Tee, denn das sind die „Renner“ an diesem Morgen ungeachtet eines fünf-Sterne-Frühstücksbuffets – welch Schande! In dezimierter Besetzung schauen wir uns am Vormittag die verlassene Stadt Fatehpur Sikri an, die Kaiser Akbar 1569 zum Dank für seinen neugeborenen Sohn als neue Residenz bauen ließ, die aber aus Wassermangel schnell ihren Untergang fand, jedoch noch immer ein großartiges Architekturdenkmal darstellt.

Den Besichtigungspunkt am Nachmittag aber lässt sich trotz Magen-Darm-Grippe niemand entgehen: das Taj Mahal. Schon von weitem begrüßt es uns in seiner vollen Schönheit, hinter den langgestreckten Wasserbecken des Gartens wirkt das marmorweiße Mausoleum märchenhaft schön und erhaben. Shah Jahan ließ das Grabmal für seine Lieblingsfrau Mumtaz-i-Mahal errichten, nachdem diese bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Nach vielen Gruppen- und Einzelphotos und geschichtlichen Erklärungen zu Indiens berühmtesten Bauwerk und Kulturdenkmal lassen wir die Schönheit des Taj Mahal einfach auf uns wirken und genießen den Augenblick.

Allzu lange Zeit zum Träumen bleibt allerdings nicht, denn um 19.00 Uhr soll unser erstes „richtiges“ Konzert in unserem gigantischen Hotel stattfinden; mit sichtlichen Orientierungsproblemen aufgrund seiner Ausmaße hat man gar Schwierigkeiten, den Konzertsaal zu finden. Ob das den Indern auch so geht oder so manche Zeitauffassung etwas von der unseren differiert, lassen wir jetzt mal dahingestellt – das Konzert beginnt jedenfalls etwas später und mit jedem Stück füllt sich der Raum ein wenig mehr. Es ist interessant zu beobachten, wie unnatürlich und ungewohnt unsere Musik auf die indischen Zuhörer wirkt; sie sind verunsichert, wie sie uns Lob und Anerkennung für die dargebotenen Musikstücke entgegenbringen sollen, wissen nicht genau, wann ein Stück beendet zu sein scheint und haben Probleme, den Charakter der Stücke zu interpretieren – aber – und das ist das Enorme: sie hören interessiert zu und sind am Ende begeistert. Selten kamen so viele Menschen nach einem Konzert völlig offen auf uns zu und dankten uns oder stellten Nachfragen.

Überaus glücklich werden wir nun zu einem gigantisch aufgebotenen Buffet mit sämtlichen indischen Köstlichkeiten geladen, die man sich nur vorstellen kann; allerdings beschränkt sich die Nahrungsaufnahme auf Anraten des Hotelarztes bei vielen noch fast ausschließlich auf Reis und Brot. Ein entspannter Abend mit Billard, Bowlen und Disco bringt uns die nötige „Bettschwere“, und in solch luxuriösen Hotelzimmern ist ein erholsamer Schlaf nicht schwierig.

E: Hisar

Freitag, 04.04.2003

Kein offizielles Programm am Morgen – das tut der Seele mal so richtig gut und so genießen wir die Sonne am Pool, den majestätisch anmutenden Hotelbau und das gute Essen, das uns allmählich wieder zu schmecken beginnt, bevor wir am Nachmittag den Weg nach Hisar antreten und dort am späten Abend sehr gespannt ankommen, denn der zweite Teil unserer Reise – ein Leben in Schule und Gastfamilien – ist nun angebrochen.

Die Vidya Devi Jindal School ist ein reines Mädchen-Internat mit über 850 Schülerinnen zuzüglich dem Lehrpersonal. Herzlich werden wir in der Schule empfangen und sofort wie Freunde begrüßt. Selbst die Autos der Gastfamilien – alles Lehrer, die selbst auf dem Campus wohnen – sind mit unseren Namen geschmückt und wir wissen gleich: hier können wir uns wohlfühlen! Auch die Unterkünfte unserer Mädchen im Sarogini-Haus, eines von mehreren Wohnhäusern für die Schülerinnen, sind liebevoll vorbereitet. Ein wenig fühlt man sich wie bei „Harry-Potter“, als wir dort einziehen, mit einer riesigen selbstgemalten Begrüßungskarte mit Hauswappen empfangen werden und erfahren, dass es hier zwischen den einzelnen Häusern viele Wettbewerbe zum Jahresende gibt. Und ganz ehrlich gesagt: ein bisschen was von Zauber hat diese Welt, in der uns alle Wünsche fast von den Lippen abgelesen werden auch. Einer dieser Wünsche ist heute Abend ein Bett, und mit dem Geräusch von Ventilatoren und surrenden Moskitos schlafen wir dem Schulleben entgegen.

Samstag, 05.04.2003

Ein Speisesaal mit 850 Schülerinnen in englisch angehauchter Schuluniform und wir 26 Deutsche mittendrin – nein, mittendrin kann man es eigentlich nicht nennen, denn von Anfang an merken wir, dass wir hier als Gäste eine ganz besondere Position einnehmen und bevorzugt behandelt werden. Eigentlich wollen wir das gar nicht, doch die indische Gastfreundlichkeit sieht es so vor und wir erleben auch in den nächsten Tagen keinerlei Form von Neid oder Missgunst, sondern Neugier, Interesse und Herzlichkeit, was uns sehr imponiert.

Eine beeindruckende Begrüßung mit Blinis (Punkt auf der Stirn als herzliche Gastbegrüßung), rotem Teppich, Begrüßungsgeschenken, Gesang und Tanz wird uns geboten, und wir sind erschlagen von der Herzlichkeit, die man uns entgegenbringt. Lehrer und Schüler sind sehr stolz, uns heute ihre Schule einschließlich Freizeitmöglichkeiten und Internat zu zeigen, und so prasseln die Eindrücke von den einzelnen Unterrichten, der Essenszubereitung, den Schlafräumen etc. nur so auf uns herein, und wir nehmen abermals staunend und fast ungläubig die zwei Welten, Gesichter zur Kenntnis, die Indien zu bieten hat: kurz hinter den Campustoren sieht man kaum Frauen und Mädchen auf den Straßen, ihr Leben ist vorprogrammiert als unterwürfig, arbeitsreich, arm und hart. Hier aber wird eine Gruppe von Mädchen zu selbstbewussten, intelligenten und gleichberechtigten Frauen erzogen, die ihren Weg machen werden und das Glück hatten, in besser gestellte Familien hineingeboren zu sein. Die Vidya Devi Jindal School setzt im ßbrigen ihren Schwerpunkt in der Ausbildung sowohl auf Tradition und Religion wie auch auf Fortschritt und westliche Orientierung.

Diese westliche Orientierung ist seit dem heutigen Tage auch nach außen hin durch einen weiteren, neu geschaffenen Tatbestand deutlich sichtbar: durch die“Bad-Hersfeld-Avenue“, die seit heute die Schulhäuser mit denen der einzelnen Lehrerhäuser verbindet und an deren Rand 26 Bäume mit signierten Namen von uns stehen, denn diese dürfen wir in heißer Mittagsstunde als „Schattengewächse“ (man kennt die Deutschen schon ganz gut!) pflanzen. Zur Abkühlung verbringen wir die nächsten Stunden bei einer langen Probe im Auditorium, dessen Ventilatoren wir uns loben. Mit der Dauer der Probe aber wird uns dennoch zunehmend heißer, da wir alle wissen, dass wir in den nächsten Tagen bei den Konzerten gute Qualität abliefern müssen. Heute aber heißt es am Abend noch mal: genießen! Denn die indischen Gastgeber bieten uns ein mit viel Liebe ausgewähltes Programm mit tollen Musik- und Tanzvorführungen und wunderschönen Kostümen. Eingeladen von der Schulleiterin, genießen wir in deren Garten im Anschluss daran ein leckeres „Dinner“ und fühlen uns hier herzlich aufgenommen.

Sonntag, 06.04.2003

„Volkslieder, lateinamerikanische Stücke, Nationalhymnen, klassische Werke…“ – alles querbeet ist heute morgen bei unserer Probe zu hören, wobei es sich als schwierig erweist, den eigens für diese Fahrt „nachkomponierten“ „Schoolsong“ unserer Gastgeberschule zu proben, da die Ohren der indischen Schülerinnen, die heute, am Sonntag, schulfrei haben, überall sind. Und wir würden dieses Lied doch so gerne als ßberraschungsgeschenk beim 1. Konzert präsentieren wollen! So beschränken wir uns auf ein „theoretisches Notenbild-Erfassen“ dieser ßberraschung und düsen anschließend mit dem Schulbus Richtung Hisar in einen Einkaufsmarkt oder nennen wir es „Tante-Emma-Laden“, wo uns Viina und Rittika – unsere beiden Hauptansprechpartnerinnen während des Austausches – geduldig erklären und beraten, was denn zu kaufen sinnvoll sei, denn die Menge an diversen Gewürzen ist einfach nicht überschaubar.

Nach gutem Essen und kalorienverbrauchendem Basketballspiel bleibt uns etwas Freizeit auf dem Schulgelände, wobei es schier unmöglich erscheint, auch nur eine Postkarte in der hintersten Ecke des Schulgeländes zu schreiben, ohne dass man von einer Gruppe von jüngeren Schülerinnen umringt wird und zahlreiche Diary- und Poesiealbums-Einträge verrichten muss. Doch auch das ist eindeutig ein Zeichen der herzlichen und schnellen Akzeptanz, und so werden während dieser Reise eben weniger Postkarten verschickt als sonst.

Unser Konzert am Abend, bei dem wir die Kleiderordnung zugunsten des Sakkoverzichts geändert haben (kleine Anmerkung: Deutschland -8 Grad Celsius; Indien +32 Grad Celsius), wird mit Begeisterung belohnt. Viele Ehrengäste sind gekommen und die Stimmung steigt zum Höhepunkt, als die indische Tanzgruppe zu den von uns gespielten Stücken „Can you feel the love tonight?“ und „We are the world“ ihre Tänze aufführen bzw. das Stück „Heal the world“ von der Schlagzeugerin der Schule und den Musiklehrern als Percussion-Gruppe begleitet wird. Als wir zum Ende den School-Song „enthüllen“, tobt das Auditorium, und wahrscheinlich haben die 850 Schülerinnen noch nie so laut ihren School-Song gesungen. Der Abend klingt wieder einmal im Garten eines Lehrers mit gutem Essen aus, wobei die deutschen Mädels noch spät abends heimlich zur Anprobe der Schuluniformen verschwinden – ßberraschungen haben ja bekanntermaßen in Indien Hochkonjunktur!

Montag, 07.04.2003

Deutsche Frauen scheinen einen anderen Körperbau als Inderinnen zu besitzen- die Uniform drückt und zwickt jedenfalls mächtig und auch das Binden der Schulkrawatte erweist sich als nicht allzu einfach. Dies jedenfalls sind die ersten Eindrücke, als wir (die Mädchen der deutschen Gruppe) uns die geliehenen indischen Schuluniformen überziehen. Tapfer marschieren wir dann ins Auditorium ein und dürfen als Belohnung auch gleich auf der Bühne bei der morgendlichen Versammlung der 850 Schülerinnen bei der Begrüßungshymne mitsingen. Es folgen Vorträge in englischer Sprache von jeweils einem deutschen und einem indischen Schüler, heute über das Thema „Geographie und Wetter“ in Deutschland. Gleich anschließend schwirren wir jeweils zu dritt in einzelne Klassenräume und gestalten eine Schulstunde mit, indem wir Instrumente erklären oder die Schülerinnen versuchen lassen darauf zu spielen oder wir von Deutschland erzählen beziehungsweise von unseren Eindrücken, die wir bisher in Indien sammeln konnten. Die Schülerinnen sind enorm interessiert und dabei diszipliniert und es macht Spaß, hier für kurze Zeit die Lehrerrolle einnehmen zu dürfen.

Dann jedoch wird’s ernst: die Workshops „Indischer Tanz“ bzw. „Indische Musik“ beginnen, und das heißt Konzentration, denn gerade in Sachen Bewegung und Körperbeherrschung haben uns die indischen Schülerinnen einiges voraus, so dass wir diesen beim Zusehen unserer ersten Bewegungselemente sicherlich wie eine Herde sich bewegender Elefanten vorkommen – egal: wir selbst haben jede Menge Spaß, besonders, weil einige unserer mutigen deutschen Männer nicht die Flucht ergreifen, sondern uns Mädels beim Tanz beistehen. Die andere Hälfte der Gruppe lernt indische Trommellieder und singt Hindi-Lieder, so dass man in den nächsten Tagen des ßfteren irgendwelche Leute mit mysteriösen Liedtexten, deren Inhalt uns wahrscheinlich immer verborgen bleiben wird, durch die Gegend laufen und diese auswendig lernen sieht, während andere sich zu „Zimmerveranstaltungen“ treffen, um einzelne Schrittkombinationen zu automatisieren.

Ein kultureller Schock ereilt uns am Nachmittag beim Besuch des Agroha Tempels, einem für Hindus sehr wichtigen Tempel, der nach deutschem Maß vor Kitsch und schlimmsten Farbkombinationen nur so strotzt und eher an einen Freizeitpark als eine religiöse Stätte erinnert. So unterschiedlich können also Brauchtum und Geschmack sein, und es ist gut, das zu erfahren. In der Schule erwartet uns heute Abend eine tolle Pool-Party mit den etwas älteren Schülerinnen der Schule. Vier vorher festgelegte deutsch-indisch gemischte Gruppen müssen witzige Aufgaben erfüllen wie z.B. Kartoffeln schälen, Gewürze sortieren, Wasser per Löffel in eine Glasflasche füllen, Sarees zusammenlegen etc., und zum Ende gibt es zahlreiche Siegerehrungen und Gewinne. Es wird viel getanzt, gegessen, erzählt und gelacht, und es bleibt uns unerklärlich, wie die indischen Schülerinnen am nächsten Morgen um 5.30 fit zum Frühsport antreten können.

Dienstag, 08.04.2003

Allmählich gewöhnen wir uns an den Schulalltag: Frühstück, morgendliche Versammlung diesmal mit dem Themenschwerpunkt „Bräuche und Feste“ und danach eine Stunde „Unterricht“ in den Klassen. Doch heute lernen nicht nur wir bei den Workshops „Indischer Tanz“ und „Indische Musik“ von den Indern, sondern diese dürfen sich ebenfalls in den vier verschiedenen Workshops „Trompete spielen“, „Musikgeschichte“, „Singen“ und „Deutscher Volkstanz“ austoben und schlagen sich dabei enorm gut; besonders das Einstudieren des Liedes „Du, Du liegst mir im Herzen“ mit all unseren Konsonanten und Vokalen ist für die indischen Schülerinnen eine echte Herausforderung. Genauso eine Herausforderung ist allerdings für uns der Nachmittag, an dem wir indisch kochen lernen, die wichtigsten indischen Gewürze näher gebracht bekommen und uns zu guter Letzt in Saris und Turbanen wieder finden, deren Wickeln und Schlingen eine Wissenschaft für sich ist. Mit all diesen neuen Erfahrungen starten wir mit dem Schulbus zur benachbarten Jindal Modern School, wo wir heute ein Konzert im Freien geben, was sich aufgrund von einsetzender Dunkelheit, herumschwirrenden Moskitos und aufkommenden Wind als etwas schwierig erweist, jedoch mit großem Applaus aufgenommen wird.

Mittwoch, 09.04.2003

Versammlung mit dem Themenschwerpunkt ?Schulsystem in Deutschland?, Besuch der einzelnen Klassen, und dann steht ein weiteres Highlight an, das die Schule sich ausgedacht hat: ein Denkmal zu Ehren dieser deutsch-indischen Freundschaft mit der Eingravur all unserer Namen wird errichtet und spiegelt mit seinen Symbolen das wider, was mit solchen Austauschprogrammen wie diesem erreicht wird: Toleranz und Akzeptanz, das Entstehen von Freundschaften. Es folgt ein letztes Feilen an den einzelnen Workshop-Arbeiten, dann wird es ernst, denn am Abend werden neben einem Konzert auch die einzelnen Workshops ihre Arbeiten vorstellen. So kommt es, dass einige von uns Stunden in dem Tanzkleiderfundus der Inder verbringen und schier verzweifeln, weil sie keine passenden Kostüme finden, und andere Ensemblemitglieder indische Weisen summend oder „Du, Du liegst mir im Herzen“ schunkelnd durch das Schulgelände laufen.

Der Abend jedenfalls ist grandios: Als wir Deutschen elefantenhaft versuchen, die grazilen Tanzschritte auszuführen, muss es ein Bild zum Schießen sein!!! Unsere Kostüme jedenfalls sind eindrucksvoll, wobei das enorme Schminken, das so ein Leben als Tänzerin wohl mit sich bringt, etwas kontraindiziert zum Spielen eines Blasinstrumentes ist, denn der Lippenstift ist zu glitschig, als dass ein guter Ansatz möglich wäre! Auch „unsere Jungs“ schlagen sich fabelhaft bei ihrer eindrucksvollen, an einen Seeräubersong erinnernden Darbietung, so dass die Zugabe-Rufe und Standingovations des indischen Publikums wirklich berechtigt sind. Doch auch unser anschließendes Konzert wird mit so viel Applaus quittiert, dass auch für die Zugaben noch genug Kraft bleibt. Ein wenig als Star kommt man sich dann schon vor, wenn man nach dem Konzert zahlreiche Autogramme geben und Photos mit einzelnen Schülerinnen machen soll; prinzipiell ist es einfach schön, soviel Freude an unserer Musik erleben zu dürfen.

Donnerstag, 10.04.2003

Die heutige „Cross-Cultural-Veranstaltung“ nimmt den ganzen Vormittag ein und ist von so vielen herzlichen Momenten erfüllt, dass es schwierig ist, dies jetzt im Nachhinein in Worte zu fassen. Nach der ?normalen? Versammlungszeremonie mit einem Vortrag über deutsche Geschichte schildert jeder der deutschen Austauschschüler seine Eindrücke und Erfahrungen, die er/sie in den letzten zwei Wochen sammeln konnte, und es ist erstaunlich, wie schnell und gut man sich daran gewöhnt hat, dies auf englisch zu tun. Zahlreiche Gastgeschenke wie Bücher über Deutschland und die Stadt Bad Hersfeld, ein Grimms Märchenbuch für die Bücherei und die Flagge des Landkreises Hersfeld-Rotenburg werden der indischen Schulleiterin überreicht. Doch auch wir werden reichlich beschenkt mit Bildern, selbst angefertigten Bläserstatuen, selbstgestickten Bildern und Puppen in Schuluniform und sind gerührt.

Lange Zeit zum Verarbeiten dieser tollen Eindrücke bleibt jedoch nicht, denn die Stadt Hisar in ihrem Verkehrschaos und bunten Getümmel zieht uns bei einer Einkaufsfahrt in ihren Bann. Wir klappern nach und nach einzelne Geschäfte ab, wobei diese in Deutschland ihren Namen „Geschäft“ oft nicht verdienen würden. Die indischen Lehrerinnen handeln für uns und diskutieren, denn das Stigma Europäer bedeutet oft: doppelter Kaufpreis der Produkte.

So kommen wir recht „wuselig“ wieder in der Schule an, wundern uns schon, warum der Schulhof mit vielen Lichtern geschmückt ist und merken beim Näherkommen, dass mal wieder ein Höhepunkt den anderen jagt und dies hier eine gigantische Abschiedsfeier uns zu Ehren ist. Gutes Essen, viele Photos, Geschenke, Musik, Diarys – um nur einige Stichworte dieser letzten Stunden zu nennen. Das bedeutet allerdings auch, dass wir in Windeseile unsere Koffer packen bzw. Koffer quetschen müssen, denn diese haben sich während des Indien-Aufenthaltes zunehmend gefüllt. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dass wenig Zeit für Abschiedsschmerz bleibt, denn sonst hätte sich die Verabschiedung sicher noch um Stunden hinausgezögert. Ein letztes Mal viele Hände schütteln, den einen oder anderen liebgewonnen Menschen drücken und winkend mit bewaffnetem Begleitschutz und einigen abgeordneten Lehrerinnen verlassen wir die Vidya Devi Jindal School, die uns für eine Woche eine herzliche Unterkunft war.

Die Fahrt zum Flughafen nach Neu-Delhi zeigt gewisse Parallelen zur Horrorfahrt nach Agra; glücklicherweise halten sich die Opfer von ßbelkeit und Erbrechen im Rahmen und so erreichen wir nach längerer Busfahrt den Flughafen Indira-Gandhi, wobei die Spannung noch etwas dahingehend erhalten bleibt, ob alle „Hinflieger“ tatsächlich auch zu „Rückfliegern“ werden, denn Malte hat sein Ticket plus Pass gut im Koffer versteckt, entscheidet sich aber dann doch noch, es zu finden und uns nach Deutschland zu begleiten. Wir müssen viel zu schnell Abschied nehmen von unseren Freunden und checken erst einmal ein, bevor wir uns irgendwo im Flughafen für eine Weile zur Ruhe mit Flughafencharakter betten können.

Freitag, 11.04.2003

Um 7.00 Uhr morgens indischer Zeit startet der Flieger der Air India Richtung Frankfurt, und da wir heute tagsüber fliegen, bieten sich uns tolle Bilder aus dem Flugzeugfenster. Neun Stunden Flug kommen einem nach den indischen Busfahrten fast nichtig vor und so landen wir alle erstaunlich fit aussehend um 13.00 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt/Main, freuen uns, als auch die Tuba irgendwann auf dem Gepäckband auftaucht und alle Instrumente da sind und werden von Mal zu mal schneller und geschickter beim Einladen von viel Gepäck in enge S-Bahnen oder Züge. Kurzzeitig sitzen wir dann auch einmal in einem Zug nach Heidelberg, der natürlich nicht über Bad Hersfeld fährt, und wünschen uns zurück nach Indien, wo uns die netten Hotelbediensteten jetzt bestimmt beim Ein- und Ausladen geholfen hätten. Doch die Realität hat uns wieder: die Koffer werden von eigener Hand ausgeladen, und tatsächlich schaffen wir es auf all diesen Umwegen, gegen 17.00 Uhr in Bad Hersfeld anzukommen.

Eine wundervolle Reise liegt hinter uns mit enorm vielen Eindrücken, die alle erstmal verarbeitet werden müssen. Selbst die vielen Photos und Berichte, Postkarten und Andenken können nur einen Bruchteil unserer gesammelten Eindrücke wiedergeben. Eins steht fest: die vielen Stunden, die wir geprobt, sortiert, komponiert und organisiert haben, wurden uns hier um ein Vielfaches entlohnt. Besonders Ulli Meiss, dem Leiter des Blechbläserensembles und all seinen Helfern und Helfershelfern ein riesiges Dankeschön für die vielen Stunden, Tage und Nächte des Organisierens, die es erst möglich machten, dass so eine tolle Fahrt stattfinden konnte!

Bianca Nolte

 Eine historische Gedenkfeier

Am 07. Mai 2003 begann die Fahrt des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule. Pünktlich um 4.45 Uhr morgens wurde der Bus beladen, der an der MSO auf uns wartete. Die 13-stündige Fahrt wurde auf verschiedenste Art und Weise genutzt, d. h. Arbeiten wurden korrigiert, einige schliefen oder redeten mit dem Nachbarn – es war wie immer auf unseren Fahrten eine kurzweilige Angelegenheit. Gegen 18 Uhr erreichte der Bus das kleine Städtchen Changé, ein Vorort von Le Mans, im Nordwesten Frankreichs gelegen. Dort wurden allen Teilnehmern ihre Gastfamilien vorgestellt, und nach einer kurzen Begrüßung fuhren wir mit diesen zum Abendessen, um danach pünktlich um 21 Uhr zur angesetzten Probe zu erscheinen. Letztere bestritten wir gemeinsam mit dem Orchester des Ortes, da einige Stücke zusammen bei den Feierlichkeiten am nächsten Tage aufgeführt werden sollten. Und nach der Probe und langen Fahrt waren alle schließlich froh im Bett zu liegen, nicht ohne jedoch einen völkerverständigenden Umtrunk mit den Gastgebern eingenommen zu haben.

Der nächste Tag war der 08. Mai, an dem man in Frankreich das Ende des Zweiten Weltkrieges feiert und der Gefallenen gedenkt. Wir begannen unser musikalisches Programm mit einem Platzkonzert vor der Kirche von Changé, wo wir hauptsächlich moderne Titel wie „We are the World“, „One Moment in Time“ oder „Down by the Riverside“ zum Besten gaben.

Anschließend in der Kirche ging es weniger ausgelassen, dafür feierlich zu, und im Wechsel mit dem Orchester aus Changé begleiteten wir den Gedenkgottesdienst. Dem Auftritt schloss sich eine kleine Parade an, in der wir mit marschierten und französische Märsche intonierten. Und dann folgte der wohl denkwürdigste Moment dieser Reise: beide Orchester positionierten sich vor dem Ehrenmal für die Gefallenen des zweiten Weltkriegs in der Ortsmitte. Unser Dirigent Ulli Meiß dirigierte die französische und der französische Chorleiter die deutsche Nationalhymne sowie die Europahymne – eine Geste von höchstem Völker verbindendem Wert. Einige Bläser zog es nach diesem offiziellen Teil zum Mittagessen in die Gastfamilien, aber die meisten blieben auf dem Marktplatz und begnügten sich mit einem stärkenden Imbiss. Nach vier Stunden Freizeit, die wir gemütlich in der Sonne saßen, folgten noch drei Platzkonzerte, und der musikalische Teil des Tages war vorbei. Während die meisten den Abend mit guten Gesprächen und gutem Essen ausklingen ließen, zog es andere noch ins Nachtleben von Le Mans.

Den nächsten und letzten Tag in Frankreich gingen wir kulturell an. Auf dem Programm stand die Besichtigung des wohl schönsten Loire-Schlosses, Chambord. Die Landschaft um die Loire übte trotz des schlechten Wetters ihren Reiz auf uns aus, und nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel. Vorerst blieben die Instrumente im Bus und das Schloss wurde besichtigt. Beeindruckend war gleich am Eingang eine Treppe, die Leonardo da Vinci extra für dieses Gebäude entworfen hatte. Diese besteht im Prinzip aus zwei ineinander verschlungenen Aufgängen, auf denen man sich weder begegnen noch sehen kann, womit der damalige Schlossherr seiner von ihm nicht geliebten Ehefrau erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Diese Treppe führte allerdings auch dazu, dass unser Vorhaben, geschlossen als Gruppe das Schloss zu besichtigen, scheiterte. Ein Teil ging die rechte, der andere die linke Treppe hinauf, und die Gruppe fand sich erst nach zwei Stunden vollständig am Eingang wieder.

Die malerische Kulisse des Schlosses war dann Schauplatz eines einstündigen Platzkonzertes, das wir zur Freude der zahlreichen Besucher gaben. Am Abend hieß es dann Koffer packen, und nach einer anstrengenden Nachtfahrt erreichten wir am nächsten Morgen wohlbehalten unsere Heimatstadt Bad Hersfeld.

Irene Radick

Konzert im Schwarzen Meer

Im Sommer 2004 besuchten wir den Chor der Aleksander-Pushkin-Schule in Varna/Bulgarien, der bereits zu einem Gegenbesuch im

Frühjahr 2004 in Bad Hersfeld weilte. Unsere Fahrt war geprägt von gemeinsamen Begegnungen und Konzerten im Rahmen des Varnaer Kultursommers sowie von Ausflügen in die Geschichte Bulgariens. Ein Bad im schwarzen Meer durfte natürlich auch nicht fehlen.

Silvester „Down Under“

Sonntag, 26.12.2004

Alle Jahre wieder?- dieser Weihnachtsliedanfang passt nicht nur zum heutigen zweiten Weihnachtstag, der uns frühmorgens mit Plätzchenduft und beleuchteten, geschmückten Städten empfängt bzw. verabschiedet, sondern auch zu der Reiselust des Blechbläserensembles der MSO unter Leitung von Ulli Meiß, denn „alle Jahre wieder“ stehen kleinere oder größere Fahrten an. Konzertfahrten nach Russland, Frankreich, Polen und Indien waren in den vergangenen Jahren Höhepunkte des Ensembles, doch eine Entfernung von 16000 km haben weder wir noch unsere Instrumenteje zurückgelegt. Mit unermüdlichem Engagement haben Ulli, Helfer und Helfershelfer diesen Schüleraustausch mit der Shepparton High School in Victoria /Australien geplant und mit dem heutigen Tag sollen die Pläne in die Realität umgesetzt werden.

Am frühen Nachmittag heben wir mit der Fluggesellschaft „Cathay Pacific“ von Frankfurt aus ab und verbringen die nächsten zehn Stunden mit schlafen, Englisch lernen, fernsehen, essen oder einfach der Vorfreude auf die nächsten zwei Wochen, bevor wir frühmorgens bzw. für unser Empfinden nachts in Hongkong für zehn Stunden zwischenlanden und auf einer Stadtführung einen groben ßberblick über die chinesische Kommerzstadt erhalten.

Montag, 27.12.2004

Hongkong, das sich durch eigene Währung und Sprache sehr von China abgrenzt, wirkt auf uns recht kalt und künstlich; auf kleinstem Raum leben Menschenmassen – man möchte fast sagen – übereinander, was die gigantischen Hochhäuser, die fast überall anzutreffen sind, bezeugen; auch geizt die Stadt nicht mit Brücken und öffentlichen Verkehrsmitteln, denn für private PKW reicht der Platz einfach nicht aus. Frühlingshafte Temperaturen und gleichzeitig geschmückte Tannenbäume sowie Weihnachtslieder lassen in uns eine seltsame Gefühlsmischung aus Weihnachten und wiederum gar nicht Weihnachten aufkommen. Allmählich macht sich dann der Schlafmangel bei uns bemerkbar und ist auch durch Kaffeekonsum oder ähnliche Versuche nicht mehr aufhaltbar und so sind wir alle froh, den zweiten Teil des Fluges von Hongkong nach Melbourne- wenn auch mit einigen Stunden Verspätung- antreten zu können.

Dienstag, 28.12.2004

Wir fliegen dem Morgen Australiens entgegen, oder ist es nun Nacht? Durch zehn Stunden Zeitverschiebung sind wir etwas durcheinander, was dies betrifft, aber die vielen neuen Eindrücke in einem vollkommen fremden Land, 22 Flugstunden von der Heimat entfernt, halten uns wach.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch einige der australischen Schüler und Linton Fergusson, den „Programmplaner unseres Aufenthaltes“, fahren wir ca. zwei Stunden in das nördlich von Melbourne gelegene Städtchen Shepparton mit rund 20.000 Einwohnern. Durch eine kleine Empfangszeremonie mit knuffigen Stoff-Koala-Bären und einer ungezwungenen, herzlichen Begrüßung durch die australischen Gastgeber fühlen wir uns gleich wohl und willkommen, und so ist es kein Problem, die restlichen Stunden des Tages alleine oder zu zweit in den Gastfamilien zu verbringen. Bei australischem Essen, Gesprächen und dem Kennen lernen australischer Lebensgewohnheiten geht die Zeit schnell herum und eine Dusche und Bett sind nach zwei Tagen „Unterwegssein“ angenehme Dinge, die wir gerne in Anspruch nehmen.

Mittwoch, 29.12.2004

Ein wenig enttäuscht wirkt Ulli schon, als wir ihn heute Morgen eher nebenbei begrüßen, ohne im Geringsten Notiz von seinem heutigen Geburtstag zu nehmen. Als dann aber anstatt des zweiten andirigierten Liedes ein vierstimmiges „Happy Birthday“ erklingt, ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen – Musik ist halt manchmal mehr!

Die Probe ist lang und anstrengend, doch als wir erfahren, dass „the audience on new years eve shall be nearly 20000 people“, steigt die Motivation des Weiterprobens. Mittags trifft man sich ungezwungen am See zum Picknicken und es ist erstaunlich, was australische Gastgeber ohne viel Aufsehen auf die Beine stellen. Sogar ein „Mud-Cake“, einer der kalorienhaltigsten Schokokuchen, die es wohl gibt (und für Ullis Schokogeschmack natürlich genau das Richtige), wird gezaubert und man teilt so, dass für alle etwas übrig ist. Da sich die deutschen Gäste in den Gastfamilien sehr wohl fühlen, ist es eine gute Gelegenheit, den restlichen Tag dort zu verbringen, und die Aktivitäten reichen von Bowlen über Schwimmen bis hin zu Stadtbummel und Sehenswürdigkeiten ansehen. Die Schule hat für uns eine nette Liste von Dingen zusammengestellt, die man unbedingt kennen lernen sollte, und wir können schon Folgendes verzeichnen:

VEGEMITE = nahrhafte „Maggi-Paste“, die dick aufgetragen BRRRRR? schmeckt, aber unheimlich gesund sein soll.
GALAH = oft anzutreffender Vogel, der Geräusche macht, als ob er jemanden auslacht.
GUM TREE = Eukalyptusbaum, die häufigste Baumart Australiens. Mal sehen, wann wir die nächsten „australischen Vokabeln“ mit Leben füllen können…

Donnerstag, 30.12.2004

Ein herrlicher Sonnentag! Man fährt an geschmückten Tannenbäumen vorbei und muss die Sonnenbrille aufsetzen, um nicht geblendet zu werden. „Da stimmt was mit ihrem Gefühl nicht“, würde Loriot jetzt sagen!!!

Heutiges Ziel ist der Kyabram-Fauna-Park, wo wir Vertreter sämtlicher einheimischen Tiere des Landes sehen können. Von sich um nur Millimeter am Tage bewegenden Koalas bis zu lustig hüpfenden Kängurus; von Taschen ausräumenden Kakadus bis zu diversen Schlangenarten ist alles vorhanden, und wir lernen bei jeder Menge Spaß nicht nur besser Englisch, sondern auch die Natur des Landes kennen. Das anschließende Barbecue ist große Klasse: völlig unkompliziert sitzt man auf mitgebrachten Picknickdecken bei allerlei australischen Köstlichkeiten zusammen, grillt, spielt Kricket (bzw. lernt die verheerend komplizierten Regeln) und genießt die Zeit.

Das Kräfte sammeln ist auch nötig, denn die nächsten vier Stunden Probe sind hart: ein geeignetes „Openair-Programm“ der Stücke ist zusammenzustellen und im Vorfeld der Reise lediglich per Post an die Teilnehmer versendete Stücke sind gemeinsam zu proben. Abends sitzt man gegen 21.00 Uhr in T-Shirt und kurzer Hose im Garten und spürt einfach den australischen Sommer, Gastfreundschaft und dass Musik verbindet.

Freitag, 31.12.2004

Wir verbringen viel Zeit in den Gastfamilien, was eine sehr gute Erfahrung ist, denn nur so kann man wahres australisches Leben kennen lernen und weiß plötzlich auch, warum man Fremdsprachen lernt. Da steht man nun auf der australischen Post und versteht einfach nicht, wie die verflixten Telefonkarten funktionieren. Die Menschen hier wirken sehr offen, freundlich und hilfsbereit und man fühlt sich nicht als Fremder; vielleicht mag das daran liegen, dass viele ihre Ursprünge als Fremde in diesem Land haben, da Australien fast nur aus Einwanderern besteht, und der englische Einfluss auch deutlich an Architektur, Straßennamen und Lebensgewohnheiten spürbar ist.

Nach kurzer Anspielprobe und „Sound-Check“ auf der Bühne in Mooroopna, wo das heutige Silvesterkonzert stattfinden wird, liefern wir gegen 20.00 Uhr ein gutes und gelungenes Programm ab; eine lockere aber dennoch begeisterte Atmosphäre der Zuschauer erwartet uns, und das Musizieren macht Spaß. Unser Programm reicht von Schlagern über Filmmusik bis zu australischen „Hits“, kommt gut an und unsere australischen Gastschüler sind im „Bravo“ und „Zugabe“ rufen eine Wucht.

Anschließend geht es bei der Silvesterparty in Russells „Scheerscheune“ rustikal und herzlich zu. Die Bigband der Highschool sorgt für die musikalische Untermalung des Abends, und die Gastgeber sind mit allen nötigen „Barbecue-Utensilien“ bewaffnet, die man sich nur denken kann. Eine besondere ßberraschung ist es, als Ulli und Björn zum Jahreswechsel das traditionelle australische „Jahreswechsellied“ „Auld lang syne“ spielen. Ebenso ungewöhnlich ist, dass wir das Jahr 2005 zehn Stunden vor deutscher Zeit begrüßen – ein Jahreswechsel, der uns sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Samstag, 01.01.2005

Guten Morgen Australien und Prost Neujahr Deutschland! Das Wetter ist heute eher durchwachsen und es bleibt Zeit, den Tag in den Gastfamilien zu verbringen, bis wir uns zum abendlichen Auftritt im Retired Soldiers League Club Shepparton treffen. So lernen einige einfache Beats am Schlagzeug, andere werden Farmer-Experten, indem sie Melkmaschinen-Ausstellungen besuchen, und wieder andere lassen es sich an Bergseen oder zu Hause gut gehen. Der „Erholungstag“ wird mit einem abendlichen Restaurantbesuch abgeschlossen, und gut gestärkt spielen wir unser zweites Konzert, das begeistert aufgenommen wird und durch das spontane gemeinsame Musizieren beider Gruppen mit der inoffiziellen australischen Nationalhymne „Waltzing Mathilda“ seinen krönenden Abschluss findet.

Sonntag, 02.01.2005

Wir beginnen den Tag mit einem Platzkonzert im Hafen von Echuca, einer Raddampferstadt am Murray River, dem Grenzfluss zwischen Victoria und New South Wales, mit guter Stimmung in allen Bereichen: Björn, unser 1. Trompeter, mutiert durch musikalische Einwürfe immer mehr zum Spanier, Dirk hat sich australischen Farmerhüten unterworfen und unser neues T-Shirt-Jeans- Turnschuhe-Outfit gefällt nicht nur uns, sondern auch Ulli!!!

Echuca, einst größter Inlandshafen Australiens, birgt mit alten Raddampfern, Pferdekutschen und dem Flair vergangener Tage eine unnachahmliche Atmosphäre, die wir bei einer netten Raddampferfahrt auf einem der alten „Paddle-Steamer“ einatmen bzw. bei der anschließenden Stadterkundung durch altes Handwerk genießen. Da heute ein richtig schöner Sonnentag ist, verbringen wir den restlichen Tag mit dem „Effizienz-Test“ von Sonnencremes aller Arten und Lichtschutzfaktoren und genießen „Curitime“, was ein Begriff aus der Aboriginessprache ist, und soviel bedeutet wie „in den Tag hinein leben“.

Montag, 03.01.2005

Nach einer knappen Woche Australien haben wir uns bestens an die Zeitumstellung gewöhnt und verkraften es ganz gut, heute in aller früh aufzustehen, nachdem gestern Abend einige unserer Gruppe den australischen Sternenhimmel bei einem Art „Daniel-Düsentrieb-Erfinder in allen Bereichen“ bestaunen durften; genauer gesagt lernten wir exakt denjenigen kennen, der privat die größten Himmelsteleskope Australien baut und der uns mittels seiner selbst gebauten Technik einen faszinierenden Blick zu den Sternen der südlichen Hemisphäre ermöglichte. Und wir erfuhren wieder ein Stück australisches Positiv-Denken: Verfährt man sich in Australien (so geschehen auf dem Weg zu besagtem Teleskop), ist die natürliche Reaktion nicht ein Schimpfen und Fluchen darüber, dass man den Weg vergessen hat, sondern man stellt lächelnd fest: „The memory was good up to this point“ (bis hierher wusste ich den Weg gut) – dass man nun den Weg nicht mehr weiß, ist zweitrangig! Nun gut.

In Sachen Pünktlichkeit jedenfalls sind unsere Gastgeber sehr verlässlich, und so verlässt der Bus pünktlich und vollgepackt mit Notenständern, Instrumenten und Gepäck für drei Tage die Schule Richtung Melbourne. (Björn ist ganz stolz, dass ihm zu Ehren eine australische Stadt benannt wurde, nämlich „MEL-BJßRN“ :). Erster Programmpunkt soll der Victoria-Market sein, eine attraktive und sehenswerte Einkaufsmöglichkeit in der größten Stadt an Australiens Südküste. Ein Problem gibt es dabei allerdings: Die Australier verlegen gerne ihre Feiertage – falls diese auf einen Sonntag fallen – auf die anschließenden Werktage (eine tolle Regelung, die man auch in Deutschland einführen sollte!), und so sind wir und unser instinktiver Kaufdrang zwar da, nicht aber die Stände und Kaufmöglichkeiten.

Stattdessen erleben wir eine witzige Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn und lernen eine gemütliche, saubere Zweimillionenstadt im viktorianischen Stil kennen, die viel Atmosphäre und Charme verbreitet. Der Melbourner Zoo ist durch den „Schein-Feiertag“ jedenfalls gut gefüllt und unser drittes Konzert im Zoo-Pavillon kommt gut an. Eine anschließende kurze Stadtrundfahrt mit dem Bus bringt uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt näher und es macht Spaß, die Stadt anschließend im Schnellverfahren auf eigene Faust zu erkunden und „Aussi-Läden“ mit Straßenschildern, Didgeridoos, T-Shirts und Bumerangs zu belagern….

Montag, 03.01.2005

Über die eindrucksvolle „Great Ocean Road“ erreichen wir schließlich das Küstenstädtchen Lorne und damit leider auch das schlechte Wetter. Unsere Gastgeber haben eine Turnhalle für uns angemietet, und die mitgebrachten Schlafsäcke und Luftmatratzen werden rechts und links in der Turnhalle unter Einhaltung der neutralen Zone (die Trennung von Männlein und Weiblein 🙂 als Lagerungsstätten aufgebaut. Unser „Duschbeauftragter“ Sebastian teilt die Duschen gerecht auf, Edith schrubbt für die dreißigköpfige Truppe Geschirr und Dirk erweist sich als Organisationstalent, indem er in einem Laden, der keine Geschirrhandtücher verkauft, selbige ausleiht. Wieder einmal erwartet uns ein Stück positives Denken: nicht nur, dass unser Busfahrer Lennart die Luftmatratzen aufpumpt, die Instrumente ein- und ausräumt und bei australischen Straßenschildern für Photos anhält. Als wir ihn fragen, wo er denn schlafe, meint er freudig „im Hilton“ und deutet auf sein Nachtlager in der Turnhalle. Nach gemütlichem Zusammensitzen und tropfendem Regen aufs Turnhallendach schlafen wir gut ein.

Dienstag, 04.01.2005

Eine so kalte, gewittrige, regnerische Nacht wie die heutige haben wir hier in Australien nicht erwartet, doch nach einem Frühstück in rustikalem Stil sind alle fit für die Tour auf der Great Ocean Road, eine eindrucksvolle Strecke, die wunderschöne Aussichten bietet und uns zum Touristenstädtchen Port Campbell führt, wo Zeit zum Essen, Muschelsuchen und Relaxen bleibt. Ein kurzer „Bushwalk“ durch die Oaklands zeigt uns, wie unterschiedlich die Landschaften Australiens sind: von kargen, steppenähnlichen Landschaften bis zu üppigen Regenwäldern ist alles vertreten.

Am frühen Nachmittag soll das eigentliche „Highlight“ dieses Tages – die Besichtigung der 12 Apostel, einer im Pazifik gelegenen zwölfteiligen Felsformation – folgen. Dieses Naturdenkmal lädt in seiner Schönheit zum Verweilen und Photographieren ein: Nicht aber so heute, denn kaum,dass das erste Gruppenbild aufgenommen ist, ergießen sich derartige Regenschauer über uns, dass an einigen unserer Bläser kein trockener Faden mehr ist und uns dieser Besuch nicht nur ob der Faszination der gigantischen Felsen bestimmt in langer, nasser Erinnerung bleiben wird. Regen hin, Regen her – wenn wir schon einmal in Australien sind, wollen wir auch viel sehen, und so verbringen wir noch einige Zeit an der Felsküste von „Loch and Gorge“, wo bei gefährlichen Brandungen in früheren Zeiten viele Schiffe sanken und sich zahlreiche Sagen um diesen Ort ranken.

Wieder in Lorne angekommen, steht uns der restliche Abend zur freien Verfügung; einige gehen essen, andere liefern sich in der Turnhalle harte Badminton-Duelle oder gehen früh zu „Schlafsack“.

Mittwoch, 05.01.2005

Ein geplanter Strandtag in Lorne und zugleich Dauerregen als Realität, so sind die Fakten an diesem Tag und so wird das Programm kurzfristig geändert, nachdem wir die Turnhalle wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt haben. Wir besichtigen den „Erskine-Wasserfall“ und anschließend stürzen sich einige Mutige in die Fluten von Lornes Wellen, was bei heutigen Temperaturen aber eher mit Neopren-Anzug zu empfehlen ist.

In die „Surfer-Welt“ tauchen aber anschließend alle ab, wenn auch nicht in den Pazifik, so aber in den Outlet-Ort Torquay, wo besonders die weiblichen Teilnehmer der Fahrt ihr Portemonnaie leeren und die meistgehörten Wörter Billabong, Ripcurl und Roxy sind.

Donnerstag, 06.01.2005

Vor der morgigen langen Busfahrt haben wir heute Zeit in den Gastfamilien, um neue australische Dinge zu erleben und zu genießen. Neu gelernte „Australien-Vokabeln“ sind:

PAVLOVA = ein irrsinnig leckeres, kalorienreiches Baiser-Sahne-Obstgemisch, das man immer weiter essen könnte.
MEAT-PIE = ein mit Hackfleisch gefüllter Teigkuchen, nach dessen Verzehr man keine weitere Mahlzeit am Tag mehr benötigt.
Um 18.00 Uhr beginnt die offizielle Verabschiedungsfeier mit allen Gasteltern und Schülern. Für uns sehr interessant und fremd ist es, als ein Aborigine mit seinen beiden Söhnen Didgeridoo spielt und rituelle Tänze aufführt bzw. anschließend seine Waren verkauft. Man taucht bei diesen Eindrücken in eine ganz andere, unvorstellbare Welt und es ist für uns sehr interessant, einen Einblick in diese Kultur haben zu dürfen. Anschließend zeigen wir unseren Gastgebern einige Bilder von Deutschland, damit sich die Schüler, die im Sommer zu uns kommen werden, ein Bild von ihrer Reise machen können; Eltern und Schüler sind sehr interessiert. Dass Deutschland vor noch nicht allzu langer Zeit geteilt war, ist für die allerwenigsten Australier besonders aufgrund ihres Freiheitsdenkens vorstellbar ? Die deutschen Gäste bekommen dann persönlich eine Urkunde über die Teilnahme an diesem Austausch ausgehändigt, was hier in Australien anscheinend einen sehr hohen Stellenwert hat. Eine deutsch-australische Musikdelegation sorgt für die musikalische Unterhaltung, und so beschließt man den Abend.

Freitag, 07.01.2005

Der Abschied von den australischen Gastgebern fällt allen recht schwer und es kullern einige Tränen, bevor der Bus Richtung Sydney abfährt. Wir überqueren den Grenzfluss Murray und verlassen somit Victoria und befinden uns nun im Bundesstaat New South Wales. Durch wunderschöne Landschaften und kilometerlange, kerzengerade Straßen fahren wir der Sonne entgegen und stoppen in Ettamogah Pub, einer witzigen Comic-Kneipe, in Gundagi/Five Mile Creek und in Goulburn, einer Gegend, in der das Merino-Schaf angesiedelt ist und wo die Verarbeitung der Wolle einen hohen Stellenwert einnimmt.

Gegen Abend erreichten wir Sydney und vom Sydney-Tower begrüßt uns die Stadt in ihrer vollen Pracht. Wir können uns kaum satt sehen an den vielen Hafeneinbuchtungen und dem wunderschönen Lichtermeer. Eine Media-Vorführung über wichtigste „Besonderheiten“ des fünften Kontinents wie z.B. Aborigines und deren Kultur, die vielfältigen Pflanzen und Tierarten des Landes, das Leben im Outback und andere interessante Themen gibt uns noch einmal zusammengefasst Informationen über Land und Leute. Unsere Unterkunft, das Backpacker-Hostel im Zentrum Sydneys, erweist sich als praktisch und gut, und so kommen wir auf unserer Fahrt sogar in den Genuss, ein wenig in das Leben eines „Rucksackreisenden = Backpacker“ hineinschnuppern zu können.

Samstag, 08.01.2005

Das Leben eines Rucksackreisenden bedingt als erste Grundregel, immer eine Hose mit Taschen zu haben, denn nur mit einer Art

Zugangskarte, die man immer dabei haben sollte, kann man sowohl sein Zimmer als auch Duschen, Toiletten etc. öffnen, weshalb dieses kleine Kärtchen von großer Wichtigkeit ist. Beim Frühstück entscheidet man sich für eine der drei Frühstücksarten je nach Geldbeutel und Geschmack und ist dann gut gerüstet für den Tag.

Letzterer beginnt damit, Fotos vor der weltberühmten Oper Sydneys zu machen; seit Jahren hat es zu dieser Jahreszeit nicht geregnet, aber?wie kann es anders sein: heute ist dies der Fall, und da wir die 12-Apostel-Lektion gut gelernt haben, bringen wir uns und unsere Auftrittsklamotten frühzeitig in Sicherheit. Am Darling Harbour, einem Teilstück des Hafens, haben wir unseren letzten Auftritt hier in Australien, und wie es sich gehört, kommt auch während des Spielens die Sonne zum Vorschein. Besonders schön und erfreulich ist es für uns, dass sich viele ehemalige Deutsche auf den Weg gemacht haben (ein ehemaliger Bad Hersfelder sogar von Canberra!), um uns zu sehen und zu hören.

Da die Auftritte stets gut von unseren australischen Gastgebern organisiert sind, ist nach dem Konzert wieder schnell alles in den Bus verladen und wir haben Zeit, uns in das Leben Sydneys zu stürzen. Einige fahren mit der Fähre nach Manly Beach und genießen dort das Strandleben und die Sommersonne, während andere per Führung das Opernhaus in Sydney erkunden, das ein imposantes Bauwerk darstellt. Jeder hat die Gelegenheit, die Stadt auf seine Art und Weise kennen zu lernen, per Rad, bei Besichtigungen von Kirchen, beim Bummeln durch die Geschäfte – fest steht, dass die Stadt trotz ihrer 4 Millionen Einwohner nicht hektisch und laut wirkt und sich mit ihrem einzigartigen Flair von vielen anderen Städten abhebt.

Im Aquarium tauchen wir in die Welt des nachgestellten Great-Barrier-Reefs ab und erleben exemplarisch die wundervolle Unterwasserwelt Australiens. Auch die Party- bzw. Rotlichtmeile der Stadt lassen wir am Abend nicht aus, wobei aber nur die reine Nahrungsaufnahme, die Suche nach besonders urigen Restaurants, dafür Grund ist. Immer wieder gibt es auch an diesem Abend neue Lebensweisen und Gewohnheiten zu entdecken: So kann man in den meisten Restaurants keine alkoholischen Getränke bestellen; es stellt aber überhaupt kein Problem da, von der gegenüberliegenden Kneipe Spirituosen mitzubringen und diese dann ohne Problem zum bestellten Essen zu konsumieren, was in Deutschland nicht denkbar wäre. Das Lichtermeer von der Hudson-Bridge ist nicht in Worte zu fassen?man muss es einfach gesehen und erlebt haben…

Sonntag, 09.01.2005

Nach Duschen, Frühstück und Bus beladen können wir noch mal unseren Kaufrausch auf „Paddys Market“, einer Halle voller Händler und Stände, ausleben und letzte australische Dollars unter das Volk bringen, was aufgrund der niedrigen Preise richtig Spaß macht. Stubby-Holder (zum Kühlen von Bierflaschen), Kuschelkängurus, Bumerangs, Didgeridoos und australische Delikatessen – alles wandert noch in die letzten Lücken der Koffer, bevor wir zum Einchecken zum Airport müssen. Viele Stunden Flug mit Zwischenstop in Hongkong warten auf uns – keine so schöne Vorstellung! Ob die Zeit während des Fluges nun schnell oder langsam herumgeht, kann man schlecht beurteilen, denn wir fliegen zwar 22 Stunden, brauchen dafür aber nur 11 Stunden, stellen wir in Frankfurt mit Blick auf die Uhr fest – die Welt gibt doch immer wieder Rätsel auf!

Als wir aber schließlich am Montagmorgen wieder deutschen Boden unter den Füßen haben und Richtung Bad Hersfeld rollen, freuen wir uns trotz der schönen Zeit auf zu Hause (zumal für alle anderen der Schulalltag wieder beginnt und uns für heute eine Schonfrist bleibt). Eine wunderschöne Reise mit vielen kleinen und großen Erinnerungen liegt hinter uns und wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit den neu gewonnen Freunden und Bekannten im Juli 2005, wenn 43 Schülerinnen und Schüler in Begleitung einiger Lehrer nach Deutschland kommen werden. Ein großes „THANK YOU“ an Ulli, der diese Reise wieder mit viel Engagement, vielen Stunden Vorarbeit und Planung auf die Beine gestellt hat. Wir sind schon gespannt, was er demnächst für Pläne hat!

Bianca Nolte

Aufbruch ins Reich der Mitte

Mittwoch, 5. April 2006


Wir schreiben den 5. April 2006 und wieder einmal versammeln sich die Mitglieder des Blechbläserensembles der MSO und KDS unter der Leitung von Ulli Meiß am Bad Hersfelder Bahnhof, um zu einer aufregenden Konzertreise nach China aufzubrechen. In Frankfurt angekommen, besteigen wir erwartungsvoll den Flieger und landen nach etwa elf Stunden am Flughafen der Millionenstadt Shanghai.

Donnerstag, 6. April 2006
Aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden verlassen wir mittags das Flugzeug und treffen nach etlichen Kontrollen am Airport erstmals mit einer Delegation unserer chinesischen Austauschpartner zusammen, die uns freudig Willkommen heißt. Weil unser eigentliches Reiseziel Hefei etwa 400 km von Shanghai entfernt liegt, brechen wir sogleich mit dem auf uns wartenden Reisebus dorthin auf.

Die sechsstündige Busfahrt ermöglicht uns Eindrücke von der Natur Chinas zu sammeln, und als wir schließlich abends in Hefei ankommen, sind wir alle erschöpft und müde. Doch bevor wir zu unserem eigentlichen Domizil für die nächsten Tage fahren, werden wir noch von unseren Gastgebern in ein Restaurant zum Essen eingeladen. Dort treffen wir auch zum ersten Mal Brian und Lucy – zwei Lehrer, die unsere Reise vor Ort organisiert haben. Ausgehungert von der langen Fahrt wollen wir schnell das typisch chinesische Essen genießen, werden jedoch von einem etwas merkwürdigen Essbesteck gebremst: Stäbchen! Natürlich, wie konnten wir das nur vergessen!

Dieser kleine Umstand bewirkt, dass sich das Abendessen zu einer längeren Sitzung ausdehnt, da einige von uns Probleme haben, die Stäbchen überhaupt in einer Hand zu halten, und anderen das Gewünschte auf halben Weg zum Teller zurück fällt. Unsere chinesischen Gastgeber beobachten uns dabei recht amüsiert. Nachdem alle satt sind, fahren wir weiter und erreichen schon nach kurzer Zeit die „Run’an Boarding School Hefei“, wo wir mit dem Bus über den Campus zu unserer Unterbringung gebracht werden. In einem der Wohnhäuser wurde extra ein ganzer Flur für uns geräumt und daher beziehen wir zu zweit die Zimmer, in denen normalerweise sechs Schüler wohnen. Eine erste Verwunderung überkommt uns, als wir die Waschräume begutachten, denn Gruppenduschen und vor allem Stehklos sind wir nun einmal nicht gewohnt.

Nach dem Beziehen der Zimmer werden wir noch zu einem kleinen Rundgang über den Campus eingeladen. Selbst bei Dunkelheit bemerken wir die Größe der Unterrichtsgebäude und Wohnhäuser, welche ungefähr 2000 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zum High School-Alter beherbergen, und sind beeindruckt von den Sportfeldern und dem Stadion. Spät am Abend fallen wir in unsere Betten, und selbst deren unglaubliche Härte – es gibt keine Matratzen, sondern wir liegen auf einem Lattengerüst mit einer Decke darüber – kann uns jetzt nicht mehr vom Schlafen abhalten.

Freitag, 7. April 2006
Es ist Punkt sechs Uhr morgens und nicht wenige von uns sitzen senkrecht im Bett, denn soeben schallte die Weckglocke der Schule durch unseren Gang. Da es erst um halb acht Frühstück gibt, lassen wir uns verschlafen in die Kissen zurückfallen. Doch auch jetzt ist nicht wirklich an Schlaf zu denken, denn schon dringt der Klang der chinesischen Nationalhymne in unsere Zimmer, zu der, wie wir später erfahren, die jüngeren Schüler ihren täglichen Frühsport machen.

Pünktlich brechen wir gemeinsam zum Frühstück auf und werden von Brian zur Dining Hall geführt. In einem kleinen Raum wartet schon unser typisch chinesisches Frühstück auf uns – u.a. Reissuppe, welche von uns Bläsern zu dieser Uhrzeit mit unterschiedlicher Begeisterung verspeist wird. Nachdem wir alle mehr oder weniger satt sind, haben wir die Möglichkeit, den Unterricht der jüngsten Schüler unser Gastgeberschule zu besuchen, und bemerken erfreut das große Willkommensbanner, das über dem Hauptgebäude der Schule aufgehängt wurde. Später am Vormittag haben wir unsere erste Unterrichtstunde in Chinesisch und gelangen aufgrund der schwierigen Schreibweise und der für uns ungewöhnlichen Aussprache schnell an unsere Grenzen.

Nach einer kurzen Pause sammeln wir uns hinter dem Hauptgebäude, wo unsere Kampfsportlehrerin schon auf uns wartet: „Martial Arts“ steht auf dem Stundenplan. Darauf waren wir alle schon sehr gespannt und beobachten erst einmal tief beeindruckt unsere neue Lehrerin, die uns einige Übungen vorführt. Doch dann sind wir an der Reihe und lernen Schritt für Schritt eine ßbung kennen, die uns eigentlich nur zeigt, wie ungelenkig wir sind. Während einige immer noch mit der Abfolge der Figuren oder der richtigen Arm- und Beinhaltung kämpfen, entwickeln andere ungeahnte Talente.

Nach dem Mittagessen haben wir erstmals Zeit zum Ausspannen. Manche nutzen sie zum Schlafen, wiederum andere zum Basketball Spielen und zum Sonnen auf dem Campus. Von den chinesischen Schülerinnen und Schülern werden wir mit starkem Interesse beäugt, doch noch traut sich noch kaum einer uns anzusprechen.

Später treffen wir uns mit dem Schulorchester im Arts Center, wo uns von den Lehrern und Schülern einige typische chinesische Instrumente vorgeführt und erklärt werden. Im Gegenzug stellen einige von uns unsere Blechblasinstrumente vor und geben eine kleine Kostprobe. Da die Gruppe nun einmal versammelt ist, nutzt Ulli die Chance und setzt eine Probe an, worüber sich niemand beklagt, da morgen unser erstes Konzert im Park von Hefei stattfinden soll.

Samstag, 8. April 2006
Nach dem nun schon bekannten Frühstück brechen wir bald auf und fahren zu dem nahe gelegenen Park, in dem heute Nachmittag unser erstes Konzert stattfinden soll, um eine Generalprobe abzuhalten. Der Park bietet den Besuchern die Möglichkeit für sportliche Aktivitäten, ausgedehnte Spaziergänge, Bootsfahrten und zum Drachen steigen lassen.

Nach dem Mittagessen in der Schule ist es an der Zeit, uns für das nahende Konzert umzuziehen. Als wir erneut zum Park aufbrechen, können wir Massen von Schülern beobachten, die sich bereits auf den Weg dorthin gemacht haben. Schließlich ist zu Beginn des Konzertes die gesamte Schule vor der Bühne versammelt. Viele chinesische Schülerinnen und Schüler gestalten dieses Konzert mit uns und beeindrucken durch Tänze und Gesangseinlagen. Auch eine Kampfsportgruppe der Schule, die ausschließlich aus Grundschülern besteht, trägt einige ßbungen vor, und bald erkennen wir darin diejenigen Lektionen, die wir gestern gelernt haben oder wenigstens gelernt haben sollten und müssen neidlos anerkennen, dass uns die jungen Sportler in der Ausführung um Längen schlagen. Unser erstes Open Air-Konzert endet in einem großen Finale mit dem von uns Bläsern gespielten Schulsong, zu dem die Schüler begeistert mitsingen.

Anschließend lassen wir voll guter Laune unzählige Fotoshootings über uns ergehen, geben sogar Autogramme und erhalten Briefe

sowie zum Teil kleine Geschenke. Wir entwickeln ein ausgeprägtes Fotolächeln, und es dauert einige Zeit, bis wir uns von den chinesischen Schülern trennen können und zur Schule zurückfahren. Am Abend werden wir ins nahe gelegene „Lotus Center“, ein großes Kaufhaus, gebracht. Dort nutzen wir die Gelegenheit und decken uns mit Süßigkeiten, Keksen und Getränken ein. Wie am Abend zuvor wird für eine großzügige Dreiviertelstunde das Wasser in unseren Waschräumen angestellt und danach finden wir uns spontan in einem der Zimmer zusammen, bis Ulli auftaucht, um Weiblein und Männlein zu trennen.

Sonntag, 9. April 2006
Der Morgen des 9. Aprils ist für uns alle eine Entspannung. Trotz leichten Regens fahren wir mit dem Bus zum „Swan Lake“, einem großen See, der vor noch nicht allzu langer Zeit künstlich angelegt wurde. Die Besonderheit dieses Sees ist seine Form, da diese von oben betrachtet das chinesische Zeichen für Hefei ergibt. Echte Schwäne, die wir aufgrund des Namens erwartet hatten, sind nicht zu sehen, sollen aber im Sommer folgen und das Bild des Sees vervollständigen.

Nach diesem entspannenden Spaziergang ist es aber nun wieder an der Zeit, uns sportlich zu betätigen. Zu diesem Zweck wurde ein Basketballspiel zwischen der Lehrermannschaft unserer Partnerschule und den männlichen Mitgliedern unserer Gruppe angesetzt. Während unsere Jungs ordentlich ins Schwitzen kommen, zeigen die sieben mitgereisten Mädels den etwas verdutzten chinesischen Schülern, wie man die eigene Mannschaft anfeuert. Unterstützt durch Markus, der extra seine Trommel mitgebracht hat, stimmen wir Schlachtgesänge und Anfeuerungsrufe an, die zudem noch von Dirk und Thorsten mit der Trompete verstärkt werden. Jeder geworfene Korb wird mit einer Laola-Welle belohnt. Doch schnell zeigt sich, dass wir unseren eingespielten Gegnern stark unterlegen sind und an einen Sieg leider nicht zu denken ist. Wir verlieren haushoch, haben aber tapfer gekämpft!

Nach einer kurzen Mittagspause, die die Jungs dringend nötig haben, fahren wir in die Fußgängerzone von Hefei. Endlich shoppen und das getauschte Geld auf den Kopf hauen! Doch Pustekuchen: Wir ziehen im Pulk durch die Innenstadt, machen hier und da ein Gruppenfoto vor einer Einkaufscenterkulisse und werden schließlich von unseren Gastgebern in einem der eben genannten riesigen Kaufhäuser ausgesetzt. An Shopping ist hier nicht zu denken, da wir genügend Probleme haben den richtigen Ausgang wieder zu finden. Als wir uns zur verabredeten Zeit treffen, trägt kaum einer eine Einkaufstüte bei sich und unsere Geldbeutel wurden nur bedingt erleichtert. Auf der Straße werden wir mit den neugierigen Blicken der Passanten konfrontiert und öfter zeigt sich uns, dass es auch in Hefei viele arme Menschen gibt, die auf der Straße betteln.

Schließlich fahren wir mit dem Bus weiter zu einem Restaurant, in welchem uns der Schulleiter unserer Gastgeberschule bereits freudig empfängt. Nicht nur das feine Restaurant an sich, sondern auch das Essen versetzt uns in Staunen, denn heute gibt es „Hot Pot“, was durchaus vergleichbar ist mit unserem heimischen Fondue. Jedoch werden die uns bekannten Speisen durch weitere wie Tintenfisch, Seetang und Schweineohrenscheiben ergänzt. Gesättigt und müde nach diesem aufregenden Essen fahren wir zu unserer Unterbringung zurück.

Montag, 10. April 2006

An diesem Morgen werden wir von unseren chinesischen Betreuern Brian, Angel und Lucy früh geweckt, denn wir sind eingeladen, an der so genannten Flaggenzeremonie teilzunehmen. Als wir schließlich den Schulhof betreten, ist dort schon die gesamte Lehrer- und Schülerschaft versammelt. Zu den Klängen der chinesischen Nationalhymne wird die Nationalflagge gehisst und wir reihen uns zusammen mit den chinesischen Schülern in Reih und Glied auf, um den leidenschaftlich vorgetragenen Parolen ausgesuchter Schüler zu lauschen, die grundsätzliche Regeln gemeinmenschlichen Zusammenlebens thematisieren. Nach einer weiteren erfrischenden Unterrichtsstunde in „Martial Arts“ kehren wir in eines der Klassenzimmer zurück, um in das für China typische „Paper Cutting“ eingewiesen zu werden. Diese Art Papier zu verzieren kennen wir alle vage aus dem Kindergartenalter, doch hier stecken natürlich ein ausgeklügeltes Faltsystem sowie schwierige chinesische Symbole und Zeichnungen dahinter. Daher fällt es uns nicht immer leicht, unserer Lehrerin zu folgen.

Am Nachmittag besichtigen wir eine der Universitäten in Hefei. Im „Wanbo Institut“ werden wir herzlich in Empfang genommen und erhalten Einblicke in den Musik- und Theaterunterricht. Das Abendessen auf dem Universitätscampus ist ein richtiges Abenteuer, denn hier finden wir nun erstmalig das ein oder andere Huhn samt Kopf oder einen sehr schmackhaften Hühnerfüßesalat auf unseren Tellern, alles in allem ein wenig gewöhnungsbedürftig für den hessischen Mitteleuropäer. Da der Abend noch jung ist und wir uns sicherlich nur gelangweilt hätten, nutzen wir die Zeit anschließend für eine weitere Probe.

Dienstag, 11. April 2006

Der Morgen beginnt für uns alle nicht sehr erfreulich, denn es hat sich schnell herumgesprochen, dass zwei von uns leicht erkrankt sind. Während ein Krankentransport zum Arzt organisiert wird, fährt der Rest der Gruppe erneut ins Wanbo Institut. Dort warten schon viele Studenten auf uns, um uns einige Details über die Stadt Hefei mitzuteilen. Auf den folgenden Film über die berühmte Verbotene Stadt können wir uns nicht lange konzentrieren, denn wir sind alle schon viel zu stark in individuelle Gespräche mit unseren Austauschpartnern vertieft. Danach fahren wir zurück zu unserer Unterbringung, um ein wenig auszuspannen und uns für das Konzert am Abend vorzubereiten. Dort erfahren wir auch, dass unsere beiden Krankheitsfälle leichterer Art sind und sich schon wieder auf dem Weg der Besserung befinden.

Am Abend dürfen wir ein wirklich außergewöhnliches Konzert mitgestalten und erleben, das wir im Stadion des Instituts zusammen mit mehreren chinesischen Studentinnen und Studenten vor mehreren Tausend Zuhörern geben. Wir sind beeindruckt von den Gesangsbeiträgen der Professoren und Studenten und staunen über die verschiedenen Tanzgruppen, die mit ihren schillernden Kostümen alle Blicke auf sich ziehen. Entsprechend spät fahren wir dann zurück ins Internat und lassen den Abend in guter Stimmung über das gelungene Konzert und die einmalige Atmosphäre ausklingen.

Mittwoch, 12. April 2006

Mit dem 12. April ist für uns der letzte Tag in Hefei angebrochen. Morgens fahren wir zum letzten Mal ins Wanbo Institut und erhalten dort eine „Unterrichtstunde“ im Malen von chinesischen Schriftzeichen. Mit Pinsel und Tinte entsteht hier das ein oder andere Mitbringsel für Freunde und Familie. Wir fertigen Glücksknoten, Armbänder und Ketten an oder können einfach mit den Studenten Tischtennis oder Badminton spielen. Nach dem Mittagsessen verabschieden wir uns von Dozenten, Studenten und unserer netten ßbersetzerin. Gastgeschenke werden überreicht und letzte Fotos geschossen, dann kehren wir zurück ins Internat, um zu packen, da wir am Abend mit dem Nachtzug nach Tianjin aufbrechen werden.

Um uns die freie Zeit am Nachmittag zu vertreiben, haben sich unsere Gastgeber noch etwas ganz Besonderes ausgedacht: Wir nehmen am „English Olympics Contest“ der Grundschüler teil. Drei zweite Klassen und wir kämpfen um den Titel des Englisch-Champions. Die vier Gruppen müssen abwechselnd Fragen auf Englisch beantworten und Lieder singen. Dieser Wettbewerb wird alle paar Wochen unter den Grundschülern ausgetragen, um auf sportliche Weise zu überprüfen, ob die Kinder auch ihre englischen Sätze gut gelernt haben. Das Spiel kommt erst richtig in Fahrt, als sich jeweils zwei aus einer Gruppe an eine Art „Hot Button“ setzen müssen, denn nun kommt es auf Schnelligkeit an. Die Gruppe, die zuerst drückt, darf ein Bild beschreiben und bekommt dafür eine bestimmte Punktzahl. Zwischendurch feuern sich die Schüler gegenseitig an und rufen unglaublich laut im Chor: „Competition – faster, higher, stronger!“ Wir haben jede Menge Spaß und da sich unsere beiden Spieler Dorothea und Michel gut schlagen, erreichen wir am Ende einen grandiosen 2. Platz.

Nach der Verabschiedung durch den Schulleiter müssen wir leider zum Bahnhof aufbrechen. Da wir dort sehr früh ankommen und unser Zug erst einige Zeit später fährt, lassen wir uns mit Sack und Pack in einer der riesigen Wartehallen nieder. Weil uns Brian und Lucy nicht nach Tianjin begleiten werden, packen Dirk und Thorsten die Trompeten aus und spielen zum Abschied „Amazing Grace“, und als Michel auf Wunsch von Brian noch einmal „Aranjuez mon amour“ spielt, haben wir endgültig die gesamten Reisenden auf uns aufmerksam gemacht und erfahren zudem noch bevorzugte Behandlung durch die Bahnhofsdirektion bei der nachfolgenden Abfertigung.

Wir werden von unseren Gastgebern dann noch zum Zug gebracht und verstauen unser Gepäck im für uns reservierten Wagen. Dann können wir gerade noch Brian und Lucy „Goodbye“ sagen, bevor sich der lange Zug auch schon in Bewegung setzt. Jedem wird ein Bett zugeteilt, und da immer drei Betten übereinander liegen und es keine Abteiltüren gibt, schlafen wir alle auf engstem Raum zusammen. Als um Mitternacht das Licht im Zug gelöscht wird, löst sich die Gruppe langsam auf und wir verkriechen uns in unsere schmalen, dafür aber weichen(!) Betten.

Donnerstag, 13. April 2006

Wir werden schon früh von Angel geweckt, die mit uns reist, um zu gewährleisten, dass wir auch in der richtigen Stadt aussteigen. Nach einer sehr bequemen, aber viel zu kurzen Nacht erreichen wir gegen acht Uhr den Bahnhof von Tianjin, und mit größter Hast tragen wir Koffer und Instrumente aus dem Waggon. Dort erwartet uns bereits David, ein Lehrer, der uns während der letzten Tage begleiten wird. Beim Verlassen des Bahnhofs bemerken wir das große Willkommensschild, dass an unserem Bus befestigt wurde. Bevor wir zu unserer neuen Unterkunft, der Wanbo Boarding School in Tianjin, aufbrechen, fahren wir zu einem Markt. Zwei wunderbare Stunden lang haben wir jetzt die Möglichkeit an Ständen und in kleinen Läden ausgiebiges Souvenir-Shopping zu betreiben. Schnell haben wir verstanden, dass Handeln hier ganz normal ist, und das Feilschen um Preise macht uns großen Spaß. In kurzer Zeit haben wir uns mit Fächern, chinesischen Pinseln, Büchern, Schmuck und kleinen Drachen eingedeckt.

Als wir endlich mittags unsere Schule erreichen, müssen wir erst einmal die schweren Koffer in den vierten und fünften Stock tragen, wo einige Zimmer für uns hergerichtet wurden. Von diesen sind wir sehr angetan, denn es gibt „richtige“ Toiletten und eigene Duschen auf jedem Zimmer. Nach dem sehr leckeren Mittagessen ist es schon Zeit für unser letztes Konzert in China. Wie schon die beiden zuvor wird auch dieses draußen stattfinden und wie üblich haben wir mit dem ungewöhnlich starken Wind zu kämpfen. Außerdem ist es heute leider recht kühl, was vor allem für die chinesischen Schülerinnen, die das Konzert mitgestalten und auf dem kalten Boden tanzen müssen, schwierig ist.

Später zeigen uns unsere Gastgeber noch eine besondere Attraktion in Tianjin, die „Out Beach“ genannt wird. Hier versammeln sich besonders im Sommer die Einwohner der Stadt am Fluss, um das gute Wetter zu genießen. Für die Abende gibt es eine Light Show über dem Wasser. Wir, die unter „Beach“ eigentlich etwas anderes verstehen, sind von der kalt wirkenden Anlage, die überwiegend aus Beton, Marmor und etwas grauem Sand besteht, ein wenig enttäuscht. Zum Abendessen werden wir zurück in die Schule gebracht, obwohl einige von uns schon mit McDonalds geliebäugelt hatten, deren gewohnter Werbung wir unterwegs begegnet sind. Die Nachtruhe wird an diesem Abend früh eingeläutet, denn morgen steht uns ein langer und anstrengender Tag bevor.

Freitag, 14. April 2006

Gegen fünf Uhr werden wir durch lautes Klopfen an unsere Zimmertüren geweckt. Kurz nach sechs brechen wir verschlafen zu einer dreistündigen Busfahrt in Richtung Peking auf. Da keine Zeit für ein Frühstück war, werden wir unterwegs mit Brötchen, Kuchen, Milch und Eiern versorgt.

Zunächst fahren wir ca. 70 km in die Berge nördlich von Peking, wo wir die berühmte chinesische Mauer besichtigen können. Wir

hatten eigentlich mit einem gemütlichen Spaziergang gerechnet, müssen aber erkennen,

dass die Mauer in diesem Abschnitt sehr steil ist, und so müssen wir unzählige enge und z.T. sehr steile Treppenstufen erklimmen. Ulli ist wie immer hoch motiviert und entreißt erst einmal unserer „deutschsprachigen“ Fremdenführerin, die merkwürdigerweise

selbst noch nie vorher auf der Mauer war, das gelbe Fähnchen (dieses sollte eigentlich dazu dienen, sie in den Menschenmassen auf

der Mauer wieder zu finden). Er stürmt damit in einer Geschwindigkeit die Mauer hinauf, der zu folgen es einiger Anstrengungen bedarf. Erreichen wir dennoch gemeinsam einen der Türme, die in regelmäßigen Abständen in die Mauer eingebaut sind, eröffnet sich uns ein wunderbarer

Ausblick über das eindrucksvolle und weitläufige Gemäuer und die karge Berglandschaft. Viel Freude an dem Fähnchen hat Ulli allerdings nicht, denn bereits wenig später wir es von einer

Windböe erfasst und die Mauer hinuntergeweht, zum Entsetzen der zu diesem Zeitpunkt bereits völlig erschöpften Fremdenführerin.

Da wir heute unbedingt noch in die Verbotene Stadt (den alten Kaiserpalast, der seinen Namen dadurch erhalten hat, dass er zu Zeiten der chinesischen Kaiser nur von der Kaiserfamilie, Konkubinen und Eunuchen betreten werden durfte) wollen, verlassen wir die chinesische Mauer früher als geplant und brechen zu dieser weltberühmten Sehenswürdigkeit nach Peking auf…

Freitag, 14. April 2006

Da wir heute unbedingt noch in die Verbotene Stadt (den alten Kaiserpalast, der seinen Namen dadurch erhalten hat, dass er zu Zeiten der chinesischen Kaiser nur von der Kaiserfamilie, Konkubinen und Eunuchen betreten werden durfte) wollen, verlassen wir die chinesische Mauer früher als geplant und brechen zu dieser weltberühmten Sehenswürdigkeit nach Peking auf. Als wir sie nach langem Stau endlich betreten, werden wir stark mit der alten chinesischen Kultur und Lebensweise konfrontiert, die wir im bisherigen Teil unserer Reise vermisst hatten. Die alten, reich mit Gold verzierten und bemalten Gebäude sowie die in der Stadt enthaltenen Parks beeindrucken uns zutiefst. Am anderen Ende der Verbotenen Stadt, das wir nach ca. eineinhalb Stunden erreichen, befindet sich auch schon unser nächstes Besichtigungsziel: Der Platz des himmlischen Friedens.

Zu unserer Freude bleibt uns noch etwas Zeit zum Einkaufen, bevor wir zu unserem Hotel in der Nähe des Flughafens von Peking weiterfahren, und so stöbern wir noch in einigen Geschäften. Nach einer längeren Busfahrt (unsere Gastgeber hatten einig Schwierigkeiten unsere Unterkunft zu finden) beziehen wir endlich unsere Zimmer für eine letzte Nacht und feiern unseren letzten Abend mit einer kleinen Party (natürlich in Zimmerlautstärke).

Samstag, 15. April 2006

Nach dem Frühstück im Hotel werden wir zum Flughafen gebracht. Dort verabschieden wir uns von David und besteigen am Nachmittag schließlich den Flieger Richtung Heimat.

Nach weiteren 10 Stunden Flug landen wir in Frankfurt und dürfen nach langwierigen Zollkontrollen bedingt durch die Angst vor der Vogelgrippe am Abend den Flughafen verlassen. Nach der gewohnten Zugreise werden wir in Fulda von unseren Familien abgeholt. Wir sind alle erschöpft und müde, doch absolut begeistert über die einmaligen Erlebnisse, die wir während unserer Zeit in China erfahren durften.

Svenja Mertelmeyer

Im Winter in Sibirien

Donnerstag, 29. März 2007

8:30 Uhr, Bahnhof Bad Hersfeld: 25 Sibirienfahrer treffen nach und nach auf dem Bahnhofsvorplatz ein, um eines der größten Abenteuer der noch jungen Geschichte unseres Blechbläserensembles in Angriff zu nehmen. Keiner weiß so genau, was uns in Russland erwartet. Neugierig, voll bepackt (inkl. Schlagzeug und Tuba) und nicht ohne ein Abschiedsfoto vom eigens herbeigeeilten Reporter der Hersfelder Zeitung besteigen wir den Zug um 9:11 Uhr in Richtung Fulda und von dort weiter nach Frankfurt.

Am Flughafen angekommen, verbringen wir fast drei Stunden mit dem Check-In, weil die russische Fluggesellschaft alles andere als kulant mit unserem Gepäck umgeht und trotz vorheriger Absprachen eine sehr kräftige Nachzahlung fordert. Nach zähen Verhandlungen, die sich in Moskau noch einmal wiederholen sollten, heben wir schließlich um 14.30 Uhr in Richtung Russland ab. In Moskau gelandet, ist auschecken, eine vollbepackte längere Wanderung innerhalb des Flughafens und erneutes einchecken angesagt.

Freitag, 30. März 2007

Nach dem viereinhalbstündigen Flug in einer nicht gerade vertrauenserweckenden Tupulev 154 kommen wir um 7:25 Uhr Ortszeit in Kemerovo an. Trotz heftigen Schneesturms

glücklich auf einer vereisten Piste gelandet, fällt uns sofort die Zeitverschiebung von sechs Stunden gegenüber Deutschland ins Auge. Der herzliche Empfang am Flughafen tut gut, ehe wir den Bus beladen und unter Polizeischutz zu unserem Hotel „Kuzbass“ fahren.

Malerisch im tief verschneiten Birkenwald gelegen, beziehen wir unsere Zimmer und nutzen die Zeit zum Erfrischen, ehe wir unser erstes russisches Frühstück einnehmen. Anschließend geht es mit dem Bus zu einer Stadtrundfahrt durch Kemerovo, wo uns die Sehenswürdigkeiten erklärt werden. Da wir kein russisch sprechen, sind wir dankbar für Artjoms ßbersetzungen, die aufgrund eines Hallgeräts im Bus zuweilen etwas lustig klingen. Beim Ausstieg an einem großen Bergbau-Denkmal ist zu unserer Verwunderung bereits ein Kamerateam vor Ort – Ullis erstes Interview im russischen Fernsehen sollte noch am gleichen Abend in einer Nachrichtensendung ausgestrahlt werden.

Um 13:30 Uhr kommen wir dann an der Universität der Kultur und Künste an und werden traditionell mit Brot, Salz und einem freudigen Tanz in Trachten begrüßt. Nach einer kleinen Führung der Uni-Präsidentin und einem ausgiebigen Mittagessen in der Mensa haben wir noch eine kleine Probe, die allerdings nahtlos in unser Konzert übergeht.

Im Anschluss an unsere Vorführung treten noch verschiedene Studentengruppen auf, die ihr Können in Gesang, Tanz und Folklore eindrucksvoll unter Beweis stellen. Einige Plaudereien mit den beteiligten Studenten und Lehrkräften runden einen interkulturellen Abend ab, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nachdem wir zum Hotel zurückgefahren sind und ein leckeres russisches Abendessen genossen haben, sitzen die Meisten trotz akuten Schlafmangels noch eine ganze Weile in der Hotelhalle zusammen.

Samstag, 31. März 2007

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem herzhaften Frühstück in Richtung Mundybasch auf, was ungefähr vier Autostunden südlich von Kemerovo in der Taiga liegt.

Die Fahrt verläuft zunächst recht unspektakulär, lediglich bei den wenigen Zwischenstopps machen wir erste Bekanntschaft mit der beißenden sibirischen Kälte. Wie kalt es hier wohl im Januar sein muss? Ein paar Kilometer vor Mundybasch halten wir plötzlich mitten auf der Straße an und werden von Landrat und Bürgermeister mit Wodka, Wein, Brot, Salz und Kaviar begrüßt. Eigens aus diesem Grund sperrt die Polizei die beiden Seiten der Straße ab, sodass sich bereits nach wenigen Minuten lange Autoschlangen bilden. Als Dank für den herzlichen Empfang spielen Ulli und Torsten spontan zwei kleine Volkslieder, bevor wir nach knapp einer halben Stunde den Verkehr wieder freigeben.

In der Schule in Mundybasch angekommen, werden wir auch hier noch einmal herzlich empfangen. Nach einem reichlichen, aber wie in Russland üblich nicht ganz fettarmen Abendessen werden wir in unsere Gastfamilien aufgeteilt. Wir treffen uns jedoch bereits um 20 Uhr wieder im Kulturhaus „Oktober“, wo uns der örtliche Gesangverein ein kleines Konzert in landestypischer Tracht präsentiert (einige Jungs nutzen im Anschluss die Möglichkeit, um die sibirischen Trachten für ein Fotoshooting anzuprobieren).

Sonntag, 1. April 2007

Heute treffen wir uns erst um 11 Uhr gemeinsam in der Schule. Vorher besteht z.B. die Möglichkeit, mit den Gastfamilien einen orthodoxen Gottesdienst zu besuchen oder einfach

nur bei -12°C und strahlendem Sonnenschein ein wenig den Ort zu erkunden.

Nach einer gemeinsamen Probe im Kulturhaus „Oktober“, dessen Vorplatz noch immer von einer überlebensgroßen Lenin-Statue geziert wird, geht es zum Mittagessen zurück in die Schule. Ein Spaziergang zur „Glocke“ wird von einigen genutzt um das leckere Essen besser zu verdauen.

Zu unserem ersten Konzert in Mundybasch erwartet uns zur allgemeinen Freude ein vollbesetzter Konzertsaal im „Oktober“. Zunächst führen unsere Gastschüler ihre Musik auf, die sie stimmungsvoll auf sibirischen Volksinstrumenten wie Balalaikas oder Dombras vortragen. Von unserem Programm werden vor allem die „Russischen Nächte“, ein liebevoll arrangiertes Medley bekannter russischer Melodien, vom ganzen Saal kräftig mitgesungen. Spätestens von diesem Augenblick an gehören die Herzen der Zuhörer uns und unserer Musik, was am Ende des Konzerts in stehenden Ovationen und mehreren Zugaben gipfelt.

Glücklich über die gelungene Vorstellung essen wir in der Schule zu Abend und gehen dann in die Sporthalle, wo sich eigentlich unsere Jungs mit der sibirischen Volleyball-Schulmannschaft messen sollen. Doch plötzlich kommen sechs Mädchen aufs Spielfeld und gewinnen haushoch! Nach diesem aufregendem Spiel gibt es noch eine Mini-Disco, die jedoch um 22 Uhr schon viel zu früh enden muss…

Montag, 2. April 2007

Nach einem Frühstück in unseren Gastfamilien treffen wir uns bereits um 8 Uhr in der Schule zur Abfahrt nach Taschtagol, einem Städtchen am Rande des Altai-Gebirges, etwa eine Autostunde südlich von Mundybasch gelegen. Dort angekommen erwartet uns zunächst eine Exkursion ins Heimatmuseum, ehe wir in der Stadtbibliothek auf eine Gruppe von Deutschlehrern treffen, die sich etwa eine Stunde neugierig und angeregt mit uns austauschen.

Nach einem vorzüglichen dreigängigen Mittagessen im Restaurant „Topas“, es gibt sogar Kaviar-Pfannkuchen, fahren wir in die Bergbau-Siedlung Schalim. Nach mittlerweile routinemäßigem Aufbau und kurzem Einspielen beginnt bereits unser Konzert, das heute von zwei Fernsehkameras aufgezeichnet wird. Es gelingt uns schnell, das durchweg sehr junge Publikum im ausverkauften Konzertsaal zu begeistern – vor allem unser italienisches Medley und die Moskauer Nächte kommen (wie immer auf der Reise) super an.

Im Anschluss geht es dann nach Scheregesch, wo wir uns in den Zimmern des Hotels einrichten. Nach dem Abendessen gehen die Jungs in die Hotelsauna – und danach treffen wir uns noch gemeinsam im Billardraum, um einen weiteren erlebnisreichen Tag ausklingen zu lassen.

Dienstag, 3. April 2007

Nach dem Frühstück fahren wir mit reichlich Verspätung und dick eingepackt zu einem nahe gelegenen Skigebiet, von dort geht es etwa 20 Minuten mit dem Lift eine schier

endlose Piste hinauf. Zeitweise streifen wir mit den Füßen fast den Schnee unter uns, der nach Aussage der ortskundigen Russen noch immer an einigen Stellen 7m hoch liegt.

Oben angekommen empfängt uns ein eisiger Schneesturm, der uns schnell in eine benachbarte Berghütte treibt, wo wir uns bei leckeren „Blinis“ (russische Pfannkuchen) wieder aufwärmen können. Nach einem obligatorischen Gruppenfoto im Schneegestöber fahren wir direkt im Anschluss mit dem Lift wieder herunter, denn für weitere Unternehmungen ist es oben viel zu kalt. Nun bekommt jeder noch die Chance mit einem eigens bestellten Schneemobil zu fahren, bevor wir in ein Restaurant zum Mittagessen gehen.

Auf dem Heimweg nach Taschtagol machen wir trotz knappem Zeitplan noch einen unvorhergesehenen Abstecher in die örtliche Musikschule, wo eigens für uns ein kleines Jugendchor-Konzert dargeboten wird. Wegen Zeitmangels fällt dann unsere ursprünglich geplante Probe ins Wasser und wir fahren stattdessen direkt ins Hotel zurück.

Dort heißt es in Windeseile umziehen, um gerade noch rechtzeitig zu unserem eigenen Konzert zu erscheinen. Die Moskauer Nächte führen wir heute zum Abschluss des Programms gemeinsam mit dem Chor der Musikschule auf. Klar, dass das ganze Publikum wieder mitsingt und wir auch einige Zugaben geben müssen. Vor allem Freddy und André werden heute noch mehr als sonst von den zahlreichen jugendlichen Fans belagert und tauschen noch des ßfteren ihre Handynummern aus.

Dann geht es zurück ins Hotel, wo wir zu Abend essen. Unser Abendprogramm besteht wieder aus typisch russischer Sauna und einem Treffen im Billardzimmer.

Mittwoch, 4. April 2007

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.“ Dies könnte das Motto für den heutigen Vormittag sein, denn eigentlich wollten wir nur ganz entspannt die Koffer packen und nach Nowokusnezk abfahren. Doch bereits vor dem Frühstück erfährt Ulli, dass für unsere Lehrer ein spontaner Empfang beim Bürgermeister von Taschtagol eingeschoben werden soll. Gemeinsam mit Elena als Dolmetscherin werden also Ulli, Thorsten und Dirk ohne Frühstück vom Chauffeur abgeholt und mit einem Wolga ins etwa 30km entfernte Rathaus gefahren.

Wir frühstücken unterdessen, packen die Koffer, beladen den Bus und warten dann auf die Rückkehr der vier. Nachdem sie endlich, mit fast zweistündiger Verspätung vom Empfang eintreffen, stehen Ulli noch die Schweißperlen auf die Stirn geschrieben. Wir erfahren, dass sie mit dem trinkfesten Bürgermeister drei Wodka nicht nur auf die deutsch-russische Freundschaft, sondern vor allem auf nüchternen Magen trinken mussten.

Erst um 11:15 Uhr fahren wir endlich ab in Richtung Nowokusnezk, der mit etwa 500.000 Einwohnern größten Stadt in der ganzen Gegend. Unterwegs verabschieden wir noch Valentina, eine der Organisatorinnen unseres Besuches, die sich voller Wehmut wieder auf den dreitägigen Rückweg mit der Bahn in ihren Wohnort Wolgograd machen muss.

In Nowokusnezk angekommen müssen wir (mal wieder aus Zeitmangel) das erste Konzert ausfallen lassen und direkt zum zweiten in den Jazz-Club „Helios“ fahren. Der Club ist

sehr elegant eingerichtet, und wir erfahren durch einige Exponate, dass viele bekannte Jazzlegenden aus dem In- und Ausland bereits hier gespielt haben. Unser Programm dauert heute etwa eineinhalb Stunden, in denen wir vor allem unsere fetzigen internationalen Titel auspacken. Freddy findet zum ersten und einzigen Mal ein professionelles Schlagzeug vor und nutzt dies zu einem denkwürdigen Solo in der Dixieland-Suite.

Nach dem etwas verspäteten Mittagessen in einem italienischen Restaurant um 17:30 Uhr besichtigten wir noch einige Sehenswürdigkeiten im Rahmen einer geführten Stadtrundfahrt. Dank zwei Lada Sputniks der Polizei, die mit Blaulicht den Bus begleiten, kommen wir problemlos und sehr zügig durch die Stadt. Dirk und Artjom werden zeitweise sogar parallel von zwei Polizisten durch die Stadt chauffiert, um Ansichtskarten für unsere in Deutschland gebliebenen Ensemble-Mitglieder zu kaufen – leider ohne Erfolg. Scheinbar gibt es hier außer uns keinerlei Touristen und somit auch keine Ansichtskarten.

Auf einer alten mittelalterlichen Festung, die einst zum Schutz gegen die Chinesen erbaut wurde, bekommen wir einen tollen Ausblick über die Industriestadt Nowokusnetzk geboten, und in einer prunkvollen orthodoxen Kirche dürfen wir riesige goldverzierte Ikonenwände bestaunen. Erschöpft von den Erlebnissen des Tages fahren wir schließlich zurück nach Mundybasch, wo wir bereits um 23 Uhr von unseren Gastfamilien erwartet und zu einem reichlichen Abendessen gebeten werden.

Donnerstag, 5. April 2007

Kaum zu glauben, aber heute ist schon unser letzter Tag in Sibirien! Wir treffen uns erst um 12 Uhr und haben daher Zeit, den Vormittag in den Gastfamilien zu verbringen. Mittags schauen wir uns dann in der Schule den selbst erstellten Film der Sibirier über das Internationale Chor- und Orchester-Festival 2006 in Bad Hersfeld an, wobei viele Erinnerungen an die wunderbare Zeit und die gemeinsamen Konzerte in der Stiftsruine geweckt werden.

Schon um 13 Uhr steht unser Abschlusskonzert im Kulturhaus „Oktober“ an, das wir für Schülerinnen und Schüler der drei Mundybascher Schulen geben. Zu Beginn stellt Thorsten zusammen mit einigen von uns unsere Blasinstrumente vor, denn viele der jungen Zuhörer hören wohl zum ersten Mal Trompeten und Posaunen. Auch das Konzertprogramm haben wir bewusst peppig gewählt, was seine Wirkung nicht verfehlt: Den „Final Countdown“ müssen wir gleich noch als Zugabe wiederholen, aber auch „Gonna fly now“ oder „Can you feel the Love tonight?“ sind unter sibirischen Jugendlichen scheinbar sehr bekannt. Nach zwei Stunden haben wir jedenfalls alle das Gefühl, uns mit einem außergewöhnlichen Konzert musikalisch aus Russland verabschiedet zu haben.

Nach einem etwas verspäteten Mittagessen in der Schulkantine haben wir noch etwas Zeit, um Koffer zu packen und uns auf die anstehende Rückreise vorzubereiten. Das erweist sich als sehr schwierig, denn die zahlreichen Geschenke, die wir im Laufe der Woche bekommen haben, wollen erst einmal gut verstaut sein. Der Gedanke an das Gepäckwiegen beim Check-In lässt dabei nichts Gutes erwarten?

Um 18 Uhr beginnt dann eine sehr herzliche Abschiedsfeier in der Schule, zu der der Bürgermeister von Mundybasch, der stellvertretende Bürgermeister aus Taschtagol und natürlich die Schulleiterin gekommen sind – um nur einige offizielle Personen zu nennen. Beim gemeinsamen Singen und Spielen werden verschiedene Gastgeschenke ausgetauscht, es gibt ein letztes (aber sehr ausgiebiges) Abendessen, und eine Disko ist ebenfalls noch organisiert.

Als wir notgedrungen gegen 23 Uhr den Bus besteigen müssen, verabschieden uns unsere Gastgeber sogar mit einem Spalier aus Wunderkerzen. Zum Abschied singen wir das Lied „Santo“, ehe wir unter vielen Tränen den Gastfamilien und allen anderen neu gewonnenen russischen Freunden auf Wiedersehen sagen müssen.

Freitag, 6. April 2007

Nach einer fünfstündigen, von der Polizei begleiteten nächtlichen Busfahrt müssen wir noch zwei Stunden vor dem Flughafen in Kemerowo warten, weil dieser erst um sechs Uhr öffnet. Das Einchecken entpuppt sich noch schlimmer als erwartet: Die endlosen Diskussionen mit der Fluggesellschaft wegen der Instrumente und des zu zahlenden ßbergepäcks münden darin, dass Ulli und Artjom die offizielle Boarding-Zeit verstreichen lassen müssen. Wir befürchten schon, beide in Kemerowo lassen zu müssen, bevor wir erleichtert feststellen, dass sie in sprichwörtlich letzter Minute noch auf das Rollfeld gebracht werden. Weil das Bezahlen mit Kreditkarte unmöglich war, so erfahren wir von ihnen, würden wir am Moskauer Flughafen von Siberian Airlines jedoch erneut in Empfang genommen.

Es kam, wie es kommen musste: Nach etwa vier Stunden Flug werden wir auch sogleich von zwei Mitarbeitern der Airline begrüßt. Hier wiederholt sich das komplette Szenario, und sogar trotz mehrerer Faxe vom Gouverneur der Provinz Kemerowo gibt es exakt dasselbe Hin und Her wie vier Stunden zuvor. Niemand der Airline ist entscheidungsbefugt, die Vorgesetzten sind nicht erreichbar und die Bezahlung in Euro ist angeblich nicht möglich (auf einem internationalen Flughafen!). Enorm gestresst und weit nach der offiziellen Boarding-Zeit werden Ulli und Artjom schließlich wieder in letzter Minute zum Flieger gebracht.

Der Rest der Rückreise verläuft dagegen unspektakulär: Um 14:35 Uhr Ankunft in Frankfurt, Abholen unseres Gepäcks und planmäßige Fahrt mit dem Zug nach Bad Hersfeld, wo wir um 17:45 Uhr eintreffen.

Es war eine spannende und erlebnisreiche Fahrt, die wir nie vergessen werden!

K. Herwig, E. Cornelius, D. v. Sierakowsky

Zu Gast bei Freunden

Freitag, 15. Juni 2007

Es war 3.00 Uhr morgens, in einer klaren, milden Sommernacht, als ein Bus in Bad Hersfeld an der Bushaltestelle der Obersbergschulen hielt, um uns in das weit entfernte Zabreh zu bringen. So kam es einem zumindest vor, wenn man per Bus reiste. Es dauerte ca. zehn Stunden bis der Bus, der zuweilen durch Stauaufkommen und notwendige Pausen (nicht, dass wir diese gebraucht hätten…) sein vorläufiges Ziel erreichte: eine verlassene Kreuzung in einem kleinen Dorf in der Nähe von Zabreh, an der eigentlich jemand hätte stehen sollen, der uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Wie Ulli dann durch ein Telefonat mit Standa, unserem langjährigen tschechischen Bekannten aus Zabreh, feststellte, hatten unsere Gastgeber kurz zuvor eine Planänderung vorgenommen (wie wir später noch merken sollten, sollte es nicht die letzte gewesen sein).

Nach einem halbstündigen Umherirren und Befragen der örtlichen Bevölkerung gelang es uns schließlich doch noch den Kindergarten des Dorfes Dolni Studenky zu finden, der für die nächsten Tage unsere Unterkunft sein sollte. Schließlich fanden wir mit dem Kindergarten auch Standa und diejenige Person, die uns eigentlich zum Kindergarten hätte begleiten sollen. Wie dem auch sei, wir waren jedenfalls froh, die lange Busfahrt hinter uns gebracht zu haben, und richteten uns für die nächsten drei Tage gemütlich ein.

Nach einer kleinen spontanen Probe im Freien hieß es dann „Fertig machen zum Konzert“. Wir wurden diesmal sogar von zwei Bussen abgeholt, was keiner von uns wirklich

verstand -:), aber aufgrund der Klimaanlage, die der zweite Bus eingebaut hatte, fragten wir nicht nach. Kurze Zeit später erreichten wir das Kulturhaus von Zabreh, in dem das Eröffnungskonzert des Musikfestivals stattfinden sollte – neben uns waren noch andere Gruppen aus ßsterreich, Polen und Tschechien angereist. Das Konzert war zunächst nicht ganz so gut besucht, wie wir es uns gewünscht hätten, aber alle Orchester unterstützten sich gegenseitig und lauschten den Vorträgen der anderen Gruppen, sodass der Saal letztlich doch voll besetzt war. Als das Konzert vorbei war, gab es eine kleine Aftershowparty mit leckerem tschechischen Buffet. Bei dieser Gelegenheit tauschten sich auch alle Mitglieder der verschiedenen Orchester und Gruppen untereinander aus, und besonders Ulli ging an diesem Abend in der Aufgabe auf, neue Partnerschaften zwischen Schulorchestern ins Leben zu rufen.

Samstag, 16. Juni 2007

Am nächsten Morgen hieß es für alle um 6.30 Uhr „AUFSTEHEN!!!“. Da im ganzen Kindergarten nur eine Dusche vorhanden war und einige nicht so lange warten wollten (bzw. „harte Kerle“ waren, wie es später ausgelegt wurde), gab es für diese Herren im Freien eine Ersatzmöglichkeit in Form eines Gartenschlauches, aus dem eiskaltes Wasser kam. Als dann jeder auf seine Weise geduscht hatte, wurden wir mit dem Bus zum Frühstück in die örtliche Schule gefahren.

Frisch gestärkt ging es nach dem Frühstück weiter nach Sumperk. Auf dem Marktplatz gab es ein kleines Platzkonzert, an dem ursprünglich alle Gruppen des Festivals teilnehmen sollten. Dann wurde kurzerhand beschlossen, dass wir doch bereits vor einem Museum aufbauen sollten, dem Ort unseres Platzkonzerts für diesen Tag. Doch leider erreichte uns diese Planänderung ein wenig zu spät. Genau genommen erst, als wir schon mit einer kleinen Besetzung spielbereit vor dem Bürgermeister standen. Nun ließ es sich Ulli auch nicht mehr nehmen „Do Lord“, „Joshua and the Battle of Jericho“ und „Ragtime“ anzuzählen. Anfangs wollte Standa dies noch durch energisches Beflehen Ullis verhindern, sah dann aber schnell ein, dass er keine Chance hatte, und gab sich geschlagen. Dann ging es aber wie eigentlich geplant mit dem Bus zum Museumsplatz von Zabreh, wo wir dieses Mal ein richtiges Platzkonzert gaben und sich auch schon nach kurzer Zeit ein begeistert lauschendes Publikum einfand. Als wir unseren Teil des Konzertes beendet hatten, blieb uns leider nur noch wenig Zeit einem weiteren, uns bis dahin noch unbekannten tschechischen Orchester zu lauschen, weil es sogleich wieder zurück zur Schule zum Mittagessen ging.

Nachdem unser Hunger an diesem Tag zum zweiten Mal gestillt wurde, begab sich ein kleiner Teil unseres „Kollektivs“ zu einem Empfang im Rathaus von Dolni Studenky, wo

auch das am Nachmittag und Abend geplante Platzkonzert und das Monsterkonzert im Anschluss besprochen wurden. Diese kleine Gruppe bestand aus Ulli, Dirk und Standa. Der Rest fuhr zu einem großen Supermarkt, wo wir noch Sachen zum Ausspannen und Verpflegung für die Heimreise am nächsten Tag kaufen konnten.

Doch in dieser Situation der Ruhe und Gelassenheit, die jeder sichtlich genoss, bekam Günther plötzlich einen Anruf von Ullis Handy: „Es gab eine kleine Planänderung: Wir sollen in ungefähr einer Stunde auf dem Festplatz das Konzert geben“. Natürlich war jetzt mit entspanntem Shopping erstmal Schluss. Alle ´raus aus dem Supermarkt und ab zum Kindergarten, wo die bequemen Jeans gegen die Anzüge umgetauscht wurden und wir auf Ulli, Dirk, Standa und neue Informationen warteten. Als alle beim Kindergarten eintrafen, ging es mit Marschmusik zum

ungefähr 1 km entfernten Festplatz, wo der Höhepunkt des Festivals an diesem Abend stattfinden sollte. Dort endlich angekommen, waren wir bereit zu spielen, doch in der Zwischenzeit gab es eine kleine unverhoffte Planänderung. Wir waren im Programm von der dritten an die vorletzte Stelle des Konzerts geschoben worden. Das hieß dann also warten und Däumchen drehen, was nicht so schlimm war, da es genug zu sehen und viele Stände mit tschechischen Köstlichkeiten auf dem Festgelände gab.

Gegen 18:30 Uhr konnten wir dann endlich spielen. Unser Auftritt dauerte ungefähr eine halbe Stunde und wir konnten die Besucher restlos überzeugen, es gab tosenden Applaus! Nach unserem Auftritt und dem darauf folgenden Konzert eines sinfonischen Blasorchesters, dessen Qualität das Staunen aller auf sich zog, begann dann das Finale des Festivals. Alle teilnehmenden Orchester spielten zusammen „Skoda Lasky“ und die einzelnen Leiter der verschiedenen Gruppen wurden geehrt. Danach gab es noch eine berauschende Feier mit Tanz, Musik, Feuerwerk. Leider mussten wir bald wieder den Heimweg in Richtung Kindergarten antreten, da wir am nächsten Morgen schon früh aufbrechen wollten.

Sonntag, 17. Juni 2007

Dieses frühe Aufbrechen war dann durch verschiedene Uhrzeiten gekennzeichnet. Es kam ganz darauf an, ob man seinen Koffer schon abends gepackt hatte oder nicht. Nach einer wiederholt erfrischenden Dusche oder einer langen Wartezeit standen wir dann doch alle pünktlich vor dem Kindergarten bereit, um mit dem Bus zum letzten Frühstück in die Schule von Dolni Studenky zu fahren. Hier gab es auch die Gelegenheit zum Verabschieden von den anderen Orchestern des Festivals.

Für die Heimfahrt gestärkt und mit zusätzlichen Lunchpaketen ausgerüstet, fuhren wir an der Schule ab und genossen den folgenden kulturellen Teil unserer Reise. Zuerst fuhren wir mit Standa, der uns begleitete, zur tschechischen Märchenburg Bouzov, in der wir eine ausgedehnte Führung hatten. Die Hausschuhe, die dort jeder vorher verpasst bekam und die entweder dem Schutz des empfindlichen Parkettbodens oder einfach nur zum Sauberhalten dienten, lösten dabei große Heiterkeit aus. Und wie hätte es schließlich anders kommen können? Als die Führung beendet war und wir die Burg verlassen hatten, vernahmen wir die zwei so oft auf dieser Fahrt vernommenen Phrasen „AUF GEHT“S!!!“ und „GRUPPENFOTO“. Dies durfte natürlich auch vor dieser grandiosen Kulisse nicht augelassen werden!

Nach der Burgbesichtigung ging es weiter zu einem wunderschönen Renaissanceschloss in Litomysil. Beim Besuch des Schlosses wurde gleich über eine mögliche nächste Konzert-Location geredet, denn der Innenhof wurde gerade in eine Art „kleine Stiftsruine“ umgebaut. Nachdem wir wieder am Bus angekommen waren, verabschiedete sich Standa von uns und fuhr mit dem Bus wieder zurück in Richtung Zabreh. Unser hervorragender Busfahrer Achim bekam im Schlossgarten noch ein kleines Ständchen gespielt und schon ging es wieder auf den Weg nach Hause. Der kam uns diesmal komischerweise nicht so lang wie der Hinweg vor, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass wir im Bus einfach mehr geschlafen haben, weil wir nach diesem anstrengenden Konzertreisenwochenende einfach sehr, sehr müde waren.

Frederik Walendczus

Dienstag, 17. Juli 2007

Mit müden Augen und gespannt auf das ferne Land der Kakteen und Sombreros treffen wir uns um 3 Uhr nachts am nebligen Obersberg, um uns gemeinsam mit unserem Dirigenten Ulli wieder einmal auf den Weg zu machen, einen fernen Kontinent zu bereisen: „Vamos a Mexiko!“

Diesmal von Düsseldorf aus besteht die erste Etappe unserer Reise aus zehn Flugstunden nach Atlanta, USA. Dort angekommen verkürzen wir uns den sechsstündigen Aufenthalt in den Restaurants und Cafés der Flughafenhalle. Der erste Schock erwartet uns, als wir am Gate für unseren Weiterflug nach Mexiko-City ankommen und erfahren, dass für unser Flugzeug keine Crew bereitsteht. Unsere Wartezeit verlängert sich somit nochmals um zwei Stunden.

Gute Aussicht haben wir auf das, was uns den zweiten Schock bereitet: Wir müssen mit ansehen, wie unser Gepäck, insbesondere die wertvollen Instrumente, mit viel Liebe und Sorgfalt vom Flughafenbodenpersonal auf das Verladeband geknallt wird. In dieser Situation bangen und hoffen wir, dass die Koffer halten und unseren heißgeliebten Instrumenten nichts passiert.

Der Pilot erreicht schließlich das Gate und es kann endlich weitergehen nach Mexiko-City, wo wir um Mitternacht ankommen. Doch was nun? Wir stehen in der Flughafenhalle

der Millionenstadt, verstehen kein Spanisch und bemühen uns, Koffer und Gedanken beisammen zu halten. Plötzlich erspähen wir in der hintersten Ecke der riesigen Halle ein Schild mit leuchtend rosa Buchstaben: „Willkommen Ulli“! Erleichtert atmen wir auf und lassen uns bereitwillig von den drei mexikanischen Studenten zum Shuttlebus des Flughafenhotels Ramada bringen. Nach Aufteilung der Zimmer fallen wir erschöpft aber glücklich in die fremden, luxuriösen Betten.

Mittwoch, 18. Juli 2007

An diesem Morgen stärken wir uns mit einem sensationellen europäischen Frühstück und warten dann mit gepackten Koffern in der Hotellobby, bis es auch die Letzten (u.a. Ulli) aus dem Whirlpool in die Wartehalle geschafft haben. Durch Hilfe der freundlichen Kofferträger verläuft die Fahrt in den überfüllten Shuttlebussen zum Flughafen reibungslos. Dort geht es diesmal nicht zum Terminal, sondern zum Busbahnhof, wo uns ein komfortabler Bus nach Querétaro erwartet.

Nach drei Stunden Fahrt, auf der wir erste Eindrücke von Mexiko sammeln können, steigen wir im Platzregen an unserem Ziel, der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Santiago de Querétaro aus. Unsere Kontaktperson Karina empfängt uns herzlich mit einem verschmitzten Lächeln und den Worten: „Momentan ist nun mal Regenzeit!“ Sofort organisiert sie Taxis, die uns quer durch die Stadt zu unserer Pension „Meson de Matamoros“ bringen.

Nach Bezug der Zimmer sind wir alle neugierig auf die fremde Stadt und lassen uns von Karina ein wenig herumführen. Beim Abendessen lernen wir auch einige der Austauschschüler kennen, mit denen ein Teil der Gruppe sogleich das Nachtleben Queretaros erkundet. Dabei dürfen wir das traditionelle mexikanische Bier kosten: Der salzige und zitronige Geschmack kommt bei den meisten von uns allerdings weniger gut an.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Nach dem Frühstück proben wir zunächst in einem Kulturzentrum der Stadt und bereiten uns auf unser erstes Konzert in der Universität vor. Diego, der Schlagzeuger der Reggaeband, mit der wir später noch auftreten werden, fährt uns im Kleinbus geduldig einige Male durch das Verkehrschaos der Großstadt, bis endlich alle Musiker mit ihren Instrumenten die Universität erreichen.

Ausgestattet mit unseren Festival-Poloshirts bringen wir das Konzert routinemäßig hinter uns und freuen uns über die Begeisterung der Studenten und Lehrer. Anschließend gibt es sogar ein deutsches Mittagessen: Schnitzel und Krautsalat.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel verschafft uns Alba, eine der Studentinnen, mit einer ausgiebigen Stadtführung einen guten ßberblick über die Stadtgeschichte und Kultur Querétaros, dessen Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Besonders stolz führt sie uns zum Wahrzeichen der Metropole, dem bekannten Kloster und Aquädukt, welches von den Spaniern erbaut wurde. Am Abend ruft Ulli das bekannte Stickwort „Ausschwärmen“ aus und wir freuen uns über das Programm „Freie Abendgestaltung“.

Freitag, 20. Juli 2007

Voller Erwartung auf ein sättigendes Frühstück machen wir uns auf den Weg zum „Café Torrero“, sind jedoch verdutzt, als wir vor verschlossenen Türen stehen. Doch Rettung naht: Karina biegt um die Ecke und baut ihren Gartenklapptisch direkt vor dem Hoteleingang auf. Heute ist also mexikanisches Frühstück angesagt: gestampfter Mais in verschiedenen Geschmacksrichtungen und ein Getränk, das eventuell etwas nach Hirse- oder Milchreis schmeckt. Das Essen findet nicht bei Allen gleichermaßen guten Anklang, ist es doch recht ungewöhnlich für europäische Mägen.

Bei der anschließenden Probe mit der Reggaeband im Kulturzentrum vereinen sich südamerikanische und europäische Klänge. Da unsere Musik einige interessierte Zuhörer anlockt, entschließen wir uns zu einem spontanen Konzert, und vor allem das gemeinsame Spielen mit der Band erfreut das Publikum sichtlich.

Beschwingt von unserem Konzerterfolg verbringen wir die folgenden Stunden in unseren Hotelzimmern, um uns auszuruhen. Für die gewünschte Gemütlichkeit sorgt allein schon der Platzmangel in unseren Zweierzimmern, die wir zu Viert bewohnen. Da wird es nachts schon mal kuschelig.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht, denn schon bald heißt es wieder „raus aus den Betten“ zum abendlichen Konzert, das in einem Luxushotel in einem Außenbezirk Queretaros stattfindet. Da sich dieser Auftritt etwas verzögert, fassen wir einen verhängnisvollen Entschluss: Tortillas müssen her, um unsere hungrigen Mägen zu füllen!

Unsere große Freude über das erste mexikanische Essen (es war sehr lecker!) verfliegt jedoch schon während des folgenden Konzerts. Bei einigen treten die ersten Anzeichen von ßbelkeit und Magenschmerzen auf. Wir lassen uns den Spaß am Konzert dadurch nicht nehmen und beim anschließenden Tanz zum Spiel der Reggaeband sind die Beschwerden schon wieder wie weggeblasen.

Wieder im Hotel angekommen, verziehen sich Einige schnell zurück auf ihre Zimmer, während der Rest der Gruppe den Tag in einer nahegelegenen Bar ausklingen lässt.

Samstag, 21. Juli 2007

Doch so schnell sollten wir den Tortillas nicht davonkommen: Schon während der Nacht sucht die Fleischfüllung der Tortillas den Weg aus den Mägen, einige müssen sich übergeben und Durchfall ist ebenfalls bei vielen auf dem Vormarsch.

Diejenigen, die am Morgen noch keine Symptome zeigen, machen sich auf den Weg nach San Bernal, eine etwa eine Autostunde von Queretaro entfernte mexikanische Kleinstadt. Doch schon während der Fahrt geht es bei vielen bergab mit dem Kreislauf und allgemeine Übelkeit macht sich breit. Um noch etwas von der schönen alten Kolonialstadt zu sehen, schleichen wir durch die engen Gassen und versuchen, deren Anblick zu genießen. Früh jedoch merken wir, dass die Anstrengung zu groß ist, und wir machen uns daher auf den Weg zu einer Sektkellerei der Firma Freixenet, wo ein Konzert geplant ist.

Da nur etwa die Hälfte der Musiker überhaupt mitgekommen ist und es den Mitfahrenden zusehends schlechter geht, stehen die Chancen auf ein gutes Konzert diesmal nicht bei 100 Prozent. Leider hat es auch unseren Schlagzeuger Freddy in der Nacht erwischt, aber Victor ersetzt das Schlagzeugsolo gekonnt durch Tubaklänge, das Konzert verläuft besser als gedacht und wir freuen uns, die Zuschauer begeistern zu können. Kaum ist der Auftritt geschafft, verflüchtigen sich einige jedoch schnell in den Bus, und nur die Widerstandsfähigsten machen noch eine Führung durch die Sektkeller mit, bevor es so schnell wie möglich wieder zurück ins Hotel geht.

Dort hilft jeder jedem, was die Gruppe noch mehr zusammenschweißt: Man liest sich gegenseitig vor, misst Fieber, kocht Tee und hofft, dass das Übel bald vorbei ist.

Sonntag, 22. Juli 2007

Eine Ausbreitung des fiesen Magen-Darm-Virus sorgt dafür, dass wir heute erneut in einer fast gänzlich veränderten Konstellation nach San Miguel de Allende aufbrechen. Die

120.000 Einwohner zählende Stadt gilt heutzutage als besonders sehenswert, da sie im frühen 19. Jahrhundert ihren ursprünglichen Namen zu Ehren Ignacio Allendes änderte. Dieser in ganz Mexiko bekannte General spielte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier eine entscheidende Rolle.

Nach dem Frühstück, bei dem sich fast alle unserer Gruppe auf trockenen Toast beschränken, besichtigen wir das Haus von General Allende, welches heute ein Museum beherbergt, und die eindrucksvolle Kathedrale „Parroquia de San Miguel“. Nach Beendigung der Stadtführung haben wir die Möglichkeit auf einem riesigen Kunstmarkt alle landestypischen Dinge zu erwerben: Ob Schmuck oder mexikanisches Spielzeug, Sombreros oder Ponchos, hier findet sich für Jeden etwas. Bevor wir die Rückreise nach Querétaro antreten, fahren wir noch zu einem Aussichtspunkt, von dem wir die ganze Stadt überblicken können.

Da wir alle noch sehr geschwächt sind und die Stadtbesichtigung anstrengend war, sind wir froh, dass an diesen Abend kein weiteres Programm mehr ansteht. Außerdem müssen unsere im Hotel zurückgebliebenen kranken Gruppenmitglieder natürlich gepflegt und mit Zwieback und Tee versorgt werden.

Montag, 23. Juli 2007

Das heutige Frühstück, Crêpes, sorgt dafür, dass wir uns gut gelaunt am späten Vormittag zu unserem Platzkonzert aufmachen. Dort angekommen, stellen wir jedoch fest, dass sich der kleine Park an einer der meistbefahrenen Straßen Querétaros befindet und außer einigen schlafenden Mexikanern niemand hier ist. Da die Werbung für dieses Konzert anscheinend nicht besonders gut gelaufen ist, entschließen wir uns spontan hier nicht zu spielen, erhalten aber die Genehmigung am Abend auf einem der größten und belebtesten Plätze der Stadt, dem sog. „Plaza del Zorro“, aufzutreten.

Die guten Aussichten auf den Abend vertreiben schnell die schlechte Laune über das gestrichene Konzert und die Tatsache, dass wir unsere teilweise doch sehr schweren Instrumentenkoffer wieder einmal umsonst durch die Straßen getragen haben. Bei einem ausgiebigen Stadtbummel genießen wir die freie Zeit am Nachmittag bis wir dann am Abend ein Konzert geben dürfen, das eindeutig das schönste dieser Reise werden sollte.

Wir sitzen auf dem „Plaza del Zorro“ in einem Pavillon, umgeben von begeisterten Zuhörern, die zu unseren Liedern tanzen („YMCA“ scheint überall auf der Welt bekannt zu sein) und manchmal sogar mitsingen. Sogar die letzten Kranken unserer Gruppe raffen sich auf, um wenigstens zuzuhören, wenn sie selbst schon nicht mitwirken können.

Unsere Freude über die wundervolle Atmosphäre tröstet über die etwas angegriffene Konstitution einiger Bläser hinweg, und nach mehreren Zugaben sehen wir uns schließlich umringt von vielen Zuhörern, die uns zu dem gelungenen Konzert gratulieren oder Fotos machen. Gut gelaunt und seit Krankheitsausbruch erstmals wieder in Hochstimmung lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

Dienstag, 24. Juli 2007

Nach unserem gestrigen Konzert sind wir von einem mexikanischen Dirigenten angesprochen worden, der mit seinem Orchester und einem Chor für den heutigen Abend ein Kirchenkonzert in Queretaro plant. Da ihm unsere Musik anscheinend sehr gefiel, hat er uns kurzerhand eingeladen, am Konzert teilzunehmen – was Ulli stellvertretend für alle natürlich sofort annahm, denn so eine Chance können wir uns nicht entgehen lassen.

ßber den genauen Beginn des Konzerts herrscht heute Morgen jedoch noch Unstimmigkeit. Keiner weiß, wann es genau stattfinden soll. Da in der „Führungsriege“ die Meinung vertreten wird, es sei mittags, machen wir uns völlig unnötigerweise, wie sich später herausstellen sollte, und in Konzertkleidung auf den Weg zu einer großen Kathedrale.

Dort angekommen stellen wir fest, dass wir wohl etwas falsch verstanden haben: Vormittags ist nur Probe und das Konzert selbstverständlich am Abend. So können wir uns entspannt auf die zugegeben etwas harten Kirchenbänke verteilen und einmal anderen Orchestern bei der Arbeit zusehen.

In den freien Nachmittagsstunden vertreiben wir uns die Zeit mit Kofferpacken oder besuchen die für uns ursprünglich einmal vorgesehenen Gastfamilien.

Das geistliche Konzert am Abend hat dann einen ganz anderen Charakter als die vorhergehenden weltlichen Konzerte. Für diesen besonderen Anlass wählen wir sechs Stücke aus unserer Notenmappe aus, die möglichst gut ins Gesamtprogramm passen und gut beim Publikum ankommen. Als wir am Ende mit dem beteiligten mexikanischen Blasorchester ein gemeinsames „Halleluja“ aufführen, wird die Kirche von dem Klang der 40-50 Blechbläser vollständig ausgefüllt – und wir sind froh, dass Kirchenmauern sehr dick sind 😉

Mittwoch, 25. Juli 2007

An diesem Morgen haben sich endlich alle (z.T. mit Unterstützung der Pharmaindustrie) aufgerappelt und wollen mit nach Teotihuacán, einer berühmten Pyramidenstadt in der Nähe von Mexiko-Stadt. Wir machen uns früh auf den Weg und nehmen Abschied von Querétaro, werden aber noch begleitet von Karina und ihrer Familie sowie Alba, unserer Stadtführerin.

In Teotihuacan erwartet uns bereits ein äußerst motivierter Guide, der uns stolz erzählt, dass er schon Eric Clapton und die Scorpions durch die Pyramidenstadt geführt hat “ na da kann ja nichts mehr schiefgehen! Die Wanderung durch die riesige Denkmalsstadt erweist sich als anstrengend, vor allem weil manche von uns immer an den Tortillaverzehr denken müssen.

Aber spätestens nachdem wir die 260 steilen Stufen erklommen haben und auf der Pyramide der Sonne stehen, sind wir überwältigt. Ein einmaliger Ausblick bietet sich uns und wir nehmen uns Zeit für eine kleine Pause, um Bilder zu machen und uns dann auf die etwas kleinere Pyramide des Mondes zu wagen.

Unser Guide, ein waschechter mexikanischer Ureinwohner, lädt uns nach der rund zwei Stunden langen Besichtigung zu einem Tequila in sein Dorf ein. Nach kurzer Fahrt dürfen wir von Algave- und Zimttequila kosten und haben auch noch Zeit, handgewebte Ponchos, selbstgemachte Ohrringe und allerlei mexikanische Handwerkskunst zu kaufen.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Nachmittags geht es weiter nach Mexiko-Stadt, wo wir uns Zeit nehmen, um die berühmte Kathedrale auf dem Zócalo zu besichtigen. In dieser Kirche, übrigens die größte auf dem amerikanischen Kontinent, lassen wir die Eindrücke der gesamten Reise auf uns wirken.

Um dem Kampf gegen die Übelkeit einen großen Schritt entgegen zu gehen (und natürlich auch um Zeit zu sparen) findet das heutige gemeinsame Abendessen bei McDonalds statt, wo sich viele das erste Mal nach überstandener Magen-Darm-Krankheit an etwas anderes als Zwieback und Kamillentee wagen.

Am Flughafenhotel Ramada angekommen, müssen wir uns von Alba und Karina verabschieden – ein tränenreicher Abschied, der uns sehr schwer fällt, denn die beiden Mexikanerinnen haben uns in den vergangenen Tagen immer beiseite gestanden und geholfen, wo es nur ging. Als wir die altbekannten Zimmer wieder beziehen dürfen, flüchten manche gleich ins Bett um für den Tag der Heimreise ausgeschlafen zu sein, während andere es sich noch im Whirlpool und der Sauna gut gehen lassen.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Nach einer sehr kurzen Nacht fahren wir um fünf Uhr morgens verschlafen und mit dunklen Ringen unter den Augen zum Flughafen. Dass sich das Einchecken mit so vielen

Koffern und Instrumenten etwas länger hinzieht, sind wir ja mittlerweile gewohnt, trotzdem verbreitet sich allgemeine Erleichterung, als wir endlich im Flieger nach Atlanta sitzen.

Nach einem unruhigen dreistündigen Flug nehmen wir am Flughafen sofort wieder unsere vom Hinflug bekannten Stammplätze bei McDonalds ein und freuen uns wieder über „richtiges“ Essen. Ausnahmsweise heben wir diesmal pünktlich ab, sehen uns die gleichen Filme an wie auf dem Hinflug und nehmen Kurs auf Frankfurt.

Freitag, 27. Juli 2007

Als wir morgens in Frankfurt landen, steht uns gleich noch ein weiterer Abschied bevor, denn wir müssen uns von Anja, unserer Spanisch-Dolmetscherin trennen, die nach Kassel weiterfährt. Sie hat uns auf der Reise (und auch schon in den Wochen vorher) super unterstützt und vom Dolmetschen in der Apotheke bis zum Vortanzen von YMCA auf den Konzerten auch stets eine gute Figur abgegeben.

Auf der Zugfahrt nach Bad Hersfeld ist die Stimmung geteilt. Auf der einen Seite sind wir froh, wieder das eigene Bett und die Familie zu haben, auf der anderen Seite wollen wir uns nicht voneinander trennen. Als wir wieder auf dem Bahnsteig stehen, wissen wir jedoch, dass die nächste Reise wohl nicht lange auf sich warten lässt. Und das ist auch gut so.

Sara Gramann und Svenja Mertelmeyer

Konzerte an der Costa del Sol

Montag, 16.06.2008

Früh aufstehen hieß es wieder für die Mitglieder unseres Blechbläserensembles, um eine weitere Traumreise an der Seite von Ulli Meiß zu starten. Erst mit dem Bus nach Düsseldorf, dann mit dem Flugzeug nach Malaga und dort wieder mit dem Bus in unsere Unterkunft ging es an diesem Tage.

Kaum nach der Landung wurde uns schon die „Lässigkeit“ Spaniens bewusst, als man uns ca. 15 Minuten auf unserem Parkplatz im Flugzeug sitzen ließ, bis endlich die Rolltreppe kam. Nachdem wir schließlich in unserer Unterkunft ankamen und dort unser Gepäck verstaut hatten, erkundeten wir die nähere Umgebung und fanden schon den ein oder anderen nützlichen Ort.

Doch auch die Ruhe musste irgendwann wieder enden, und so gab es noch eine kleine Nachmittagsprobe unter freiem Himmel, bevor es dann Abends in die Stadt Malaga ging, wo wir uns nach einer kurzen Besichtigungstour in einer kleinen Kneipe niederließen und uns den glücklichen Sieg unserer Fußballnationalmannschaft gegen Österreich im Gruppenspiel der EM ansahen. Danach ging es allerdings auch wieder rasch in Richtung Unterkunft und dort erschöpft ins Bett.

Dienstag, 17.06.2008

Dieser Tag bot einiges an Programm: Direkt morgens fuhren wir per Bus und Bahn nach Torremolinos an den Strand und tankten reichlich Sonne für den Abend, an dem wir unser erstes Konzert in Spanien hatten. Zurück im Hotel ging es gleich ans Eingemachte: Instrumente und nötige Utensilien packen, sich an die Kleiderordnung anpassen und dann ab in den Bus steigen um nach Torrox zu fahren, wo wir auf einer Strandpromenade ein Konzert gaben und anschließend von unseren Gastgebern zum gemeinschaftlichen Abendessen eingeladen wurden. Etwas erschöpft vom langen Tag waren wir dann froh, wieder unsere Unterkunft in Sicht zu haben, um dann hier noch einen ruhigen gemütlichen Rest des Abends zu verbringen.

Mittwoch, 18.06.2008

Der kulturelle Höhepunkt dieser Konzertreise sollte heute kommen: Der Besuch von Granada und der weltberühmten Alhambra. Die Alhambra, auch rote Burg genannt, ist ein bedeutender Palast auf einem Hügel von Granada in Spanien, die als eines der schönsten Beispiele des Maurischen Stils der Islamischen Kunst gilt.

Innerhalb der sehr alten Festungsmauer befinden sich die Zitadelle (die Alcazaba), die Nasridenpaläste (Palacios Nazaries), der Palast Karls des Fünften sowie diverse weitere Gebäude wie z. B. eine Kirche, ein Kloster und ein Parador-Hotel. Neben der Festungsmauer befinden sich ausgedehnte Gartenanlagen (der Generalife). Die Herkunft des Wortes Alhambra ist strittig. So ist unklar, ob der Name auf einen der Baumeister oder auf das arabische qasr al-hamra‘ / قصر الحمراء ‎ / qaṣr al-ḥamrāʾ /„Die Rote (Festung)“ zurückzuführen ist, was von der rötlichen Färbung der Außenmauern herrühren würde. Ein glaubhafter, unabhängig bestätigter Bericht über den Anblick zu Zeiten der arabischen Herrschaft existiert nicht. Die Alhambra ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas und seit 1984 Weltkulturerbe.

Von einem Reiseführer begleitet, konnten wir uns ein Bild dieser grandiosen Festung machen. Viele nutzten die Gelegenheit, sich vor diesem Hintergrund ablichten zu lassen. Anschließend schlenderten wir noch durch die Gassen von Granada und schossen Gruppenbilder und Erinnerungsfotos. Ein sehr interessanter Tag, an dem wir sehr viel mehr historisches Wissen vermittelt bekamen als in der Schule möglich gewesen wäre.

Donnerstag, 19.06.2008

Der heutige Tag stand ganz unter dem Banner „ab zum Strand!“ Um noch einmal das Leben an der Costa del Sol genießen zu können, warem also Sommer, Sonne, Strand und

Meer angesagt. Früh machten wir uns daher auf, das Badestädtchen Torremolinos ein letztes Mal zu besuchen.

Bis zum Nachmittag verbrachten wir die Zeit in der Sonne und im Wasser des Mittelmeeres und mussten dann voller Wehmut die Rückreise nach Malaga antreten – denn es stand noch ein Konzert auf dem Programm: Abends hieß es Instrumente und Noten zusammenpacken, auf in den Bus und ab in die Schule zu unserem letzten Auftritt. Es war zweifellos eine ungewöhnliche Angelegenheit, da unser Publikum aus Kindern der Grundschule und ihren Eltern bzw. einigen Lehrerinnen und Lehrern bestand. Nichts desto trotz spielten wir unser gewohntes internationales Repertoire und konnten uns am Ende dieses heißen Tages noch an einigen kühlen Getränken erfreuen.
Freitag, 20.06.2008

Doch auch die schönste Reise muss irgendwann ein Ende finden und so kam es, dass wir an diesem Freitagnachmittag das traumhafte Malaga verlassen mussten. Der Vormittag stand jedoch zur freien Verfügung, also wurden noch einmal wahlweise ein paar Programmpunkte angeboten – sei es eine Stadttour durch Malaga, ein allerletzter Besuch des Strandes oder einfach nur Ausruhen im Hotel und das gute Wetter genießen.

Das Gepäck stand schon transportfähig in unserem Raum und mittags kam es, wie es kommen musste: Wir mussten den Bus beladen und in Richtung Flughafen aufbrechen! Mit Wehmut, aber nicht weniger Vorfreude auf die Heimat, bestiegen wir unseren Flieger Richtung Deutschland und landeten abends bereits wieder in Düsseldorf. Die Heimreise mit dem Bus war dann schon leicht ermüdend, und als wir endlich wieder den Obersberg erreichten, waren alle wieder froh, in ihrem eigenen Bett bei gemäßigten Temperaturen schlafen zu können.

Alles in allem war unsere Spanienreise eine richtig schöne Fahrt, an die wir alle sicher noch lange zurückdenken werden!

Julian Herwig

Jubiläum der Städtepartnerschaft

Freitag, 19 September 2008

Da wir eine lange Fahrt nach Paris vor uns haben, treffen wir uns schon um fünf Uhr morgens bei Nebel an der Modellschule Obersberg. Jeder hilft mit, die ganzen Instrumente und das restliche Gepäck im Bus unterzubringen, bevor wir in Schenklengsfeld die restlichen Mitglieder des Bläserensembles und die Volkstanzgruppe Schenklengsfeld abholen, sodass wir mit ungefähr 50 Leuten die lustige Fahrt nach Paris antreten können. Unser Busfahrer Jörg, der lieber „Meister Proper“ als „Busfahrer“ genannt werden möchte, erfüllt uns jeden Wunsch vom Supermarktstop bis hin zum Kochen von Wiener Würstchen.

Nachdem wir ziemlich müde im Jugendhotel Fiap in Paris ankommen, gibt uns unser Dirigent Ulli zu verstehen, dass wir ja unser wichtigstes Konzert an diesem Wochenende noch an diesem Abend zu geben haben. Also heißt es schnell die Zimmer zu verteilen, uns umzuziehen und bereits in einer Stunde wieder pünktlich in Konzertkleidung in der Hotellobby zu sein.

Dann geht es mit unserem Bus in die Bad Hersfelder Partnerstadt L’Hay-Les-Roses. Nachdem wir uns mit einem kleinen Snack, der von unseren Gastgebern gut organisiert ist, gestärkt haben und die Stücke nochmal kurz angespielt hatten, ist es soweit für das Festkonzert im Auditorium. Ulli hat ein internationales Repertoire zusammengestellt, bei dem auch französische Lieder wie Aux Champs-Elysee nicht zu kurz kommen.

Das Festkonzert wird von den Bürgermeistern der Partnerstädte sowie zahlreichen französischen Musikliebhabern begeistert aufgenommen. Da wir erst um ungefähr 23 Uhr im Hotel zurückkommen und dort noch ein kaltes Abendessen auf uns wartet, gehen die meisten gleich ins Bett, denn der morgige Tag wird auch wieder anstrengend werden.

Samstag, 20 September 2008

Heute ist wieder ein Auftritt angesagt! In Konzertkleidung erscheinen wir daher zu einem guten Frühstück und fahren anschließend direkt nach L’Hay-les-Roses. In dem neu

eingeweihten Bürgerzentrum der Stadt soll heute der Festakt stattfinden, den die Volkstanzgruppe Schenklengsfeld und wir mitgestalten sollen. Nach einer kurzen Stellprobe verfolgen wir zunächst die Festreden von den Bürgermeistern Hartmut H. Boehmer und Patrick Sève anlässlich der 20-jährigen Partnerschaft beider Städte. Im Anschluss folgt die Unterzeichnung der Bekräftigung der Städtepartnerschaft, die wir musikalisch mit der französischen und deutschen Nationalhymne unterstützen.

Mit Bussen fahren wir zu einem kleinen Restaurant, wo wir uns draußen bei strahlendem Sonnenschein das Mittagessen schmecken lassen. Als Erinnerung an den Festakt machen wir anschließend ein Bild mit allen Beteiligten vor dem Rathhaus.

Am Nachmittag kehren wir noch einmal zum Bürgerzentrum zurück, um dort ein kleines Freiluftkonzert zu gegeben. Wir haben noch einige Zeit, um die Tänze unsere Mitfahrer aus Schenklengsfeld zu bestaunen, bevor wir ins Pariser Zentrum zu unserem Hotel aufbrechen.

Nach dem Abendessen lassen wir uns unseren freien Abend nicht nehmen und brechen zu einer kleinen Sightseeing–Tour auf. Mit der U-Bahn geht es zuerst zum Eiffelturm, auf den wir eigentlich mit dem Aufzug fahren wollen, aber die Schlangen sind uns dann doch etwas zu lang. Stattdessen fahren wir lieber noch ein bisschen weiter zur Champs-Elyses, wo wir uns in kleinere Gruppen aufteilen. Einige gehen in das Hard Rock Cafe, andere steigen wegen der stolzen Preise (8 € für eine kleine Cola) gleich wieder in die U-Bahn und suchen sich in der Nähe vom Hotel einen günstigeren Ort für ein Getränk. Ein kleines Erlebnis in der U-Bahn soll nicht unerwähnt bleiben: Selbst unserem Ulli wurde es zu viel, als ein angeheiterter Franzose anfing, lautstark in Babysprache während der gesamten Fahrt seine Spielzeugshow vorzuführen…

Sonntag, 21 September 2008

Weil wir vor der langen Heimfahrt noch mehr vom schönen Paris sehen wollen, steht heute das Schloss Versailles auf dem Programm. Aufgrund der langen Schlangen vor dem

Eingang entschließen wir uns, lieber den Schlosspark zu besichtigen. Dieser ist sehr weitläufig und schön gestaltet, und bei strahlendem Sonnenschein können wir noch ein paar Erinnerungsfotos machen.

Gegen Mittag heißt es dann „Tschüss Paris“ und zurück nach Deutschland. Durch wenige Stopps und ein paar witzigen Aufmunterungsliedern von unserem Jörg verläuft die Heimfahrt ziemlich schnell, sodass wir um 21 Uhr wieder an der MSO ankommen.

Gesine Koinzer

Im College von Stephen Hawking

Donnerstag, 06.11.2008

Mitten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag startete unsere Konzertreise nach Cambridge. Um 2.45 Uhr trafen wir uns an der MSO in Bad Hersfeld und machten uns mit dem Bus, Gepäck und Instrumenten auf den Weg nach Paderborn, wo der einstündige Flug nach London-Stansted starten sollte.

Nachdem wir unterwegs alle noch Fehlenden von verschiedenen Straßeninseln aufgesammelt hatten, erreichten wir im Morgengrauen den Flughafen. Das Einchecken mit Instrumenten verlief schnell und erstaunlich problemlos, sodass wir pünktlich und entspannt starten und im Flieger noch etwas schlafen konnten.

Mit einer abrupten Landung wurden dann alle geweckt und wir befanden uns nun auf englischem Boden.Nachdem alle unversehrten Instrumente und Gepäckstücke wieder bei Ihrem Eigentümer waren, fuhr uns der bereitstehende Bus nach Comberton zu unserer Partnerschule, dem Comberton Village College (CVC).

Dort wurden wir herzlich mit Kaffee, Tee und Gebäck empfangen. Obwohl alle etwas geschlaucht von der Reise waren, ging es wenig später bereits weiter mit dem öffentlichen, zweistöckigem Bus nach Cambridge, wo wir das Trinity College besichtigen durften. Das College hat in seiner 460jährigen Geschichte bereits 31 Nobelpreisträger hervorgebracht, zurzeit ist hier u.a. der weltbekannte Physiker Stephen Hawking als Professor tätig.

Wir schauten uns das Gelände und die eigene Kapelle an, über welche hier jedes College verfügt. Sehr faszinierend war vor allem der schöne, grüne, englische Rasen, welcher

außer von den Professoren von niemanden betreten werden darf. Das Collegegelände erinnerte uns sofort etwas an Hogwarts.

Mittag haben wir dann in der Mensa eines anderen Colleges, des Sidney Sussex College, gegessen. Es befindet sich direkt neben dem Trinity College. Wir konnten zwischen Fisch, Hähnchen, Kartoffelecken, Gemüse, einem Salat und einem Dessert auswählen. Auffällig war hier, dass die Professoren auf einem Podest saßen und ein eigenes Buffet bereitgestellt bekamen.

Gegen drei Uhr machten wir uns dann wieder auf mit dem Bus zurück zur Schule, wo schon unsere Gastfamilien auf uns warteten. Den Abend verbrachten wir dann gemeinsam mit ihnen.

Freitag, 07.11.2008

Nach einer mehr oder weniger entspannten Nacht trafen wir uns alle zur ersten Unterrichtsstunde – sie beginnt um 8.30 Uhr – in der Schule. Es gab viel über die ersten Eindrücke in den Gastfamilien zu berichten, bevor wir mit zwei Bussen nach Mountfitched Castle und Norman Village aufbrachen. Der Linksverkehr war für uns alle immer noch sehr gewöhnungsbedürftig.

In Mountfitched Castle angekommen schauten wir uns zuerst ein Film- und Spielzeugmuseum an. Dort hat man sehr alte Spielsachen, Spielautomaten und Filmaccessoires aus den 30er Jahren gesammelt und ausgestellt. Im Anschluss gingen wir in das Norman Village, wo dargestellt wird, wie die Menschen im 9. und 10. Jahrhundert gelebt haben. Einige Tiere liefen frei in dem „Dorf“ herum und waren zur Freude unserer jüngsten Mitglieder sehr zutraulich.

Gegen Mittag machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Comberton. Wir hielten jedoch noch in der malerischen Kleinstadt Saffron Walden an, wo wir die Möglichkeit hatten, in einem typisch englischen Pub Lunch zu essen. Nach kurzem Stadtbummel – inklusive Sonne – fuhren wir zurück und erreichten wieder die Schule, wo wir noch eine Probe einlegten, bevor wir den Abend in den Gastfamilien verbrachten.

Samstag, 08.11.2008

Am Samstag ging es auch wieder früh los, denn diesen Tag sollten wir in London verbringen. Um es vorwegzunehmen: Es hat den ganzen Tag geregnet!

Um 08.30 Uhr trafen wir uns in Cambridge am Bahnhof, um die ca. einstündige Zugfahrt nach London anzutreten. Dort angekommen durfte ein Besuch am berühmten Bahnsteig 9¾ in der Station Kings Cross natürlich nicht fehlen.

Nach einer kurzen Fahrt mit der U-Bahn nach South Kensington starteten wir mit Regenschirm und Regenjacke bewaffnet unseren Fußmarsch durch London. Wir streiften die Royal Albert Hall, den Hyde Park, den Kensington Garden, das Prinzessin Diana Denkmal, den Buckingham Palast und gingen durch den St. James Park. Ein Teil der Gruppe besichtigte außerdem die Westminster Abbey, in der traditionell die Könige gekrönt werden. Hier gab es zur Abwechslung mal kein Wasser von oben, was das sehr beeindruckende Bauwerk noch interessanter machte. Jeder bekam zudem einen „digitalen Reiseführer“und konnte so die Kirche ganz individuell entdecken.

Doch irgendwann hieß es wieder „Auf in den Regen!“ und nach einem schnellen Gruppenfoto weiter durch die Stadt. Nachdem die Tour beendet war, trennten wir uns, denn für den Rest des verbleibenden Tages war Freizeit angesagt, welche die meisten in der Oxford Street verbrachten.

Einige wollten schon früher zurückfahren, da in ihrem Dorf ein „bonfire“ stattfand und die Gastfamilien sich gefreut haben, mit ihnen dort hinzugehen. Für die Beteiligten war es ein großes Event, es waren sehr viele Menschen dort um sich das Feuerwerk und das Lagerfeuer anzusehen.

Sonntag, 09.11.2008

An diesem Tag sollte unser erstes Konzert, zusammen mit dem professionellen Blechbläser-Ensemble „Prime Brass“, in der St. George`s Church stattfinden. Bis um 16.00 Uhr haben wir den Tag in den Gastfamilien verbracht. Dann trafen wir uns also in der Kirche, um die Stücke noch einmal anzuspielen.

Prime Brass spielte zunächst den ersten Teil des Konzertes, die Qualität ihrer Musik war sehr beeindruckend. Die vier Posaunen, vier Trompeten, der Hornist und der Tubist spielten sehr gut und lockerten ihr Programm zudem mit ein paar Showeinlagen auf. Nach einer kurzen Pause waren wir dann an der Reihe. Unser Programm war eine Reise durch die ganze Welt, denn wir spielten Musik aus zahlreichen Ländern, die wir in den letzten Jahren bereist haben.

Nach dem gemeinsamen Konzert gab es im „Golden Hind“ ein reichhaltiges Buffet mit vielen leckeren, typisch britischen Speisen.

Montag, 10.11.2008

Nach einem mehr oder weniger ausgiebigen Frühstück trafen wir uns wieder im CVC, um uns wieder auf den Weg nach Cambridge zu machen. Heute standen eigentlich Punting

und die Besichtigung des berühmten Kings Colleges auf dem Programm. Da es aber mal wieder wie aus Eimern regnete, musste das Punting leider ausfallen. So besichtigten wir nur das College und seine sehr beeindruckende Kapelle, die uns eher an eine große Kathedrale erinnerte.

Nach dem Mittagessen in dem „Emmanuel Church Fair Trade Cafe“ hatten wir dann noch etwas Freizeit in der Stadt, bevor wir wieder mit dem öffentlichen Bus zurück zur Schule fuhren. Die Zeit bis 18.00 Uhr verbrachten einige in der Schule während andere mit in ihre Gastfamilien gingen.

Um 19.00 Uhr begann dann unser zweites Konzert der Reise, dieses Mal gemeinsam mit Schülern des CVC, die unser Programm mit verschiedenen solistischen Stücken auflockerten. Nach dem Konzert gab es eine kleine Abschiedsfeier mit einem Büffet und Getränken, wozu auch die Gastfamilien eingeladen waren.
Dienstag, 11.11.2008

Nach einer sehr kurzen Nacht ging es morgens um vier Uhr wieder aus den Federn, da wir uns bereits um fünf Uhr an der Schule zur Abfahrt treffen musstem. Als dann mit etwas Verspätung alle an Bord waren, machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Stansted. Die Fahrt war sehr ruhig, da die Meisten natürlich schliefen.

Nachdem alle Koffer und Instrumente aufgegeben waren, mussten wir noch warten, bis unser Flug um 8.10 Uhr startete. Vom Warteraum aus konnte wir zuschauen, wie das Flugzeug beladen wurde. Vor allem, als das Xylophon an der Reihe war, ertönte ein lautes Stöhnen. Der einzige Satz, den Matthias herausbrachte war: „In Paderborn haben sie es zumindest zu zweit auf das Band gelegt…“.

Kaum zu glauben, aber bei Sonnenschein starteten wir nach Paderborn! Die Landung nach einer Flugstunde war turbulent und bei strömendem Regen waren wir dann wieder auf deutschem Boden angekommen. Jeder fand schnell seine Koffer wieder und wir bestiegen den bereitstehenden Bus. Die Abfahrt verzögerte sich dann aber doch um ein paar Minuten, weil Viktor sein Handy verloren hatte und noch einmal zurück zum Flugzeug ging um es zu suchen. Ohne Erfolg machten wir uns dann schließlich auf den Weg nach Bad Hersfeld.

Mittags kamen wir alle – sogar das Xylophon – wieder wohlbehalten an der MSO an. Alles in allem war es eine sehr nasse aber wunderschöne Reise mit vielen interessanten Eindrücken und wertvollen Erfahrungen.

Anika Bachmann

Zu Gast im hohen Norden

Mittwoch, 13.05.2009

2.00 Uhr. Der ganze Landkreis schlummert noch im Tiefschlaf. Der ganze Landkreis? Nein, denn wir – die Mitglieder des Blechbläser-Ensembles der Modell- und Gesamtschule Obersberg und der Konrad-Duden-Schule – sind bereits hellwach. Dabei könnten sich einige von uns sicherlich auf den ersten Blick etwas Schöneres vorstellen, als mitten in der Nacht vor der eigenen Schule zu stehen und auf einen Bus zu warten. Doch das vielversprechende Reiseziel Hyvinkää in Finnland zaubert trotz der Dunkelheit und des frühmorgendlichen Nebels ein Lächeln auf unsere Gesichter.

Um 2.30 Uhr sitzen wir startklar im Bus und peilen den Flughafen Düsseldorf an, von wo aus der Flieger um 9.10 Uhr in die finnische Hauptstadt Helsinki startet. Nach unserer Ankunft in Helsinki geht es sogleich per Bus weiter nach Hyvinkää in die Tapainlinna-Schule, wo wir uns bei einem herzlichen Empfang mit Kaffee und Kuchen von unserem kleinen Jetlag erholen können.

Noch begeistert von der ersten Begegnung mit unseren Gastgebern steht bereits der nächste Programmpunkt an: Wir fahren gegen 15.00 Uhr zu einem nahe gelegenen See, an dem einige von uns die wohl einmalige Chance wahrnehmen, in die für Finnland traditionelle Sauna zu gehen, um danach einen Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Nach kaum vier Stunden im hohen Norden ist dies gleichzeitig für unseren Dirigenten Ulli Meiß die Gelegenheit, uns für ein erstes Gruppenfoto zu postieren. Nach einem üppigen Essen und einem kleinen Volleyballmatch „Girls vs. Boys“ (wobei natürlich die Girls gewinnen) steht die Aufteilung in die Gastfamilien an und ein langer und anstrengender wunderschöner Tag geht zu Ende.

Donnerstag, 14.05.2009

Unser zweiter Tag in Finnland beginnt pünktlich um 9.00 Uhr mit einem Empfang im Rathaus von Hyvinkää, wo uns schon ein liebevoll vorbereitetes Frühstück erwartet. Bei

einem Kaffee lauschen wir aufmerksam dem Vortrag des Bürgermeisters, der uns interessante kulturelle und traditionelle Informationen über unseren Partnerkreis vermittelt. Nach dem obligatorischen Austausch von offiziellen Gastgeschenken bekommt sogar jeder von uns ein kleines Gastgeschenk der Stadt Hyvinkää überreicht.

Direkt im Anschluss starten wir eine ausgiebige Stadtführung durch Hyvinkää, um uns die Stationen des Vortrags über die Stadtgeschichte anzuschauen. Anschließend freuen wir uns auf das Mittagessen in der Tapainlinna-Schule. Dort angekommen wundern wir uns über das Verhalten der Schüler, die in Strümpfen oder Hausschuhen über die Flure der Schule gehen, bis wir feststellen, dass dies hier üblich ist. Für Gäste gilt eine Ausnahmeregelung, sodass wir unsere Schuhe nach Aufforderung anbehalten.

Von 13.00 bis 16.00 Uhr steht unsere erste Probe auf dem Programm, in der wir uns nochmals gründlich auf das bevorstehende Konzert vorbereiten. Nach diesem wahrlich schweißtreibenden Programmpunkt verteilen wir uns wieder auf die Gastfamilien, wo nun die Gelegenheit besteht, sich intensiv mit den Gastgebern auszutauschen und sich näher kennenzulernen. Abends können wir auf Einladung der Stadt Hyvinkää noch eine Bowlingbahn besuchen oder in ein Schwimmbad gehen.

Freitag, 15.05.2009

Heute ist große Konzerttag! Zunächst treffen wir uns um 9.00 Uhr zu einer kurzen Probe, um eine gemeinsame Veranstaltung im Saal unserer Partnerschule vorzubereiten. Um 10.00 Uhr hat sich bereits der Saal der Schule mit hauptsächlich jüngeren Schülern gefüllt. Nachdem wir zu Beginn eine Kostprobe unserer Musik geben dürfen, gehen wir von der Bühne und reihen uns unter den finnischen Schülern ein, um die nachfolgenden Programmteile mitzuverfolgen (u.a. wird zur Freude der Schüler ein Theaterstück aufgeführt, das hauptsächlich die finnischen Lehrer gestalten).

Nach dieser gelungenen Abwechslung steht um 11.00 Uhr eine Schulführung in kleinen Gruppen auf dem Programm, denn wir wollen uns schließlich versichern, ob Finnland zu Recht auf dem ersten Platz der PISA-Studie steht! Schon nach kurzer Zeit stellen wir fest, dass die Schule topp und modern ausgerüstet ist. Die Möbel, die Schulmaterialien bis hin zu einer Werkstatt, von der manch deutscher Schreiner träumt – alles ist vorbildlich. Ein großer Vorteil sind auch die Klassengrößen, die hier bei ungefähr 10-15 Kindern liegen! Und das Verhältnis zu den Lehrern scheint hier besonders gut zu sein. Weil die Kinder diese mit Vornamen anreden dürfen, herrscht eine angenehme Atmosphäre in den Lerngruppen, und für besondere Probleme stehen zwei Sozialpädagogen zur Verfügung. Wir ahnen, dass Finnland zu Recht bei der PISA-Studie mit Bravour abgeschnitten hat.

Um 12.00 Uhr gibt es Mittagessen. Danach ziehen wir uns zur nächsten Probe in unseren Probenraum zurück. Zur Freude aller Beteiligten ist der Nachmittag zur freien Verfügung, um für das große Konzert in der Stadthalle gut ausgeruht zu sein. Doch die Erholung ist nur von kurzer Dauer, denn wir müssen schon um 16.30 Uhr wieder im „Hyvinkää Sali“ sein, dem größten Konzertsaal der Stadt, um noch proben zu können. Um 19.00 Uhr beginnt dann unser gemeinsames Konzert mit dem Chor unserer Partnerschule. Zur Freude aller Beteiligten verläuft es reibungslos, das Publikum ist restlos begeistert und fordert eine Zugabe nach der anderen! Das war ein richtig schöner Erfolg, und erschöpft, aber zufrieden legen wir uns schlafen.

Samstag, 16.05.2009

Ein neuer Tag bricht an – leider viel zu früh, denn zur wahrhaft unchristlichen Zeit um 6.30 Uhr müssen wir startklar vor der Schule stehen, um unsere Fahrt nach Tallinn in

Estland antreten zu können. Zuerst führt uns der Bus nach Helsinki, wo wir mit der Fähre über die Ostsee nach Tallinn schippern. Von dort starten wir eine Busführung durch die estnische Hauptstadt, die ungefähr zwei Stunden dauert. Im Anschluss haben wir dann genügend Zeit, um uns in der historischen Altstadt Tallinns zu bewegen. Alles in allem – die estnische Hauptstadt hat uns fasziniert, sie ist voller Historie, Anmut und Charme und hat noch wenig mit den großen Metropolen Europas gemein.

Bereits um 16.30 Uhr legt die Fähre nach Helsinki wieder ab, von wo aus wir wieder mit dem Bus nach Hyvinkää fahren. Und so allmählich nähert sich auch unsere Reise dem Ende, denn es ist der letzte Abend in den Gastfamilien und daher heißt es schon wieder Abschied nehmen.

Sonntag, 17.05.2009

Ein letztes Highlight steht heute an, denn wir besuchen die finnische Hauptstadt Helsinki, wo wir nebst Sightseeing auch eine Shoppingtour unternehmen können (Letzteres trifft eher für die weiblichen Teilnehmer unserer Gruppe zu …), und zum Glück haben hier die Läden auch sonntags auf. Um 18.00 Uhr startet dann unser Flugzeug wieder in Richtung Heimat. Nach drei Stunden landen wir in Düsseldorf, müssen dort aber leider feststellen, dass einige unserer Instrumente den Flug nicht reibungslos überstanden haben. Nach der zeitraubenden Schadensaufnahme fahren wir dann mit unserem Bus in Richtung Hersfeld, wo wir nach Mitternacht ankommen.

Die ganze Fahrt – da waren sich alle einig – hätte ruhig noch länger dauern dürfen!! Wenn da nicht die Schule wäre … Denn am nächsten Morgen steht schon wieder der Schulalltag vor der Tür und die schöne Reise mit vielen einmaligen Erlebnissen ist dann bereits wieder Vergangenheit. Kein Wunder, dass wir uns schon riesig auf unsere nächste Konzertreise freuen – auch wenn wir noch nicht genau wissen, wohin sie geht… Nach Hyvinkää möchten wir aber auf jeden Fall noch einmal!

Johanna Hofmann

Wilde Tiere und koloniale Relikte

Montag, 05.07.2010

Nach einer sechsstündigen Busfahrt von Bad Hersfeld nach München und einem neunstündigen Nachtflug kommen wir morgens am Flughafen Windhoek an. Jeder freut sich, zum ersten Mal Afrika hautnah zu erleben. Direkt nach der Landung werden daher die Fotoapparate gezückt, um die ersten Eindrücke von diesem wunderbaren Kontinent festzuhalten. Nach den ganzen „Einwanderungsprozeduren“ stellt sich unser Reiseleiter David vor und begrüßt uns auf afrikanische Art und Weise mit einem „besonderen Händedruck“. Als wir unseren Bus (etwas ältere Bauart) beladen haben, fahren wir circa 30 km in die Innenstadt zum Währungstausch und zur Versorgungssicherung.

Nun beginnt die sechsstündige Busfahrt in den Norden Namibias, wobei uns die ersten exotischen Tiere wie Paviane und Warzenschweine bereits auf der Fahrt begegnen. Im Etosha Nationalpark angekommen, unternehmen wir vor Einbruch der Dunkelheit noch ein Mini-Safari Tour, wobei uns bereits Zebras und Elefanten beindrucken.

Bei Einbuch der Dunkelheit müssen wir den Park verlassen und fahren zur nahegelegenen Etosha Safari Lodge. Während unser Gepäck sogar von den Bediensteten auf unsere Zimmer gebracht wird, werden wir an der Rezeption mit Getränken und warmen Waschlappen empfangen (die einige zunächst für etwas Essbares halten). Wir lassen den anstrengenden Tag bei einem sehr schmackhaften Abendessen mit einheimischen Fleischsorten gemütlich ausklingen.

Dienstag, 06.07.2010

Trotz kurzer Nacht besteigen wir nach einem brillanten Frühstück topfit den Bus für unsere Safaritour im Etosha-Nationalpark. Heute haben wir den ganzen Tag Zeit, um bei den

Tieren anzuhalten und sie vom Bus aus zu beobachteten. Von Löwen über Antilopen, Gnus, Springböcken, Hyänen, Giraffen, Erdhörnchen bis Elefanten bekommen wir alles zu Gesicht, was wir bislang nur aus Zoos oder von Fotos kannten. Unser Busfahrer David gestaltet die Safari sehr spannend und gibt uns viele Hintergrundinformationen (z.B. dass eine Hyäne Angst vor einem Löwen hat, während ein Löwe Angst vor zwei Hyänen hat).

Gegen Mittag fahren wir zu einem eingezäunten Camp mitten im Nationalpark, wo einige von uns zum ersten Mal Springbock probieren. Vor einem angrenzendem Wasserloch machen wir noch ein Gruppenfoto mit den Tieren, bevor wir das Camp wieder verlassen und unsere Safari am Nachmittag fortsetzen. Erst kurz vor Sonnenuntergang fahren wir zurück zur Lodge. Den Abend genießen wir am Pool, an der Bar oder am Lagerfeuer, wo es und einen traumhaften Sonnenuntergang und einen atemberaubenden Sternenhimmel zu sehen gibt.

Mittwoch, 07.07.2010

Heute müssen wir leider schon die Etosha Safari Lodge verlassen, um zu unserer nächsten Station Omaruru aufzubrechen. Nach halbtägiger Busfahrt kommen wir in der Omaruru Game Lodge an. Die Häuser, in denen wir untergebracht sind, liegen rund um eine Wasserstelle, an der sich Pfauen, Giraffen, Zebras und sogar Nashörner sammeln. Wir haben zunächst etwas Freizeit, um den neuen Pool zu erkunden oder ein Sandwich zu genießen.

Am Nachmittag lernen wir Lars, einen Musiklehrer der Deutschen Höheren Privatschule Windhoek, kennen. Er hat die grandiose Reise zusammen mit Ulli geplant und erzählt uns nun einiges über die Geschichte Namibias, das Ansehen der Deutschen im Land und was uns noch so alles erwarten wird. Auch Thorsten, Trompeter und Geschichtslehrer unserer Reisegruppe, erzählt uns einiges über die namibische Geschichte (damit wir vor dem Geschichtsprofessor, den wir in Windhoek treffen sollen, nicht völlig unvorbereitet sind). Wir erfahren zum Beispiel, dass die Deutschen zu Kaiserzeiten einige Urvölker Namibias wie die Herero rücksichtslos bekämpften. Unser Busfahrer David ist selbst Herero, strahlt aber eine unvergleichliche Herzlichkeit aus, die wir seit unserer Ankunft dankbar aufnehmen und nun noch mehr zu schätzen wissen.

Wir versuchen, unser Abendessen vor das WM-Halbfinalspiel Deutschland-Spanien zu verlagern, was leider ebenso wenig aufgeht wie der erhoffte Einzug ins Endspiel. Da unsere Nationalmannschaft leider verdient verliert, gehen wir zwar mit gutem Essen aber schlechtem Spielgefühl zu Bett.

Donnerstag, 08.07.2010

Nach dem Frühstück machen wir noch ein paar Fotos mit den zwei Breitmaulnashörnern der Lodge, denn diese kommen, nur durch eine niedrige Mauer getrennt, bis an die

Frühstücksterrasse heran. Wir dürfen auch die Fütterung von Geparden und einem Leopard beobachten – ein Gänshauterlebnis pur!

Danach müssen wir leider unsere Sachen packen und den Bus beladen, um nach Swakopmund zu starten, wo für abends eine Probe angesetzt ist. Unser Busfahrer erklärt uns, dass Swakopmund die Hochburg der Deutschen sei und der Name von „Schwach Kopf Mund“ kommen würde. Nach einer langen Busfahrt durch karge Landschaften und endlose Wüsten, vorbei an der größten Uranmine der Welt, kommen wir am Nachmittag endlich an und bemerken sofort, wie warm es hier im Gegensatz zum Rest des Landes ist. Gefühlt herrscht hier deutscher Hochsommer, obwohl in Namibia gerade Winter ist.

Nach der Zimmeraufteilung haben wir Freizeit und dürfen den Ort in Kleingruppen erkunden. Die meisten finden sich am Strand beziehungsweise am Meer wieder, jedoch ist für uns das Baden im Atlantik leider untersagt. Am Abend haben wir unsere erste Probe, die völlig reibungslos funktioniert. Jeder hat Spaß daran, sein Instrument endlich wieder in den Händen zu halten. Beim leckeren Abendessen in einem nahegelegten Pub lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Freitag, 09.07.2010

An diesem Morgen können wir uns entweder einer ausgiebigen „Living Desert“ – Tour anschließen oder einen Kurztrip in die riesigen Dünen machen. Die meisten nehmen den Bus und fahren ca. 5 km in die Dünen hinein. Das Besteigen sah von Weitem einfacher aus als es ist! Macht man einen großen Schritt nach vorne, rutscht man die halbe Fußlänge wieder zurück.

Als wir mit den Spanbrettern, die wir im Bus mitgenommen haben, auf der Düne angelangt sind, ist jeder heiß darauf, einmal auf einem Brett hinunter zu rutschen. Manche machen dies sogar mehrmals und tun sich gleichzeitig immer wieder diesen elendigen Aufstieg an. Noch ein paar Fotos, dann müssen wir leider schon wieder zurück nach Swakopmund.

Dort angekommen, gehen wir mit unseren Instrumenten durch die Stadt und musizierten Freude strahlend als Werbung für unser abendliches Konzert. Wir spielen am Strand, vor ein paar Kaufhäusern oder einfach mal in der Fußgängerzone, wobei wir jeweils auf überraschte und freundliche Zuhörer treffen.

Der Nachmittag ist zur freien Verfügung. Unser Auftritt am Abend in der gut besuchten Kulturaula läuft wie geplant. Die Einnahmen übergeben wir noch während des Konzerts an den Leiter einer örtlichen Schule als Spende. Im Anschluss gehen wir in das Restaurant vom Vorabend und lassen dort diesen schönen Abend gemeinsam ausklingen – tausend bunte Eindrücke eines erlebnisreichen Tages und eines erfolgreichen Konzerts wirken nach.

Samstag, 10.07.2010

Früh morgens brechen wir heute in die Namib Wüste auf. Nur wenige Kilometer fahren wir auf einer geteerten Straße, dann geht es stundenlang über Schotterstraßen und

Sandpisten, für die man geländegängige Fahrzeuge wirklich braucht. Zwischendurch machen wir nur kurze Stopps in der unwirklichen Landschaft und hoffen, dass unser Bus durchhält.

In Solitaire, einem der wenigen kleinen Örtchen entlang der Piste, gibt es den berühmtesten Apfelkuchen Namibias! Eine Tankstelle, ein paar Häuser und eine Bäckerei, das ist der ganze Ort. Aber die Bäckerei stellt jeden Tag 200kg Apfelkuchen her und verkauft ihn an vorbeikommende Reisende, sodass auch wir uns natürlich von der außergewöhnlichen Qualität gerne überzeugen lassen.

Abends in der Namib Desert Lodge angekommen, erkundeten wir zunächst unsere neue Unterkunft. Manche gehen in den Pool und plantschen, andere trinken einen Kaffee oder ein Bier. Nach einem wiederum grandiosen Abendessen singt das Personal spontan einige Stammeslieder für uns – scheinbar hat es sich herumgesprochen, dass wir eine Musikgruppe sind. Wir kommen also nicht umher, unsere Instrumente zu holen und uns mit ein paar Liedern zu revanchieren. Als Höhepunkt musizieren wir gemeinsam „We are the World“ – sicher einer der unvergesslichen Momente dieser Reise!

Zum Abschluss des Tages jubeln wir unserer Fußball-Nationalmannschaft ein letztes Mal zu, die das Spiel um den 3. Platz gegen Uruguay überzeugend gewinnen kann.

Sonntag, 11.07.2010

Zitternd stehen wir um halb fünf auf, um schon bei Sonnenaufgang bei den höchsten Düne der Welt sein zu können – ein Plan, der leider nicht ganz aufgehen sollte. Aber nach dem Frühstück und mehr als einer Stunde Sandpiste kommen wir an der Düne „Big Daddy“ an. Sie zu besteigen ist wieder einmal schwerer als es von unten aussieht. Wir gehen etwa auf 80m Höhe und machen dort ein paar Gruppenfotos.

Für den Abstieg wählen wir einen schnelleren Weg: Wir gehen nicht, wie beim Aufstieg, gemütlich über den Kamm der Düne, sondern rennen einfach die steile Flanke hinunter. Das macht einen Riesenspaß, denn man wird schneller als bei jedem Sprint! Nicht selten endet es aber auch mit Überschlägen im tiefen Sand. Leider müssen wir im Anschluss gleich in Richtung Windhoek aufbrechen, wo uns unsere die Gastfamilien am Abend erwarten. So geht es wieder einmal stundenlang über namibische Sandpisten.

Nach gefühlten 100 Stunden Busfahrt kommen wir abends endlich in der Hauptstadt an, lernen zunächst unsere Gastfamilien kennen und verbringen den weiteren Abend gemeinsam mit ihnen in der Schule beim Public Viewing des WM-Endspieles. Danach geht es zu den Gastfamilien, wo wir mit den für deutsche Verhältnisse riesigen Sicherheitssystemen ihrer Häuser bekannt gemacht werden – beeindruckend und manchmal beängstigend zugleich!

Montag, 12.07.2010

Nach einem relativ langen Schlaf und einer warmen Dusche geht es heute zunächst in die Schule. Dort treffen wir in einem Konferenzraum einen Geschichtsprofessor, der uns

Namibia und seine Hauptstadt näher bringt. Nachdem er einiges über seine eigene Biographie und das Land geschildert hat, fahren wir mit ihm zu den Sehenswürdigkeiten Windhoeks. Wir besuchen dabei u.a. den „deutschen Reiter“, der hier seit der Kolonialzeit geduldig steht. Nach dieser sehr informativen Rundfahrt geht es zurück zur Schule, wo wir von unseren Gasteltern zum Mittagessen abgeholt werden.

Am Nachmittag treffen wir uns in der Innenstadt, wo wir auf der nicht gerade groß angelegten „Shopping-Meile“ ein wenig einkaufen können. Zum Abendessen treffen wir uns dann in der rustikalen „Joe’s Bar“, wo wir viele heimische Wild-Spezialitäten probieren und noch ein wenig mit unseren Gastgebern zusammensitzen können. Die Gaststätte überzeugt mit ihrem schönen Ambiente, es gibt sogar ein kleines Lagerfeuer in der Mitte, das in der kalten namibischen Nacht sehr angenehm ist.

Dienstag, 13.07.2010

Früh morgens treffen wir uns heute in der Schule, um einmal einen ganzen Tag den Unterricht zu verfolgen, der hier bereits um 7 Uhr beginnt. Dabei sammeln wir jede Menge verschiedener Eindrücke (ich habe zum Beispiel Deutsch-, Englisch- und Physikunterricht verfolgen können). In den Pausen treffen wir uns und tauschen unsere Eindrücke aus dem Unterricht aus.

Nach dem Mittagessen in unseren Gastfamilien treffen wir uns am Nachmittag zu unserer ersten Probe mit der Schul-Big Band in der Aula der Schule. Wir studieren als gemeinsames Abschlussstück für unser Konzert ein Udo Jürgens-Medley ein und proben anschließend noch einige unserer eigenen Titel. Den Abend verbringen wir heute individuell mit den Gastfamilien.

Mittwoch, 14.07.2010

Heute können wir endlich wieder einmal richtig ausschlafen – oder in die Schule gehen und uns noch einen Schultag anschauen. Gemeinsam treffen wir uns erst nachmittags zu einer letzten Probe für unser Abschlusskonzert heute Abend. Zwischen Probe und Konzert vertreiben wir uns die Zeit zur Abwechslung mal in einem italienischen Restaurant.

Das Konzert findet in der noblen Aula der Schule statt und ist sehr gut besucht. Zuerst hören wir den Darbietungen der Big Band zu, nach der Pause geben wir dann unser Bestes und sind erleichtert, dass unsere Musik sehr gut bei den Namibiern ankommt. Lange Gespräche mit unseren Gastgebern, in denen wir die großartige Reise reflektieren, gehen noch bis in die Nacht hinein.

Donnerstag, 15.07.2010

Noch vor Sonnenaufgang treten wir erschöpft und übervoll mit Eindrücken über dieses wunderbare, unbeschreiblich vielfältige Land und die netten Menschen, die wir kennenlernen durften, die Heimreise an.

Nach einem langen Flug von Windhoek nach München und der anschließenden Busfahrt kommen wir ausgepowert, aber aufgeladen mit Tausenden von Bildern und Erlebnissen, nachts gegen 2:30 Uhr in Bad Hersfeld an. Für diesen unermesslichen Erfahrungsschatz Dank an alle, die dies ermöglicht haben – besonders an Ulli, der immer wieder top noch toppen kann!

Reinhold Radick

Wilde Tiere und koloniale Relikte

Samstag, 01.10.2011

Endlich ist es soweit, die Konzertreise nach Vietnam kann beginnen! Es ist morgens 9 Uhr und langsam trudeln alle ein: 20 Musikerinnen und Musiker, unser Hausmeister Günter (der Mann für alle Fälle), unser Chef Ulli und ein riesiger Haufen von (Instrumenten-)Koffern stehen erwartungsfroh beisammen und freuen sich, dass es nun endlich losgeht.

Nachdem wir in Frankfurt am Flughafen angekommen sind, können wir bis gegen 13 Uhr unser Gepäck und unsere Instrumente aufgeben. Nachdem sich die meisten bei McDonalds ein letztes Mal „gute deutsche Küche“ gegönnt haben, heben wir auch schon gegen 14 Uhr ab. Mit Vietnam Airlines geht es direkt von Frankfurt aus nach Ho Chi Minh City im Süden Vietnams, ein elfstündiger Flug steht uns bevor.

Nach einiger Zeit gibt es die erste Mahlzeit an Bord, wobei sich die meisten für „european style“ entscheiden und allenfalls argwöhnisch in den Teller der vietnamesischen Sitznachbarn schauen. Hier bietet sich eine kleine Vorschau dessen, was uns wohl in den nächsten Tagen erwarten wird. Diese erste Verwunderung verfliegt in 10 Kilometern Höhe recht schnell, bevor sich dann zu später Stunde doch wenigstens für kurze Zeit die Nachtruhe breit macht.

Sonntag, 02.10.2011

Um 4:30 Uhr vietnamesicher Ortszeit gehen die Lichter wieder an im Flugzeug, wenig später wird das Frühstück serviert (die Wahl fällt auf Krautsalat, Salami und Nudeln mit

Würstchen), bevor wir dann mit einer Bilderbuchlandung auf südostasiatischem Boden aufsetzen.

Alles geht seinen Gang: Wir gelangen problemlos durch die Passkontrollen, unsere Koffer sind glücklicherweise alle angekommen und die Instrumente haben den Flug ohne Schaden überstanden. Doch nun steht uns der erste Schock bevor, er lauert hinter der Ausgangstür des Flughafens: Es ist Sonntagfrüh ca. 7 Uhr, das Thermometer zeigt fast 30° C und die Luftfeuchtigkeit beträgt ca. 85% – wir sind in Vietnam angekommen, herzlich willkommen!

Schon am Flughafen werden wir von drei sehr lieben Menschen abgeholt: Dr. Paul Weinig, Frau Hanh und Bich vom Goetheinstitut Ho-Chi-Minh-Stadt heißen uns herzlich willkommen und führen uns zu unserem Bus, den wir – schon zum ersten Mal durchgeschwitzt – erreichen. Alles wird verladen und wir fahren zu unserer Unterkunft, dem Hotel Dong Nam, im Zentrum der Stadt. Auf dem Weg dorthin erhalten wir einen ersten Eindruck des vietnamesischen Straßenverkehrs und Hupverhaltens.

Nachdem wir dort eingecheckt und uns erfrischt haben, lernen wir nun auch Borries Plass, einen früheren Schüler Ullis, und seine Frau Thu kennen, die uns ebenfalls fortan begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.
Gemeinsam gehen wir essen, wobei im Kampf mit den Essstäbchen jeder auf sich allein gestellt bleibt. Einige wenige kapitulieren und greifen zu Messer und Gabel, welche die Bedienung – breit grinsend – herbeibringt. Vieles von dem Essen, das aufgetischt wird, erscheint zunächst für uns europäische Gaumen ungewöhnlich, doch zumindest Reis und Pepsi sind für alle in Ordnung.

Nach kurzer freier Zeit haben wir abends bereits unseren ersten Auftritt: Wir spielen im Rahmen des deutschen Filmfestivals vor dem Hauptfilm „Die Päpstin“. Das Minikonzert verläuft super, dem Publikum gefällt unsere Musik und sie singen vor allem bei den Michael Jackson-Songs spontan kräftig mit.

Das wäre also schon einmal geschafft, weiter geht’s zum Abendessen. Hier werden wieder unzählige vietnamesische Speisen nacheinander aufgetischt. Das Essen entpuppt sich als schwierig: Nicht nur die Stäbchen, sondern auch die Zuordnung der entsprechenden Soßen zu den Gerichten und die Unterscheidung von Essbarem und Dekoration gestalten sich noch ein bisschen problematisch. Doch obwohl wir sicher vieles „falsch“ tunken (und einer sogar tapfer ein zur Dekoration gedachtes ganzes Bananenblatt genüsslich kaut), finden wir langsam Geschmack an der exotischen Küche. Müde geht’s nach einem langen Tag voller Eindrücke zurück ins Hotel und ab in die Heia.

Montag, 03.10.2011

Für heute Morgen ist viel Freizeit zur Eingewöhnung vorgesehen, bevor nachmittags ein Konzert in einer Schule geplant ist. Damit uns in unserer freien Zeit nicht langweilig wird,

bietet Bich an, uns ein vietnamesisches Kaufhaus zu zeigen. Auf zwei Taxen verteilt machen sich also einige mit ihr auf und fahren zunächst zum „Saigon Spuare“. In diesem Markt steht Stand an Stand, wobei hier echte und gefälschte Ware oft nebeneinander und kaum unterscheidbar zu finden ist. Für Lacher sorgen Plagiate wie Herrenunterwäsche, auf der statt „Tommy Hilfiger“ „Tommy Hierfigger“ als Markenname zu lesen ist.

Danach gehen wir uns zu Fuß zu einem traditionelleren vietnamesischen Markt. Hier erwartet uns eine riesige Halle, in der es einfach alles zu kaufen gibt. Zwischen Obst- und Kleiderständen finden sich Ersatzteile für Mopeds und Büchsen getrockneter Krabben, alles dicht an dicht und das bei erwähnten klimatischen Bedingungen. Unsere Kameras umklammernd schlängeln wir uns schwitzend durch die engen Gänge, vorbei an den ihre Waren anpreisenden Kaufleuten, die uns am liebsten komplett neu einkleiden würden. Das ist ein Erlebnis ganz eigener Art. Ulli lässt es sich nicht nehmen, eine Gruppenanschaffung zu tätigen: Er kommt mit einer großen Tüte zurück. Was hat der wohl wieder vor?

Nachdem wir uns nun zum ersten Mal selbst um eine Mahlzeit gekümmert haben, treffen wir uns um 14.30 Uhr, um mit dem Bus zu unserem nächsten Konzert zur „Nguyen Thi Minh Khai Oberschule“ zu fahren. Dort werden wir von der Direktorin empfangen, erhalten eine kleine Führung durch die Schule und können kurz beim Sportunterricht zuschauen, bevor wir dann ein Konzert vor der Schulleitung und vielen Schülerinnen und Schülern spielen. Die sind begeistert, singen und klatschen mit und sogar die Direktorin reißt es förmlich vom Hocker. Besonderen Applaus bekommen wir, als wir ein vietnamesisches Volkslied spielen, in das die Anwesenden lautstark einstimmen. Schließlich geht auch dieses Konzert zu Ende, wir bekommen Süßes und Obst gereicht und wir können uns mit den Schülerinnen und Schülern unterhalten und Fotos machen, bevor wir dann – wie immer schwitzend – mit dem Bus in Richtung Hotel aufbrechen.

Das heutige Abendessen ist sicherlich ein Highlight: Wir essen „Hot Pot“. Jeder von uns hat einen kochenden, im Tisch versenkten Topf Suppe vor sich, in den wir je nach Lust und Laune Nudeln, Fisch, Fleisch und andere „Sachen“ geben können, nachdem wir diese von einem vorbeilaufenden Förderband genommen haben. Wir dürfen für uns selbst kochen, das klingt gut. Was dort alles vorbeifährt, bedarf allerdings einiger Erklärungen durch Borries. Der riesige Fischkopf zum Beispiel bleibt zwar bis zum Schluss liegen, aber der ein oder andere Aal muss an diesem Abend dran glauben. Es ist so lecker, dass mancher nach mehr Suppe fragen muss: „Is the soup all, or…?“.

Dienstag, 04.10.2011

Während wir morgens schwitzend bei strahlendem Sonnenschein einem Reiseführer durch Saigon folgen, der uns durch ein Museum zur Geschichte Vietnams und den

Wiedervereinigungspalast führt, ahnen wir noch nicht, was uns später erwarten wird: Für den Abend sind wir nämlich vom deutschen Generalkonsul, Herrn Conrad Cappell, eingeladen, den feierlichen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit des deutschen Konsulats im New World Hotel musikalisch zu gestalten. Welch große Ehre für uns!!

Doch umso größer ist der Schock, als wir während der Anspielprobe vor Ort feststellen müssen, dass die Version der vietnamesischen Nationalhymne, die wir einstudiert hatten, nicht den Wünschen der Gastgeber entspricht. What a desaster! Unter enormem Druck wird die Anthem also umgekrempelt – abgesehen von der Melodie bleibt fast kein Ton unverändert. Dennoch schaffen wir es, dass die Hymne rechtzeitig erklingt – sie kann sich sogar hören lassen – und wir sind alle sehr erleichtert.

Im Anschluss an den offiziellen Akt wird deutsches Essen gereicht, was wir sichtlich genießen. Während mancher Vietnamese über dem Sauerkraut die Nase rümpft, laben wir uns vorzüglich. Schließlich kommen wir auch den an diesem Abend Schwarzwälder Trachten tragenden vietnamesischen Bedienungen etwas näher und knipsen einige lustige Fotos.

Mittwoch, 05.10.2011

Morgens bekommen wir beim Besuch des Konservatoriums für Musik von Ho Chi Minh City eine Führung und spielen dann später mit einigen Studenten gemeinsam vor großem Publikum im größten Konzertsaal Vietnams ein gefeiertes Konzert. Auch hier lässt es sich die Direktorin nicht nehmen, beim letzten Stück noch einmal selbst Hand anzulegen und an der Rassel zu brillieren.

Nach dem Mittagessen geht’s mit dem Bus in Richtung Norden aus der Stadt heraus. Bis hinter die Ohren mit Mückenspray bewaffnet, machen wir einen Ausflug nach Cu Chi, wo wir ein Freilichtmuseum besuchen, das sich dem Vietnamkrieg und den Taktiken der Vietcong widmet. Schwer beeindruckt und schockiert von den Fallen der Widerstandkämpfer und der Grausamkeit dieses Krieges dürfen wir schließlich selbst in einen kurzen und dunklen Abschnitt eines original Tunnels, in dem viele Vietcong-Kämpfer zur Zeit der amerikanischen Angriffe lebten, hinabsteigen.

Auf der Rückfahrt erklärte uns unser Reiseführer noch einiges über das politische System in Vietnam und singt mit uns politische Lieder mit Ohrwurmcharakter. Nach dem Abendessen kehrt bald Ruhe ein, denn für morgen ist ein Ausflug ins Mekong-Delta geplant.

Donnerstag, 06.10.2011

Dass heute einige von uns in professioneller Fahrradmontur beim Frühstück erscheinen, liegt wohl an der angekündigten Fahrradtour durchs Mekong-Delta. Nach einer gut zweistündigen Busfahrt erreichen wir endlich die Anlegestelle unseres Bootes. Zur großen Freude aller Beteiligten kommt nun Ullis im Markt gekaufte Überraschung: Er hatte für jeden einen Reishut gekauft, juhuu! Die dürfen wir gleich für das Gruppenfoto aufsetzten, sichtlich zur Freude der umstehenden Einheimischen.

Mit Mückenspray und Sonnenmilch im Anschlag – wir haben wieder super Wetter erwischt – fahren wir mit dem Boot auf einem der unzähligen Flussarme des Mekong und sehen einen der traditionellen schwimmenden Märkte. Wenig später gehen wir von Bord, um einige kleine „Fabriken“ zu besichtigen. Hier werden Kokosbonbons, Reisschnaps und viele andere Köstlichkeiten von Hand unter Bambusdächern gefertigt. Einige von uns decken sich mit Mitbringseln ein.

Für einen kleinen Schauder sorgt noch der Schlangenschnaps, in den tatsächlich eine nicht zu kleine Schlange eingelegt ist, bevor wir uns wieder mit dem Boot auf zu unserer geplanten Fahrradroute machen. Die entwickelt sich zu einem Highlight der ganzen Reise: Auf Damenrädern geht es auf die Matschpiste – da hilft selbst das tollste Trikot nichts mehr!

Es kommt zu diversen Zwischenfällen: Nach nur wenigen Metern wird ein Reifen von einem Skorpion platt gestochen und im weiteren Verlauf wird einer unserer begleitenden Lehrer heimtückisch vom Rad gestoßen (so die offiziellen Versionen). Nach anfänglichem Stop-and-Go verläuft die Fahrt insgesamt doch ohne größere Blessuren. Die Route führt uns über ungesicherte, nicht mal einen Meter breite Brücken vorbei an Bambushütten mit freundlich bemitleidend winkenden Einheimischen. Wir müssen ein super Bild abgegeben haben…

Endlich – fix und fertig und völlig durchgeschwitzt – an unserem Mittagslokal angekommen, erwartet uns ein tolles Mittagessen. Hübsch angerichteter Elefantenfisch und noch selbst zu kochende Titenfischtentakeln laden zum Schlemmen ein, bevor es mit Schiff und Bus zurück nach Ho Chi Minh City geht. Dieser Tag ist mit Sicherheit ein Highlight der gesamten Reise und wird uns noch lang in Erinnerung bleiben!

Freitag, 07.10.2011

Schon beim Aufwachen merken einige, dass sie wohl gestern zu lange Fahrrad gefahren sind – autsch! Nichts desto trotz steht uns ein langer Tag bevor: Wir werden zunächst zur deutsch-vietnamesischen Universität fahren, dort einen Auftritt haben, um dann wieder zurück nach Ho Chi Minh City zur Firma von Borries Plass zu fahren, wo wir für die Mitarbeitenden musizieren dürfen.

Das Konzert in der Uni verzögert sich ein wenig, weil der Monsun dazwischen kommt. So kommen wir schon vorab mit den Studierenden ins Gespräch und ein Student zeigt uns, was er auf der Trompete kann. Der Monsun hindert die VietnamesInnen aber keineswegs, später „volles Rohr“ mitzusingen. Besonders „Can you feel the Love tonight“, „Heal the World“, „We are the World“ und das vietnamesische Volkslied kommen super an. Zwischendurch bekommen wir noch eine Tanzeinlage, bevor sich unser Publikum fürs Abschlussfoto um uns herum aufstellt. Es werden noch viele Fotos gemacht und einige unterhalten sich sehr lebhaft.

Nach diesem sehr stimmungsvollen Auftritt haben wir die Freude, vietnamesisches Mensaessen in der Mensa verkosten zu dürfen, bevor wir zurück nach HCMC in die Firma von Borries fahren. Hier werden wir schon erwartet: Gerade wird ein Buffet mit Leckereien aufgebaut und kalte Getränke stehen auch schon bereit. Nachdem wir einige Stücke zum Besten gegeben und das Buffet geplündert haben, werden wir von den Mitarbeitern, die uns sehr offen begegnen, durch die Firma geführt.

Nach einigen abschließenden Stücken kehren wir schließlich müde von diesem anstrengenden Tag ins Hotel zurück. Zufälligerweise gibt es nicht weit von unserem Hotel ein „Deutsches Brauhaus“. Einige von uns lassen es sich nicht nehmen, hier mit sichtlicher Vorfreude ein Jägerschnitzel oder Cordon Bleu zu bestellen.

Zurück im Hotel heißt es packen, denn morgen in Allerherrgottsfrühe steht der Inlandsflug nach Hanoi an. Ein herzlicher Dank für die tolle Zeit in Ho Chi Minh City geht an Borries Plass, seine Frau Thu und das Team vom Goetheinstitut: Dr. Weinig, Frau Hanh und Bich Bui, die uns mit so viel Hingabe begleitet und uns Vietnam und seine Kultur so viel näher gebracht haben!

Samstag, 08.10.2011

4:30 Uhr, der Wecker klingelt. Oje! Es hilft nichts, raus aus den Federn. Pünktlich um 5:15 kommen alle mit gepackten Koffern und kleinen Augen nach unten zur Rezeption. Alle?

Stopp, da fehlen doch noch welche?! Stimmt, eines der beiden Mädelszimmer schläft noch. Sie werden geweckt und noch im Schlafanzug geht’s auf zum Flughafen, wo wir pünktlich einchecken können.

Der Flug verläuft reibungslos, bloß bei der Landung denken wir kurzzeitig, wir würden wieder abheben. Hier in Hanoi werden wir von Kai, einem guten Freund von Borries, mit einem schicken selbstgemalten Schild herzlich willkommen geheißen. Auch zwei Mitarbeiterinnen vom Goetheinstitut, Lena und Ulla, warten schon auf uns.

Wir werden ins „Hanoi Rose Hotel“ gebracht, unserer Bleibe für die restlichen Tage. Gegen Mittag machen wir uns auf, um gemeinsam essen zu gehen. Diese Aktion entpuppt sich als schwieriger als gedacht: Nach wenigen Minuten fängt es an stark zu regnen, unser Navigator scheitert am Kartenlesen und so ist die Hälfte der Gruppe ziemlich nass, bis wir endlich ein passendes Lokal finden. Dort schmeckt es dann aber umso besser.

Abends spielen wir ein Konzert im Innenhof des Goetheinstituts von Hanoi, wo uns Herr Stumpf, der Leiter des Instituts, begrüßt. Dieses Konzert ist stimmungsmäßig sicherlich eines der besten der gesamten Reise: Wieder geht das junge Publikum super mit und im Anschluss werden viele, viele Fotos von und mit uns geschossen. Nach ein paar Frühlingsrollen und einem Feierabendbierchen geht’s zurück zum Hotel, schließlich steht morgen nochmal ein großer Tag bevor!

Sonntag, 09.10.2011

„7:30 Abholung am Hotel, Halong-Bay Tour“ steht für heute auf dem Programm. Zunächst haben wir eine dreistündige Busfahrt vor uns, bevor wir die berühmte Bucht erreichen. Glücklicherweise haben wir auch heute wieder super Wetter erwischt.

Auf dem Schiff erwartet uns ein super Mittagessen und ein wahnsinnig toller Ausblick: die Bucht ist durchsetzt mit über 1000 steilfelsigen Inseln – und das bei herrlichstem Sonnenschein. Auf dem Sonnendeck ist es zwar vor Hitze fast nicht auszuhalten, doch die meisten lassen es sich nicht nehmen, die Liegestühle gebührend zu nutzen. Nach zwei Stunden Schifffahrt verlassen wir das Schiff und besichtigen eine gigantische Tropfsteinhöhle, die uns sehr beindruckt.

Auf der langen Rückfahrt nach Hanoi kehrt schnell Ruhe ein im Bus, schließlich haben wir bisher auf dieser Reise ein straffes Programm gemeistert. Nach einem gemeinsamen (zugegeben sehr europäischen) Abendessen mit Kai und seiner Frau Ha kehren wir in unser Hotel zurück. So geht einer der schönsten Tage dieser Reise zu Ende.

Montag, 10.10.2011

Wir verlassen das Hotel schon vor dem Frühstück samt Gepäck. Unser Frühstück bekommen wir im Café Goethe, bevor wir dann zu einer Schule in Hanoi fahren, wo wir auf dem

Schulhof – mitten in der Sonne – ein letztes Konzert geben. Mancher von uns schwitzt dermaßen, dass er sich noch während des Konzerts die Kleider vom Leib zu reißt – andere schwitzen tapfer in ihrer Konzertkleidung. Die Aussicht, vor dem Abflug nicht mehr duschen zu können, lässt uns schaudern.

Zum Mittagessen führen uns Kai und Ha in ein riesiges traditionelles Restaurant, in dem man bei der Zubereitung der Speisen zuschauen kann. Für jeden ist etwas dabei und einzig die Abrechnung gestaltet sich etwas kompliziert, da jeder separat bezahlen will. Um das bei unserer großen Gruppe zu bewältigen bedarf es acht Bedienungen, die sichtlich überfordert sind. Besonders der gute Wille, ein Trinkgeld geben zu wollen („The rest is for you“), sorgt für Missverständnisse. Schließlich ist aber auch das nach einer gefühlten halben Stunde bewältigt.

Nun steht noch ein bisschen Kulturprogramm an: Wir besichtigen den „Temple of Literature“, die älteste Universität Vietnams, und machen eine Rikschafahrt, bei der wir das vietnamesische Straßen- und Marktleben aus nächster Nähe beobachten können. Die beste Aktion ist sicherlich der Fahrertausch unseres „bestgebautesten“ Ensemblemitglieds, der kurzerhand selbst in die Pedale tritt und seinen Fahrer chauffiert, worüber sich die anderen Fahrer herzlich amüsieren. Im Anschluss daran besuchen wir noch die Insel im Hoan Kiem Lake, wo wir eine gigantische (tote) Schildkröte und einen Tempel bestaunen können.

Wieder zurück im Goetheinstitut werden die letzten Postkarten geschrieben. Hier gibt es auch ein Waschbecken, an dem wir uns zumindest ein bisschen erfrischen können, und wir bekommen ein sehr leckeres (deutsches) Abendessen zum Abschied. Die Mitarbeitenden des Goetheinstituts verabschieden sich von uns und wir beladen ein letztes Mal unseren Bus. Der Abschied von Kai und seiner Frau Ha ist sehr herzlich und wir bedanken uns für die große Fürsorge während unserer Zeit in Hanoi.

Der Check-In am Flughafen verläuft reibungslos und einige schlafen schon ein, bevor der Flieger überhaupt abhebt.

Dienstag, 11.10.2011

Die elf Stunden im Flugzeug vergehen schnell, die meisten schlafen. Mancher genießt das letzte Frühstück an Bord im „vietnamesian style“, es gibt Nudeln mit Muscheln.

Um 6:09 Uhr landen wir in Frankfurt, back in Germany! Die Vorfreude auf Zuhause nach fast zwei exotischen Wochen ist uns wahrscheinlich anzusehen. Nachdem wir endlich unser Gepäck gefunden haben, verabschieden sich die ersten. Der Großteil der Gruppe aber fährt noch gemeinsam mit dem Bus nach Bad Hersfeld.

Um 10:15 Uhr kommen wir in Bad Hersfeld an. Es ist kalt in Deutschland, wir frieren. Aber wir sind vor Allem eines: dankbar, bei dieser genialen Reise in dieses außergewöhnliche Land dabei gewesen zu sein! Wir haben so viel gesehen und erlebt – so viel mehr, als man hier beschreiben kann.

Vielen Dank an alle, die uns diese Reise ermöglicht haben und im Vorfeld so viel geplant und organisiert haben! Diese Reise war ein Riesenerlebnis!

Ein großer Dank geht auch an das Deutsche Goethe-Institut, das die Reise gefördert hat!

Mathias Balzer

Im Land der 1000 Seen

Als Ziel unserer Konzertreise 2012 stand Hyvinkää, eine 60km nördlich von Helsinki gelegene Stadt, auf unserem Reiseplan. Für die Jüngeren unter uns sollte die fünftägige Fahrt ihre erste Konzertreise überhaupt werden, die meisten Musiker unseres Ensembles besuchten Finnland aber bereits zum zweiten Mal. Da die Partnerschaft der Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Hyvinkää bereits 30 Jahre besteht, war dies Grund genug, Finnland ein weiteres Mal zu besuchen.

Dienstag, 02.10.2012

Am Vormittag brechen wir mit dem Bus zum Flughafen Frankfurt auf. Dort angekommen, bringen wir fast schon routiniert das Check-In und die Personenkontrolle hinter uns. Für manche ist die Personenkontrolle besonders aufregend, werden sie doch Ziel eines willkürlichen Sprengstofftestes.

Nach einiger Wartezeit geht es mit der Lufthansa-Maschine in knapp zwei Stunden in das Land der tausend Seen. In Helsinki gelandet, besteigen wir einen Reisebus, der uns in gut einer Stunde zu unserem eigentlichen Reiseziel Hyvinkää bringt.

Gegen Abend auf dem Gelände der HYK Schule angekommen, werden wir von unseren Gastfamilien herzlich empfangen. Die verbleibenden Stunden des Tages sind nun ganz dem Kennenlernen von Gastschülern und Gastfamilien gewidmet. Manch einer musiziert mit seinen Gasteltern, manch anderer lässt es sich in der Sauna gut gehen oder nutzt die Zeit, um seine Gastfamilie näher kennen zu lernen.

Mittwoch, 03.10.2012

Am nächsten Morgen sind wir zu einem Auftritt in die Tapainlinna Schule eingeladen. Doch vorher heißt es noch einmal kräftig üben, schließlich soll jeder Ton vor dem

musikinteressierten jungen Publikum sitzen. Nach einem Mittagessen im Nelson, einem kleinen Restaurant nahe der Schule, geht es dann endlich an die Instrumente.

Im Anschluss an unser Konzert beantworten wir von Schülern an uns gerichtete Fragen. Besonderes Interesse zeigen sie an den vielen verschiedenen internationalen Auftritten und Konzertreisen unseres Orchesters. Da in finnischen Schulen Deutsch als Fremdsprache angeboten wird, werden fast alle Fragen in unserer Muttersprache gestellt. Wir antworten ebenfalls auf Deutsch und man versteht einander in einer Sprache, von welcher es häufig heißt, sie sei äußert schwer zu erlernen.

Da der Nachmittag zur freien Verfügung steht, finden wir uns in kleinen Gruppen zusammen und erkunden den Stadtkern Hyvinkääs. Nebenbei machen wir uns über ganz selbstverständliche Alltagsszenarien wie das Überqueren einer Straße Gedanken, denn finnische Ampeln deuten durch ein dreimaliges Aufleuchten des aktuellen Zustandes dem Verkehrsteilnehmer den anschließenden Wechsel an. Und beim Einkaufen in einem Supermarkt stellen wir fest, dass die Warenkategorien standardisiert und im ganzen Land mit einer eindeutigen Nummer versehen sind, was es dem Käufer deutlich erleichtert, zu seinem gewünschten Produkt zu gelangen.

Gegen Abend treffen wir uns nach einem kurzen Aufenthalt in den Gastfamilien zum gemeinsamen Musizieren in Form eines Workshops mit Hyvinkääer Blechbläsern nahe des dortigen Stadthauses. Man findet sich in seiner jeweiligen Stimmlage zusammen und bekommt einen Ordner mit einer ganzen Reihe gängiger Stücke aus unterschiedlichen Musiggenres ausgehändigt. Entsprechend der Wünsche der Musiker spielen wir viele verschiedene Stücke.

So verbringen wir einen aufregenden und lehrreichen Abend, denn wir kennen zwar einige der Melodien, doch die Arrangements sind sehr unterschiedlich und wurden von uns nie zuvor geübt. Nach einigen Stunden des Musizierens neigt sich der Tag leider viel zu schnell seinem Ende zu. Zurück in den Gastfamilien können wir uns dann ausruhen, um auch den nächsten Tag in alter Frische genießen zu können.

Donnerstag, 04.10.2012

Unser zweiter Tag in Finnland beginnt mit einem Frühstück in den Gastfamilien. Anschließend ist ein Auftritt an der HYK Schule geplant, an der wir am Dienstagabend angekommen waren.

Nachdem wir uns kurz eingespielt haben, kommt die ganze Schule in der Sporthalle zusammen, um unserem kleinen Konzert zuzuhören. Die meisten unserer Pop-Stücke sind den finnischen Schülern bekannt, und als wir „YMCA“ anstimmten, wird sogar fröhlich mitgetanzt. Im Anschluss daran werden uns, wie in der Tapainlinna Schule, Fragen zu unserer Gruppe gestellt. Die meisten Schüler haben Deutsch als Fremdsprache und so können wir uns gut verständigen. Als Dank überreichen uns die Schüler zum Abschluss kleine Gebäckstückchen.

Vor dem gemeinsamen Mittagessen in der Schulkantine werden wir in Kleingruppen eingeteilt, in denen wir zusammen mit den finnischen Schülern, die eine kleine Stadtführung für uns vorbereitet haben, losziehen. Angefangen an der alten Kirche über das große Einkaufzentrum, die neue Kirche, die alte Wollfabrik, das Eisenbahnmuseum und weiteren Punkten lernen wir Hyvinkää besser kennen. Der Nachmittag steht uns dann zur freien Verfügung. Manche besuchen das städtische Hallenband, andere bleiben in der Innenstadt oder kehren zu ihren Gastfamilien zurück, um sich etwas auszuruhen.

Am Abend ist das Festkonzert des finnisch-deutschen Vereins, der bereits 30 Jahre in Hyvinkää besteht, im neu erbauten Rathaus angesetzt. Dieser für uns wichtigste Programmteil der Reise soll die partnerschaftliche Verbindung unserer Landkreise stärken. Ein mit Reden gespickter Anfangsteil der einzelnen Ehrenmitglieder, auf deutsch und finnisch, leitet die Veranstaltung ein. Darauf folgt ein Auftritt des HYK-Schulchores, bevor wir die Veranstaltung durch unseren Auftritt abschließen. Somit hat auch dieser Tag ein Ende und es geht zurück in die Gastfamilien, denn am nächsten Tag müssen wir wieder früh auf den Beinen sein.

Freitag, 05.10.2012

Nachdem wir gefrühstückt haben, geht es um 9 Uhr mit dem Zug nach Helsinki. Nach gut einer Stunde Fahrzeit kommen wir am Hauptbahnhof an. Das Wetter ist zwar sehr

schlecht, doch das hält uns nicht davon ab, die Innenstadt zu erkunden. Zuerst geht es mit der kompletten Gruppe in den Hafen, um ein gemeinsames Foto zu machen, danach haben wir Freizeit, die jeder individuell zum Essen oder Shoppen nutzt.

Um 14 Uhr geht es dann gemeinsam mit dem Zug zurück nach Hyvinkää, wo wir uns mit dem Chor der HYK Schule treffen und gemeinsam einen Ausflug zum Sääksi See unternehmen. Dort steht zunächst ein gemeinsamer Saunagang mit anschließender Erfrischungsmöglichkeit im See, der zu dieser Zeit schon sehr kalt ist, an. Anschließend lassen wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen und vielen Gesprächen ausklingen. Eine herzliche Verabschiedung beendet diesen typisch finnischen Abend und wir kehren zurück in die Gastfamilien.

Samstag, 06.10.2012

Heute ist bereits unser Abreisetag. Da wir erst um 11 Uhr zum Flughafen aufbrechen, können etwas länger schlafen und uns angemessen von unseren Gastfamilien verabschieden. Der Flieger Richtung Deutschland startet um 14 Uhr, und nach 3 Stunden Flug landen wir wohlbehalten in Frankfurt auf der gerade erst fertiggestellten neuen Landebahn, die bei unserem Abflug eingeweiht wurde.

Christian Höhne, Pascal Fuge

Wiedersehen in Polen

Als Ziel unserer Konzertreise 2013 stand Dzialdowo, eine polnische Kleinstadt in der Mitte zwischen Danzig und Warschau gelegen, auf unserem Reiseplan. Für einige Jüngere unter uns sollte die Fahrt ihre erste Konzertreise überhaupt werden, viele Musiker unseres Ensembles besuchten den Partnerkreis unseres Landkreises Hersfeld-Rotenburg aber bereits zum wiederholten Male.

Mittwoch, 05.06.2013

Gegen 16 Uhr starten wir mit dem Bus unsere Fahrt in die fast 1000 Kilometer entfernte Partnerstadt unseres Landkreises, Dzialdowo. Der Grund für unsere kurze und weite Reise ist das 20jährige Jubiläum unserer Partnerschule „ZESPÓL SZKÓL NR 2 im. Jana Pawla II“, die wir zuletzt im Jahre 2002 besucht haben.

Donnerstag, 06.06.2013

Nach einer langen Nachtfahrt kommen wir am frühen Morgen in Dzialdowo an. Doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt uns nicht, denn nachdem wir schnell im Hotel eingecheckt und unsere Konzertkleidung angezogen haben, geht es direkt zum Festakt in unsere Partnerschule.

Dort angekommen proben wir noch einmal das Programm und fahren anschließend zu einem Festgottesdienst in die kath. Kirche. Danach pilgern alle gemeinsam in die Sporthalle der Schule, wo nun die eigentliche Feierstunde beginnt. Nach vielen Grußworten und Geburtstagswünschen, u. a. durch unseren Schulleiter Karsten Backhaus, und einigen Auftritten der verschiedenen Arbeitsgruppen der Schule, wie zum Beispiel des Chores und einer Tanzgruppe, runden wir die Veranstaltung musikalisch ab.

Im Anschluss an unseren Auftritt können wir noch einen Snack zu uns nehmen, bevor wir zum Hotel zurückkehren. Dort haben wir erstmals Zeit zum Ausruhen und zum Schlaf Nachholen.

Nach dem Abendessen im Hotel holen uns einige polnische Schülerinnen und Schüler ab, um gemeinsam einen Bowling Abend zu verbringen, während die mitgereisten Lehrerinnen und Lehrer zu einer weiteren Feierstunde geladen sind.

Freitag, 07.06.2013

Heute steht ein Ausflug zur Ordensburg Marienwerder in Kwidzyn auf unserem Programm. Nach der knapp dreistündigen Busfahrt steigen wir am Mittag bei herrlichem

Sonnenschein auf dem Marktplatz aus.

Zunächst erhalten wir eine ausgiebige Führung durch die beeindruckende Burg und den dazugehörigen Dom. Anschließend haben wir noch etwas Zeit für ein Eis in der Stadt um dann nach Dzialdowo zurückzukehren.

Nach dem Abendessen gehen einige von uns in Stadt oder mit den polnischen Jugendlichen in die örtliche Disco.

Samstag, 08.06.2013

Nach dem Frühstück steht zunächst einmal das Kofferpacken an, anschließend können wir noch die hübsche Innenstadt von Dzialdowo erkunden. Währendessen planen die Lehrerinnen und Lehrer weitere gemeinsame Projekte wie zum Beispiel einen Gegenbesuch zum 40jährigen Schuljubiläum der Modellschule Obersberg.

Das letzte musikalische Highlight der Reise ist dann ein Konzert auf dem Marktplatz in Dzialdowo, wo wir unter der kräftigen Junisonne spielen. Hier können wir zum Abschluss der kurzen Reise unser Programm noch einmal der polnischen Öffentlichkeit präsentieren.

Nun steht uns leider schon wieder die Heimreise bevor. So starten wir am späten Nachmittag in Dzialdowo und kommen schließlich wohlbehalten am Sonntagmorgen in Bad Hersfeld an.

Lea-Katharina Müller

Besuch im Emsland

Donnerstag, 15.10.2015

Wir trafen wir uns gegen Mittag an der Modellschule Obersberg, um nach Papenburg aufzubrechen. Nach einer langen Busfahrt mit jeder Menge Spaß erreichten wir am späten Abend die Aula des Gymnasiums Papenburg. Dort wurden wir schon sehnsüchtig von unseren Gastfamilien erwartet, mit denen wir dann auch direkt zu denen nach Hause aufgebrochen sind.

Freitag, 16.10.2015

An unserem ersten Tag in Papenburg fuhren wir früh morgens nach Sögel, um uns das alte Jagdschloss Clemenswerth anzuschauen. Nach einer äußerst informativen Führung, die auch durch den heftigen Regen nicht getrübt wurde, fuhren wir zurück, genossen ein leckeres Mittagessen und trafen uns mit der ortsansässigen Bigband des Gymnasiums Papenburg zur Generalprobe für das anstehende Konzert am Abend.

Zusammen mit der Bigband spielten wir ein atemberaubendes Konzert, zur Freude der Papenburger Musikliebhaber. Und auch wir waren zufrieden: auf den Punkt genau waren wir fit! Den restlichen Abend ließen wir anschließend mit einem gemütlichen BBQ ausklingen. Den Grillmeister stellten im übrigen wir: Unserem Reisebegleiter Günter gelang es selbst unter schwierigsten grilltechnischen Voraussetzungen, Würstchen und Steaks gaumengerecht für Gäste und Gastgeber gleichermaßen ausliefern zu können!

Samstag, 17.10.2016

Einer der Höhepunkte war eindeutig der darauffolgende Tag. Geplant war eine Führung durch die Meyer – Werft, eine der größten in Deutschland. Zwei Stunden ging es von der einen in die andere Halle auf dem großflächigen Gelände und wir durften den Produktionsprozess „Kreuzfahrtschiff“ vom ersten Handgriff bis zur Fertigstellung hautnah nacherleben. Einfach beeindruckend, wenn man einem solchen Ozeanriesen als Winzling gegenübersteht! Nach der Besichtigung ging es ins Papenburger Arkadenhaus, wo wir ein Platzkonzert spielten. Mit dieser spontanen Musikeinlage beglückten wir viele Passanten.

Sonntag, 18.10.2015

Am Sonntag machten wir uns auch schon auf den Heimweg. Eine schöne Reise ging damit zu Ende und wird uns in guter Erinnerung bleiben. Musikalisch waren wir sehr erfolgreich, hatten viel Spaß in den fürsorglichen Gastfamilien und durften den Zauber des landschaftlich schönen Emslandes entdecken. Spannend war die Begegnung mit der Bigband des Gymnasiums Papenburg und zu Dank verpflichtet sind wir nicht zuletzt dem rührigen Leiter derselben, Hagen Stach, der vor Ort das Programm zusammengestellt und perfekt durchorganisiert hatte.

Tim und Marius

Auf den Spuren von Lullus

Sonntag, 03.04.2016

Nach einer langen Busfahrt ging es am Sonntagabend auf die Fähre, die uns nach England brachte. Der Ankunft erfolgte ein Empfang mit offizieller Begrüßung der Gruppe durch den Mayor of Malmesbury und weitere Unterstützer der Partnerschaft. Es wurde in diesem Rahmen bereits die weiterreichende Bedeutung der Begegnung für eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Malmesbury und Bad Hersfeld herausgestellt und erörtert, dass die Zusammenarbeit der beiden Städte besonders im Bereich der internationalen Jugendbegegnung weiter gepflegt werden wird.

Montag, 04.04.2016

Der darauffolgende Montag stand vor allem im Zeichen der musikalischen Projekte. So fand zunächst eine intensive Probe in der Town Hall statt, worauf das Blechbläserensemble ein Konzert auf dem im historischen Market Cross gab. Das Konzert kam sehr gut an. Zu “When the Sains“ wurde sogar auf dem Marktplatz getanzt. Der Tag wurde des Weiteren zu einem Rundgang in Malmesbury und den umliegenden Orten genutzt. Abends wurde zusammen mit Einheimischen eine Partie des populären Skittles (ähnlich wie Kegeln) ausgetragen. Dabei durfte das Glas Guinness nicht fehlen.

Dienstag, 05.04.2016

Am Dienstag, den 05.04. fand eine Tagesfahrt nach Bath statt. Die trotz ihres antiken Erbes mit römischen Thermalquellen und mittelalterlicher Abtei äußerst junge und durch

das studentische Leben pulsierende Stadt hat uns sehr beeindruckt. Abends fand ein gemeinsames Konzert mit der in Malmesbury und Umgebung ansässigen BJ Bigband Wiltshire statt, das sowohl seitens des Publikums als auch durch die örtliche Presse einige Tage später begeistert aufgenommen und überschwänglich gelobt wurde.

Mittwoch, 06.04.2016

Am Folgetag stand eine Exkursion nach Salisbury statt, wo wir eine Führung durch die Kathedrale von Salisbury erhielten, in der die Magna Carta aus dem 13. Jahrhundert als erstes Verfassungswerk, welches allgemeine Menschenrechte garantiert, von uns bestaunt wurde. Auf der Rückfahrt stand Stonehenge auf dem Plan und beeindruckte alle Beteiligten mit seiner geheimnisvollen Stimmung.

Donnerstag, 07.04.2016

Am nächsten Morgen ging es nach London. Doch stellte sich die Abreise durch die spannende Navigation äußerst langwierig da. Auch ein kleiner Unfall kurz vor London kostete viel Zeit. Die geplante Führung durch London konnten wir anschließend nur noch verkürzt genießen. Nach dem Check-In bestand die Möglichkeit, sich London genauer anzuschauen. In einem urigen Pub wurde das im Fernsehen übertragene Champions League Spiel des FC Liverpool gegen Borussia Dortmund verfolgt – ein Erlebnis, dass den Jugendlichen ganz besondere Einblicke in die sportbegeisterte englische Kultur gewährte.

Resumé

Insgesamt kann die Fahrt musikalisch und in Bezug auf das Gemeinschaftsgefühl im Ensemble als sehr erfolgreich bewertet werden. Auch mit Hinblick auf die vielen bereits angebahnte Folgeprojekte im Bereich der Jugendarbeit bedeutete der Besuch eine weitere Vertiefung der partnerschaftlichen Beziehungen nach Malmesbury.

Zu Besuch bei guten Freunden

Reisebericht Finnland: 14.06.-18.06.2017

Unsere Reise begann am Mittwoch, den 14.06. in Bad Hersfeld. Dort trafen wir uns um 15.30 Uhr und beluden den Bus mit Koffern und Instrumenten. Nachdem auch der letzte noch schnell sein Instrument geholt hatte, konnten wir um 16.15 Uhr nach Frankfurt am Main aufbrechen, denn von hier sollte es mit dem Flugzeug, wenn auch mit einer halben Stunde Verspätung, weiter nach Helsinki gehen. Nach ungefähr zwei Stunden setzen wir das erste Mal Fuß auf finnischen Boden. Von hier ging es weiter mit dem Bus an unseren Zielort, Hyvinkää. Um 2.30 Uhr Ortszeit (die Finnen sind uns eine Stunde voraus) erreichten wir unser Hotel, das Cumulus. Jeder bekam seinen Zimmerschlüssel und machte sich auf die Suche nach seiner Unterkunft. Dort angekommen, fiel man direkt ins Bett. Auch wenn es schwer fiel direkt einzuschlafen, da es zu dieser Jahreszeit nachts hier so hell ist wie am späten Abend, waren im Endeffekt doch alle zu müde, um sich davon stören zu lassen.

Helsinki und Bowling-Spaß

Der nächste Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück um 8.30 Uhr. Gestärkt für den Tag ging es um 10 Uhr mit dem Zug nach Helsinki. Wir machten uns auf den direkten Weg zum Hafen, denn dort stand „The Beautiful Canal Route“, eine circa 1,5-stündige Bootsfahrt durch die schöne Insellandschaft Helsinkis an.

Doch das waren nicht die einzigen Eindrücke, die wir an diesem Tag bekamen. Nach der Bootstour ging es direkt mit einer Sightseeing-Tour durch Finnlands Hauptstadt weiter. Aber keine gewöhnliche, denn unsere Musikerin Lisann hat eine finnische Freundin, die uns freundlicherweise durch die Stadt führte. Natürlich durfte bei dieser Tour nicht der beeindruckende Dom fehlen, vor dem wir auch direkt einige Gruppenbilder machten. Zum Ende unseres Helsinki-Ausflugs hatten wir noch etwas Freizeit, in der einige essen gingen, ein Erinnerungsshirt im Hard Rock Café kauften oder einfach durch die Straßen der Hauptstadt schlenderten.

Doch der Tag war hiermit noch nicht zu Ende. Nachdem wir wieder im Hotel ankamen, machten wir uns auch direkt auf den Weg zum Pizzaessen in das hoteleigene Restaurant. Gestärkt von der leckeren Pizza ging es zum Bowling. Es wurde viel gelacht und der eine oder andere Wettkampf zelebriert. Einer unserer finnischen Austauschschüler war an diesem Abend auch mit dabei. Er betreibt Bowling als Sport, aber wie das so ist, hatte unser Trompeter Klaus im direkten Duell mehr Gefühl in seinen drei Fingern. Da konnte selbst der finnische Posaunist nicht mithalten J Und wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören. Wir gingen alsbald also wieder zurück zum Hotel. Die einen hatten noch Lust auf einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, andere wiederum nutzten die hoteleigene Sauna, um den Tag ausklingen zu lassen.

„Volle Fahrt voraus“ zum Probentag

Mittlerweile ist es schon Freitag und wir brachten unsere Instrumente und Noten nach dem Frühstück in den Hyvinkääsali. Jedoch standen vor der Probe dort noch ein Besuch im Eisenbahnmuseum und das Mittagessen auf dem Plan. Ersteres Ziel konnten wir zu Fuß erreichen, da es mitten in der Stadt liegt. Finnlands Eisenbahngeschichte wird in dem Museum in Hyvinkää eindrucksvoll auf einem parkähnlichen Gelände präsentiert. Wir konnten die Bahnhofsgebäude besichtigen, aber auch die Eisenbahnen durften wir nicht nur von außen betrachten, sondern auch die Inneneinrichtung bestaunen. Einen riesen Spaß hatten wir nach der Führung, als jeder nochmal mit einer kleinen „Spaß-Lok“ mitfahren durfte. Doch auch dieser Spaß half nicht gegen das Hungergefühl in den Mägen der Musiker. Somit begaben wir uns wieder auf den Rückweg und suchten das Restaurant Harlekiini auf und aßen dort zu Mittag. Um 14.00 Uhr trafen wir uns dann am Hyvinkääsali, um mit unserem Ensemble zu proben. Nach einer erfolgreichen zweistündigen Probe kamen dann auch noch das finnische und ungarische Orchester dazu. Alle Musikgruppen probten zusammen und auch den Abend verbrachten wir gemeinsam. Wir fuhren mit dem Bus in das Freizeitzentrum Herunen, wo die Möglichkeit bestand, in die Sauna oder auch in dem See schwimmen zu gehen. Aber auch an diesem Abend war für das leibliche Wohl bestens gesorgt, denn es wurde gegrillt und es gab Getränke aus der Dose. Nach einem geselligen Abend ging es wieder mit dem Bus zurück in unser Hotel.

Konzertreicher Samstag

Wie auch an den anderen Tagen starteten wir mit dem Frühstück um 8.30 Uhr in den Tag. Jedoch trugen wir heute nicht unsere normale Kleidung, sondern das Poloshirt des Ensembles. Um 10 Uhr stand das Konzert auf dem Marktplatz an. Für unsere Zuschauer spielten wir Stücke wie „Oh when the Saints“, „It’s my Life“ und „Heal the World“. Nachdem jedes der drei Orchester alleine seine Stücke vorgetragen hatte, spielten wir auch noch ein paar gemeinsame Stücke. Wir gewannen sogar ein paar Fans, die nur gekommen waren, um mal ein bisschen deutsch zu reden. Einer war sogar so begeistert, dass er uns etwas typisch Finnisches auf dem Markt zu essen kaufte. Dankbar nahmen wir die Spezialität, die aus paniertem Fisch, wiederum gefüllt mit Fisch bestand, zu uns. Anschließend hatten wir von 12 bis 13 Uhr Zeit, uns im Park auszuruhen oder aber auch das Einkaufszentrum zu erkunden. Doch nach der Stunde Pause ging es direkt weiter mit einer gemeinsamen Probe. Hier wurde noch einmal das Programm für das am Abend bevorstehende Konzert im Hyvinkääsali durchgespielt. Um gestärkt in das Konzert zu gehen, endete die Probe um 14 Uhr und wir gingen zum nahegelegenen China-Restaurant. Hier wurde sich gestärkt und im Anschluss gingen wir in das Hotel zurück, um uns für das Konzert bereit zu machen. Die Anzüge und Kleider wurden ausgepackt und die eine oder andere Frisur geflochten. Um 17 Uhr trafen wir uns dann im Saal und es wurden noch einmal die Hemden gerichtet und es gab so manche Lehrstunde im Binden einer Krawatte. Jetzt konnte das Konzert beginnen! Zu Beginn spielte eine finnische Band ein paar Lieder, weiter ging es dann im Programm mit Begrüßungen, Danksagungen und Ehrungen und natürlich mit den Vorträgen der Orchester. Besonders gut bei der eher geringen Anzahl an Zuschauern kamen die gemeinsamen Stücke an. Mit diesem großen Orchester trugen wir ungarische Märsche, finnische Volkslieder, deutsche Kultlieder und den Fliegermarsch, aber auch internationale Lieder vor. Mit diesem Konzert endete von unserer Seite aus musikalisch die 100-jährige Unabhängigkeitsfeier, jedoch feierten wir gemeinsam mit den Ungarn und Finnen im Innenhof von Valvilla unsere Partnerschaft und das Zusammentreffen verschiedener Nationalitäten zelebrierend weiter. Auch an diesem Abend wurde für das leibliche Wohl mit einem ungarischen Gericht gesorgt. Für Unterhaltung sorgten einige ungarische Musiker, die ein Lied nach dem anderen spielten. Sie umrahmten den ganzen Abend mit ihrer Musik. Es wurden Spiele zusammen gespielt, viel gelacht und getanzt, auch wenn man nur kurz mitgerissen wurde.

In Finnland wird es während der Sommermonate nachts nicht richtig dunkel, weshalb wir, egal zu welcher Uhrzeit, immer dachten, es wäre erst halb sieben. Dies war zu unserem Vorteil, denn so fand jeder sicher im Hellen den Rückweg zum Hotel. Nach einem Tag voller Musik und Spaß fielen wir erschöpft ins Bett. Doch dass wir nicht lange schlafen konnten, war uns gleich klar.

Sportliche Abreise

Es war Sonntagmorgen, der 18.06., die Wecker klingelten und es war Koffer packen angesagt, denn am Abend sollte es schon wieder Richtung Heimat gehen. Doch zuvor fuhren wir um 9.30 Uhr mit dem Bus nach Lahti. Angekommen an unserem Ziel, bekamen wir per Bus durch eine deutschsprachige Reiseleiterin die Stadt gezeigt. Es gab so vieles Interessantes und Wissenswertes, dass wir uns kaum alles merken konnten. Nach der Rundfahrt waren unsere nächste Station die Sprungschanzen. Hier konnten wir vom oberen Ende der Schanze die Schanze selbst betrachten, aber auch die Aussicht von dort oben genießen und mit Bildern festhalten. Nach der Besichtigung ging es mit dem Fahrstuhl wieder herunter und mit dem Sessellift nach ganz unten an den Fuß der Sprungschanze. Hier gab es ein Schwimmbad zu sehen und eine Ausstellung, in der es einen Skisprungsimulator gab, der allen viel Spaß bereitete. Was einigen sehr viel Spaß bereitete, war ein besonderer Tischkicker, bei dem nicht Fußball, sondern Eishockey gespielt wurde. Um 14.30 Uhr mussten wir das Sportzentrum verlassen und begaben uns auf den Rückweg zum Flughafen nach Helsinki. Dort angekommen gaben wir unser Gepäck auf und warteten im Aufenthaltsbereich auf die Durchsage, dass wir unsere Maschine besteigen konnten. Um 18.15 Uhr war es dann soweit. Zwar starteten wir mit leichten Turbulenzen, doch der weitere Verlauf des Fluges war ruhig. Um 19.30 Uhr (deutsche Zeit) landeten wir dann in Frankfurt am Main. Nach der Kofferaufnahme ging es dann zum Bus. Es wurde wieder alles eingeladen und es ging weiter. Um 22.15 Uhr kamen wir schließlich in Bad Hersfeld an, wo wir mit Freuden empfangen wurden.

Die Konzertreise kann als sehr gelungen bezeichnet werden, denn wir konnten uns nicht nur, wenn für manche auch bereits das zweite Mal, der finnischen Kultur annähern, sondern uns auch musikalisch von der besten Seite zeigen. Diese Fahrt wird mit Sicherheit jedem gut in Erinnerung bleiben und wir hoffen, dass die deutsch-finnische Partnerschaft weiter so herzlich bestehen wird.